Wissenswertes

Studienkredite für das Medizinstudium

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Studienkredite für das Medizinstudium

Nudeln mit Ketchup, so viel wie möglich gebraucht kaufen und ach, Urlaub auf Balkonien ist doch sowieso am schönsten … Die meisten Studierenden kennen einige Tricks, um möglichst wenig Geld ausgeben zu müssen. Denn dass Mieten und Lebenshaltungskosten in vielen Städten sprichwörtlich durch die Decke gehen, ist kein Geheimnis. Aber auch allen Spartipps stellt sich für viele die Frage: Kann ich mir ein Medizinstudium überhaupt leisten? Hier bekommst Du einen Überblick, wie sich die lange und intensive Ausbildung finanzieren lässt.

Das Medizinstudium – ein teurer Spaß?

Auch wenn an staatlichen Universitäten nur noch geringe Studiengebühren anfallen: Jedes Studium kostet Geld. Und nicht alle können allein durch die Familie ausreichend unterstützt werden.

Tatsächlich gibt es beim Medizinstudium noch weitere Faktoren, die es finanziell besonders anspruchsvoll machen: Mit einer Regelstudienzeit von 12,5 Semestern ist es deutlich zeitintensiver als andere Studiengänge. Außerdem gilt Medizin als eines der anspruchsvollsten Fächer. Neben lernintensiven Phasen ist es für viele daher unmöglich, gleichzeitig zu arbeiten und damit den Lebensunterhalt zu bezahlen. Vor allem während Physikum und PJ wird es finanziell oft eng.

Der halbgeschenkte Studienkredit: BAföG

Zwar zählt offiziell auch BAföG zu den Studienkrediten, der wesentliche Unterschied zu anderen Krediten besteht darin, dass es sich zur Hälfte um einen Zuschuss, zur anderen Hälfte um ein zinsloses Darlehen handelt. Ein weiterer Vorteil: Die Rückzahlung ist auf 10.010€ begrenzt ist.

Es handelt sich also nicht um eine Kreditform im klassischen Sinn. Dabei kannst Du über die gesamte Regelstudienzeit finanziert werden, deshalb ist BAföG für viele Studierende die erste Anlaufstelle bei der Studienfinanzierung. Der große Haken: BAföG ist in der Regel elternabhängig. Auch bei vielen, die kaum unterstützt werden können, wird das Einkommen der Eltern als zu hoch eingestuft.

KfW-Studienkredit

Unabhängig von Einkommen der Eltern ist der ebenfalls staatlich geförderte KfW-Studienkredit. Zudem musst Du relativ wenig Voraussetzungen erfüllen, um von ihm profitieren zu können, er kann sogar ergänzend zum BAföG genutzt werden. Auch dieser Kredit bietet eine gute langfristige Möglichkeit: Über die maximale Laufzeit von 14 Semestern können monatlich bis zu 650€ ausgezahlt werden. Gefördert werden grundständige Erst- und Zweitstudiengänge sowie postgraduale Studiengänge und Promotionen in Deutschland. Dabei können die Auszahlungsbeträge flexibel angepasst werden, was für viele ein großer Vorteil ist. Aber: Auch der Zinssatz ist variabel. In den letzten Jahren ist es zu immer höheren Zinsen gekommen, wodurch die Zahl der Anträge zuletzt stark zurückging.

Die Rückzahlung beginnt 6-23 Monate nach Studienende, sodass Du genügend Zeit hast, nach dem Abschluss einen Job zu finden. Die monatlichen Zahlungsraten sind wiederum flexibel anpassbar, was vor allem im Berufseinstieg sehr entlastend sein kann. Die Mindestrate beträgt 20€ im Monat, bis zur Vollständigen Rückzahlung hast du 25 Jahre Zeit.

Auch Banken vergeben gerne Studienkredite. Dabei kannst Du meist einen bestimmten Betrag einmalig oder monatlich ausgezahlt bekommen, den Du später zuzüglich der entstandenen Zinsen zurückzahlst. Für die Aufnahme eines Kredits wird meistens Deine eigene Bonität geprüft, manchmal wird aber bei fehlendem eigenem Einkommen auch eine Bürgschaft verlangt. Da der Zinssatz in der Regel fest ist, sind Bildungskredite recht planbar.

Für ältere Semester: Der BVA-Bildungskredit

Ein weiteres staatliches Programm: Der Kredit des Bundesverwaltungsamtes (BVA) bietet in der Endphase des Studiums eine Finanzspritze. Auch er ist elternunabhängig, außerdem besticht er mit niedrigen Zinsen. Über einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten können über den Bildungskredit bis zu 7.200€ ausgezahlt werden – damit leistet er eher finanzielle Unterstützung als tatsächliches Auskommen. Und: Wenn Du bereits über dem 12. Hochschulsemester bist und keine Zulassung zur Abschlussprüfung hast, kannst Du leider nicht vom Bildungskredit profitieren.

Vier Jahre nach der ersten Auszahlung beginnt die Rückzahlungsphase mit monatlichen Raten von 120€. Es kann allerdings eine Verschiebung der Rückzahlung vereinbart werden.

Bildungsfonds

Bildungsfonds stellen eine Alternative zu klassischen Studienkrediten dar und richten sich meist an Studierende, die später gute Chancen auf ein hohes Einkommen haben – dazu zählen auch Medizinstudierende.

Die Auszahlungssummen während des Studiums sind oft flexibel, häufig werden außerdem Networking-Gelegenheiten und berufsvorbereitende Maßnahmen geboten. Einige Universitäten bieten ebenfalls solche Bildungsfonds an.

Oft handelt es sich um Investmentfonds, die vor allem Studierende mit Bestnoten ansprechen. Häufig ist die Rückzahlung direkt an Dein späteres Einkommen gekoppelt. Das bedeutet, dass Du Dich im Gegenzug zu der Finanzierung dazu verpflichtest, nach Berufseintritt einen bestimmten Teil Deines Einkommens an den Fonds zu. Es gibt verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Modellen, bei denen man die Bedingungen genau prüfen sollte.

Fazit

Es gibt einige Möglichkeiten, die Du in Betracht ziehen solltest, wenn BAföG und familiäre Unterstützung nicht infrage kommen oder ausreichen. Einen Studienkredit solltest Du nicht leichtfertig aufnehmen. Wenn es Alternativen gibt, solltest Du lieber auf diese zurückgreifen, denn für viele ist es eine Last, mit Schulden ins Berufsleben zu starten.

Wichtig ist vor allem, dass Du Dich vorher gut informierst, Angebote vergleichst und realistisch planst. In manchen Fällen kann ein Studienkredit eine sinnvolle Lösung sein, um sich voll auf das Studium konzentrieren zu können – und die Chancen stehen gut, dass Du das Geld als Arzt schnell zurückzahlen kannst.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

Alle Artikel von Jana →