Was macht ein...?

Was macht ein Gefäßchirurg?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
Was macht ein Gefäßchirurg?

Was macht ein Gefäßchirurg?

Gefäßchirurgen sind Ärzte, die nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Gefäßchirurgie, einem Teilgebiet der Chirurgie, abgeschlossen haben. Der Begriff der Chirurgie leitet sich vom griechischen Wort cheirourgia ab, was sich mit Handarbeit übersetzen lässt – und genau darum geht es – die Handarbeit an den menschlichen Gefäßen.

Was zeichnet die Arbeit als Gefäßchirurg aus?

Gefäßchirurgen behandeln hauptsächlich Erkrankungen der Blutgefäße, also der Arterien und Venen. Sie führen sowohl offene Operationen (z. B. bei Aneurysmen) als auch minimal-invasive Eingriffe (z. B. für Stent-Implantationen) durch und kennen die Techniken, die es für die Arbeit an diesen feinen und komplexen Strukturen des Körpers braucht. Neben geplanten Eingriffen sind sie auch in der Notfallmedizin tätig und retten Leben: Sie greifen im Falle akuter Gefäßstörungen ein, beispielsweise, wenn Risse in großen Arterien genäht werden müssen. Als Gefäßchirurg ist man Teil eines interdisziplinären Teams aus Radiologen, Anästhesisten, Internisten und anderen Fachärzten – je nachdem, welche Gefäße betroffen sind.

Worin liegen die Aufgaben eines Gefäßchirurgen?

Gefäße sind röhrenförmige Strukturen im Körper, die Blut, Lymphflüssigkeit und andere Substanzen transportieren. Es gibt drei Hauptarten von Gefäßen: Arterien (Bluttransport vom Herzen zu den Organen), Venen (Bluttransport zurück zum Herzen) und Kapillaren (feine Gefäße für den Austausch zwischen Blut und Gewebe).

Gefäßchirurgen diagnostizieren und behandeln Erkrankungen dieser Gefäße, dafür nutzen sie zum Beispiel folgende Untersuchungsmethoden:

  • Doppler-Ultraschall (Duplexsonographie): Zur Messung des Blutflusses in Arterien und Venen, um z. B. Verschlüsse oder Thrombosen zu erkennen
  • Digitale Subtraktionsangiographie (DSA): Röntgentechnik mit Kontrastmittel, mit der Gefäße hochpräzise dargestellt werden können
  • CT-Angiographie (CTA): Schnelle, hochauflösende Bildgebung der Gefäße mittels CT – häufig verwendet bei akuten Gefäßverschlüssen oder Aneurysmen

Häufige Erkrankungen, die sie behandeln, sind unter anderem:

  • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung): Verengung der Arterien durch Plaques (Ablagerungen), die Durchblutungsstörungen erzeugen
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Verengung der Arterien in Armen oder Beinen, was Schmerzen beim Gehen oder sogar Wunden verursacht
  • Aneurysmen: Aussackung der Arterienwand, die die Gefahr eines Risses birgt
  • Venenerkrankungen: Zum Beispiel Krampfadern (Varizen) – Erweiterte und geschlängelte oberflächliche Venen
  • Thrombosen: Bildung von Blutgerinnseln in den Venen oder Arterien
  • Gefäßverletzungen: Zum Beispiel nach Unfällen oder Operationen
  • Gefäßmissbildungen: Angeborene Fehlbildungen wie arteriovenöse Malformationen

Für die Behandlung der Erkrankungen entscheidet der Gefäßchirurg zwischen konservativen Methoden (medikamentöse Behandlungen, Kompressionstherapien oder Lebensstiländerungen), offenen Operationen oder minimal-invasiven Verfahren wie Stent-Implantationen). Zudem überwacht er im Rahmen von Nachsorge und Rehabilitation die Heilungsentwicklung und berät Patienten präventiv in Bezug auf Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin, um das Risiko für Gefäßerkrankungen zu minimieren.

