Was macht ein...?

Was macht ein Betriebsarzt?

Von Julia Tech8 Min. Lesezeit
Betriebsarzt beim Gesundheitscheck im Unternehmen – Was macht ein Betriebsarzt?

Betriebsärzte sind Fachärzte, die ergänzend zu ihrer Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in der Betriebsmedizin erworben haben. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Mitarbeiter eines Unternehmens vor gesundheitlichen und den jeweiligen Betrieb damit vor finanziellen Schäden zu bewahren.

Was unterscheidet einen Betriebsmediziner von einem Arbeitsmediziner?

Betriebsmediziner sind Ärzte, die ergänzend zu ihrer Facharztausbildung die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin erworben haben. Arbeitsmediziner hingegen haben ihre Facharztausbildung im Bereich der Arbeitsmedizin absolviert, ihre Ausbildung nimmt etwa 5 Jahre in Anspruch und ist deutlich umfangreicher. Die Zusatzweiterbildung zum Betriebsarzt dauert nur etwa 1 bis 1,5 Jahre und richtet sich an Fachärzte aller Disziplinen in der unmittelbaren Patientenversorgung. Arbeitsmediziner arbeiten meist hauptberuflich in großen Unternehmen, bei Berufsgenossenschaften oder in arbeitsmedizinischen Diensten. Fachärzte mit der Zusatzqualifikation Betriebsmedizin bleiben oft regulär als Arzt in ihrem Fachbereich tätig und nutzen die Zusatzbezeichnung, um zusätzliche betriebsmedizinische Leistungen anzubieten. Fachlich sind Arbeitsmediziner deutlich umfangreicher ausgebildet – vor allem in Bezug auf komplexe Fälle, Gutachtenerstellung oder toxikologisch belastete Arbeitsplätze. Betriebsmediziner übernehmen vor allem Standard-Vorsorgen, Impfungen und Beratungen.

Was zeichnet die Arbeit als Betriebsarzt aus?

Wenn die Mitarbeiter eines Unternehmens regelmäßig Gefahren ausgesetzt sind – beispielsweise im Umgang mit gefährlichen Stoffen oder bei körperlich sehr beanspruchenden Tätigkeiten – ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, eine arbeitsmedizinische Betreuung bereitzustellen. Das legen sowohl das Arbeitsschutzgesetzt (ArbSchG) als auch die Arbeitsmedizinische Vorsorgeordnung (ArbMedVV) fest.

Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin kümmern sich um die Gesundheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Im Gegensatz zum typischen Alltag als Arzt, bei dem der Fokus hauptsächlich auf der Diagnostik und Therapie liegt, liegt der Schwerpunkt bei Betriebsärzten auf der Prävention von Berufskrankheiten und der allgemeinen Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Sie sind vertraut mit Gesetzen und Verordnungen wie dem Arbeitsschutzgesetz, dem Arbeitssicherheitsgesetz, der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge oder dem Präventionsgesetz.

Worin liegen die Aufgaben eines Betriebsarztes?

Als Betriebsarzt ist man für viele Aufgaben verantwortlich, dazu gehören vor allem:

  • Begehung und Bewertung des Arbeitsplatzes: Untersuchung der Arbeitsplätze, um Gesundheitsrisiken zu identifizieren und Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu veranlassen – inklusive Kontrolle ob diese umgesetzt und alle Arbeitsschutzvorschriften eingehalten wurden
  • Prävention: Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen, um gesundheitliche Probleme und Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen
  • Begutachtungen und Gefährdungsbeurteilungen: Erstellung von Gutachten bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement: Entwicklung von Programmen zur Gesundheitsförderung der Mitarbeiter, z. B. in Bezug auf Stressmanagement, psychische Belastungen oder Ergonomie am Arbeitsplatz inklusive Schulungen der Mitarbeiter zum Thema Gesundheitsschutz
  • Unterstützung bei der Wiedereingliederung: Der Betriebsarzt fungiert nicht als primäre Anlaufstelle im Falle akuter Krankheiten oder Verletzungen, jedoch steht er im engen Austausch mit den behandelnden Ärzten und unterstützt die Mitarbeiter bei der Wiedereingliederung

Wo arbeiten Betriebsärzte?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 4.046 berufstätige Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin. Sie arbeiten:

  • In Praxen oder Kliniken: Etwas weniger als die Hälfte aller Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin arbeitet hauptberuflich in Praxen: Viele Ärzte, die die Zusatzbezeichnung erworben haben, gehen ihrer regulären ärztlichen Tätigkeit als Facharzt weiter nach und nutzen die Zusatzqualifikationen, um zusätzliche Leistungen wie z. B. Vorsorgeuntersuchungen nach dem ArbMedVV durchzuführen. Nur etwa 280 unter ihnen sind in Klinken angestellt.
  • In Arbeitsmedizinischen Diensten: Viele Ärzte mit der Zusatzqualifikation sind ergänzend zu ihrem Praxis- oder Klinikalltag bei arbeitsmedizinischen Diensten wie dem BAD oder TÜV angestellt. Solche Dienste vermitteln Betriebsärzte an Unternehmen, damit sie im Betrieb Untersuchungen durchführen oder zu betrieblichem Gesundheitsmanagement beraten.
  • Im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD): Einige Ärzte arbeiten zusätzlich in Gesundheitsämtern oder Landesgesundheitsbehörden. Dort sind ihre Aufgaben zum Beispiel die Beratung von Einrichtungen wie Pflegeheimen und Kitas bezüglich Infektionskrankheiten oder die Beteiligung an Projekten im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM).
  • In Betrieben: Manche Ärzte mit der Zusatzqualifikation haben sich dazu entschieden, ihren beruflichen Fokus ganzheitlich auf die betriebsärztliche Arbeit zu legen. Sie sind in großen Unternehmen wie der Deutschen Bahn oder Siemens angestellt und fest in den betrieblichen Alltag integriert.

Wie wird man Betriebsarzt?

Die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin kann erworben werden, wenn man ein bestandenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung nachweisen kann. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland. Die Weiterbildung dauert in der Regel etwa 1 bis 1,5 Jahre.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung folgende Punkte:

  • 360 Stunden Kurs-Weiterbildung in Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin
  • 1.200 Stunden betriebsärztliche Tätigkeit (das sind umgerechnet 150 Arbeitstage à 8-Stunden)
  • Die 1.200 Stunden können durch 9 Monate Weiterbildung an befugten Weiterbildungsstätten ersetzt werden. Kassenärzte, die in Vollzeit arbeiten, können die betriebsärztliche Tätigkeit auf 13 Stunden Nebentätigkeit pro Woche begrenzen.

Die Zusatzweiterbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen Praxen unterschiedlicher Fachbereiche, auf Arbeitsmedizin spezialisierte Fachpraxen, arbeitsmedizinische Dienste oder Unternehmen wie zum Beispiel Siemens.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern gibt es Suchportale, die befugte Weiterbildungsstätten in unterschiedlichen Städten anzeigen. Auf der Seite Medixum, der Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags, werden Online-Blockmodule für den Theorieteil angeboten.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Ärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen: Nach 5 Jahren ist eine bestimmte Anzahl Fortbildungspunkte nachzuweisen – die genau Zahl variiert je nach Bundesland. Für diese CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) wird eine Vielzahl von Fortbildungsformaten anerkannt: Zertifizierte Online-Kurse, Fachzeitschriften, Workshops, Seminare, Kongresse, Fachtagungen, Hospitationen, Qualitätszirkel oder auch Fallkonferenzen. Die Anerkennung erfolgt durch die zuständige Landesärztekammer oder durch beauftragte Fachgesellschaften.

Online-Plattformen wie das Forum Medizin Fortbildung (FOFM) bieten zahlreiche Fort- und Weiterbildungskurse in den Bereichen Betriebs- und Arbeitsmedizin an. Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Umweltmedizin - Hygiene – Arbeitsmedizin, die von der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) publiziert wird.

Möchte man sein Fachspektrum erweitern, kann man sein Wissen in verwandten Fachgebieten wie der Umweltmedizin, Toxikologie oder Arbeitspsychologie vertiefen, um noch umfassendere Behandlungen und Beratungen anbieten zu können.

Wie viel verdient ein Betriebsarzt?

Die Mehrheit der Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin nutzt die Qualifikation nicht im Rahmen einer Vollzeitstelle. Sie bieten ergänzend zur Arbeit in ihrem Fachgebiet betriebsärztliche Betreuungen direkt oder über einen arbeitsmedizinischen Dienst an. Dabei werden sie auf Stundenbasis oder nach Fallpauschalen bezahlt. Im Durchschnitt kann man mit einem zusätzlichen Verdienst von etwa 150 bis 250 Euro pro Stunde rechnen.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.

Im öffentlichen Gesundheitsdienst richtet sich das Gehalt in der Regel nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) oder dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Das Einstiegsgehalt für einen Facharzt liegt bei etwa 5.000 bis 5.500 Euro brutto im Monat und kann mit zunehmender Berufserfahrung und Verantwortungsübernahme auf bis zu 7.000 Euro oder mehr steigen.