Wo arbeiten Gefäßchirurgen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 1.782 Fachärzte für Gefäßchirurgie. Sie arbeiten:

  • Stationär: Knapp 85 % aller Gefäßchirurgen arbeiten in größeren Krankenhäusern oder Unikliniken. Dort findet man sie entweder in einer spezialisierten Abteilung für Gefäßchirurgie oder in der allgemeinen Chirurgie, in der sie eng im Team mit anderen Spezialisten arbeiten. Manche Kliniken haben eine Abteilung für Angiologie, die sich auf die Diagnose und Behandlung von Gefäßerkrankungen spezialisiert hat.
  • Ambulant: Im ambulanten Bereich arbeiten Gefäßchirurgen zum Beispiel in Zentren für Gefäßmedizin, die in einer Kooperation mit Kliniken stehen. Aber auch ohne klinische Infrastruktur können Gefäßchirurgen ihrer Arbeit nachgehen: In Fachpraxen oder MVZs kümmern sie sich um die ambulante Versorgung der Patienten, die Beratung, Diagnosestellung und Nachsorge nach Operationen umfasst. Minimal-invasive Eingriffe wie Stent-Implantationen oder Verödungen können auch ambulant durchgeführt werden.

Wie wird man Gefäßchirurg?

Um sich als Gefäßchirurg bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Gefäßchirurgie abschließen. Die Weiterbildung umfasst in Deutschland 6 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland. Die fachärztliche Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich große Krankenhäuser und Unikliniken.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung zum Gefäßchirurgen:

  • 72 Monate im Gebiet Chirurgie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon
  • 48 Monate Ausbildung in Gefäßchirurgie
  • 6 Monate Ausbildung in der Notfallaufnahme
  • 6 Monate Ausbildung in der Intensivmedizin
  • Bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten zum Kompetenzerwerb

Die ersten 24 Monate der Ausbildung werden auch Common Trunk genannt. In dieser Zeit wird man allgemein im Bereich der Chirurgie ausgebildet und erwirbt neben den fachspezifischen Kompetenzen grundlegendes Wissen und allgemeine Fertigkeiten der Chirurgie, die alle Teilgebiete betreffen.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich, und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 Fortbildungspunkte zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Innerhalb der Gefäßchirurgie kann man sich zum Beispiel auf endovaskuläre Verfahren (endovaskulär = innerhalb der Blutgefäße – Eingriffe ohne große Inzisionen) spezialisieren und seinen Fokus auf minimalinvasive Eingriffe wie Stent-Implantationen, Ballonangioplastien und andere katheterbasierte Behandlungen richten, um schonendere Alternativen zu offenen Operationen anbieten zu können. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) vergibt an interventionell tätige Chirurgen mit viel Erfahrung die Zusatzbezeichnung Endovaskulärer Chirurg und als weitere Steigerung den Titel Endovaskulärer Spezialist.

Es ist jederzeit möglich, seine Kompetenzen in Bezug auf konkrete Krankheiten wie Aneurysmen oder Venenerkrankungen zu vertiefen und das eigene Therapiespektrum zu erweitern. Manche Gefäßchirurgien spezialisieren sich auf die Thorax- und Aortenchirurgie – die Behandlung von Erkrankungen der Aorta und des Brustkorbs, die häufig mit komplexen Operationen verbunden ist.

Möchte man den Umgang mit akuten Verletzungen und Notfällen im Gefäßbereich vertiefen, sind Fortbildungen in der Notfall- und Trauma-Vaskularchirurgie eine Möglichkeit.

Als offizielle Zusatzweiterbildung im Katalog der Bundesärztekammer bietet sich die Phlebologie an: Gefäßchirurgen mit dieser Zusatzbezeichnung sind auf Venenerkrankungen wie Krampfadern, chronische Veneninsuffizienz und Thrombosen spezialisiert. Die Zusatzweiterbildung ist besonders relevant für Gefäßchirurgen, die sich auf Venensysteme konzentrieren möchten.

Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Gefässchirurgie, die vom Springer-Medizin-Verlag im Auftrag der DGG veröffentlicht wird.

Online-Plattformen wie das Forum Medizin Fortbildung (FOFM) oder Medixum, die Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags, bieten ebenfalls Fortbildungs- und Aufbaukurse im Bereich Gefäßchirurgie an.