In Unternehmen kann die Vergütung sehr unterschiedlich ausfallen.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Betriebsmedizin?

Die Zukunftsperspektiven der Betriebsmedizin sind vielversprechend. Immer mehr Unternehmen legen Wert auf präventive Maßnahmen, um Krankheitsausfälle zu reduzieren und das allgemeine Bewusstsein für Gesundheit am Arbeitsplatz wächst. Dazu gehört auch der Bereich Mental Health, die psychische Gesundheit der Mitarbeiter: Betriebsärzte werden immer stärker in die Prävention, Früherkennung und Unterstützung bei psychischen Belastungen eingebunden.

Neben der persönlichen Gesundheit wird auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen immer größere Bedeutung zugemessen: Mit wachsendem Umweltbewusstsein wird die betriebsmedizinische Beratung in Zukunft mehr Aspekte des nachhaltigen Arbeitens und der Minimierung umweltbedingter Gesundheitsrisiken umfassen.

Die fortschreitende Digitalisierung und die Entwicklung neuer Technologien werden die betriebsärztliche Arbeit in Zukunft noch effizienter und patientenspezifischer gestalten. Der Einsatz von Wearables wie Smart Watches in Kombination mit Gesundheit-Apps wie Cardiogram eröffnen neue Möglichkeiten der Gesundheitsüberwachung und individuellen medizinischen Beratung.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Betriebsarzt?

Der Weg zum Betriebsarzt kann sich lohnen. Mit der Zusatzqualifikation in der Betriebsmedizin kann man in verschiedenen Bereichen aktiv werden – von der Prävention typischer Berufskrankheiten über den gesetzlichen Arbeitsschutz bis hin zur allgemeinen Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Das gestaltet die Arbeit sehr abwechslungsreich. Für viele Ärzte kann es erfüllend sein, über den Praxis- oder Klinikalltag hinaus aktiv dazu beizutragen, die Arbeitswelt gesünder und sicherer zu gestalten.

Die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin ermöglicht es Fachärzten, in ihrer Praxis zusätzliche arbeitsmedizinische Leistungen anzubieten oder für arbeitsmedizinische Dienste zu arbeiten, die sie an Betriebe mit medizinischem Bedarf vermitteln. In jedem Fall wirkt sich die Zusatzweiterbildung positiv auf das Gehalt aus. Darüber hinaus sind die Arbeitszeiten in diesem Bereich planbar und die Arbeitsbedingungen attraktiv – man arbeitet überlicherweise nicht im Bereitschaftsdienst oder muss auf plötzliche medizinische Notfälle gefasst sein. Braucht man als langjähriger Arzt für Innere Medizin einen Tapetenwechsel, der den alltäglichen Stress reduziert und Schichtdienste ausschließt, kann die Entscheidung für die Zusatzweiterbildung in der Betriebsmedizin ganz neue Türen öffnen.

FAQs

Was macht ein Betriebsarzt?

Betriebsärzte sind Fachärzte, die ergänzend zu ihrer Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in der Betriebsmedizin absolviert haben. Sie sorgen dafür, dass alle Arbeitsschutzverordnungen eingehalten werden, beraten den Arbeitgeber zum allgemeinen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (z. B. Ergonomie), beurteilen die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter und unterstützen sie nach Erkrankungen bei der beruflichen Wiedereingliederung.

Wie wird man Betriebsarzt?

Die Weiterbildung zum Betriebsarzt ist eine Zusatzweiterbildung – Zu dieser wird man zugelassen, wenn man ein bestandenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung nachweisen kann. Die Zusatzweiterbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen Praxen unterschiedlicher Fachbereiche, arbeitsmedizinisch spezialisierte Praxen, arbeitsmedizinische Dienste oder große Unternehmen. Über Suchportale auf den Webseiten der Landesärztekammern kann man sich befugte Weiterbildungsstätten anzeigen lassen.

Wie viel verdient ein Betriebsarzt?

Die meisten Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin nutzen die Qualifikation nicht im Rahmen einer Vollzeitstelle. Sie bieten ergänzend zur Arbeit in ihrem Fachgebiet betriebsärztliche Betreuungen entweder direkt oder über einen arbeitsmedizinischen Dienst an. Dabei werden sie auf Stundenbasis oder nach Fallpauschalen bezahlt. Im Durchschnitt kann man mit einem zusätzlichen Verdienst von etwa 150 bis 250 Euro pro Stunde rechnen.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Betriebsarzt?

Die Weiterbildung zum Betriebsarzt dauert in der Regel 1 bis 1,5 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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