Wie viel verdient ein Gefäßchirurg?

Das konkrete Gehalt eines Gefäßchirurgen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Gefäßchirurgie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Schichtarbeit kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich anheben.

Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Gefäßchirurgie?

Die Zukunft der Gefäßchirurgie ist vielversprechend. Forscher arbeiten stetig an neuen robotischen Operationssystemen. Es gibt bereits Pilotprojekte, bei denen Robotersysteme für komplexe Eingriffe in der Gefäßchirurgie getestet werden. Ziel ist es, die Präzision und Kontrolle bei minimalinvasiven Gefäßoperationen zu verbessern.

Zudem geht der Trend hin zur Interventionellen Gefäßchirurgie: Immer mehr Eingriffe, die vorher nur chirurgisch möglich waren, werden nun minimal-invasiv durchgeführt. Besonders bei Erkrankungen wie Aneurysmen, Verengungen oder Verschlüssen der Gefäße werden zunehmend endovaskuläre Techniken eingesetzt, bei denen Katheter und spezielle Implantate wie Stents verwendet werden. Diese Entwicklung bringt viele Vorteile mit sich: kürzere Heilungszeiten, geringeres Risiko für Komplikationen, weniger Schmerzen und eine schnellere Rückkehr in den Alltag.

Mithilfe von genetischen Analysen und Biomarkern können Therapien künftig noch genauer auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Das bedeutet weniger Nebenwirkungen und schnellere Heilung.

Fortschritte in der Bildgebung, zum Beispiel im Bereich der 3D-Darstellung und bei intraoperativen Methoden, verbessern die Präzision bei Eingriffen erheblich. Das ermöglicht genauere Diagnosen und gezieltere Behandlungen.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Gefäßchirurgen?

Der Weg zum Gefäßchirurgen kann sich lohnen. Die Facharztausbildung nimmt 6 Jahre in Anspruch und bildet zum Spezialisten für die chirurgische Behandlung von Körpergefäßen aus. Gefäßchirurgen tragen eine hohe Verantwortung und übernehmen oft lebensrettende Eingriffe bei schwerwiegenden Gefäßverengungen (Stenosen) oder Gefäßerweiterungen (Aneurysmen), was viele Ärzte als sehr erfüllend erleben.

Für den Alltag als Gefäßchirurgen sind Stressresilienz und Selbstsicherheit unerlässlich – auch in Notsituationen sollte man fokussiert und konzentriert bleiben können. Aufgrund des Fachkräftemangels und des hohen Bedarfs an Gefäßchirurgen gehören lange Arbeitszeiten, Schicht- und Bereitschaftsdienste zum Berufsalltag.

Das Fachgebiet ist hochkomplex und stetig im Wandel. Vor allem Ärzte mit Interesse an moderner Technik und Robotik werden sich in diesem Fachgebiet zuhause fühlen. Neue Technologien vergrößern das Gebiet möglicher Behandlungsmethoden kontinuierlich, sodass man sich stetig weiterentwickeln kann.

Was macht ein Gefäßchirurg?

Gefäßchirurgen sind Ärzte, die nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Gefäßchirurgie, einem Teilgebiet der Chirurgie, abgeschlossen haben. Sie behandeln hauptsächlich Erkrankungen der Blutgefäße, also der Arterien und Venen. Sie führen offene und minimal-invasive Operationen an Gefäßen durch, verschreiben konservative Therapien (z. B. Medikation), übernehmen die Nachsorge nach Eingriffen und beraten präventiv bezüglich Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen.

Wie wird man Gefäßchirurg?

Um sich als Gefäßchirurg bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Gefäßchirurgie abschließen. Die Ausbildung findet in Weiterbildungsstätten statt, die von der jeweiligen Landesärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich große Krankenhäuser und Unikliniken. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, die befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen.

Wie viel verdient ein Gefäßchirurg?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Gefäßchirurgen?

Die Ausbildung zum Facharzt für Gefäßchirurgie dauert in der Regel 6 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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