Was macht ein...?

Was macht ein Gerichtsmediziner?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
Gerichtsmediziner im rechtsmedizinischen Institut – Was macht ein Gerichtsmediziner?

Gerichtsmediziner haben nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Rechtsmedizin abgeschlossen. Sie untersuchen Leichen und führen Obduktionen durch, um Todesursache, Tatumstände und Verletzungen zu ermitteln und detaillierte Gutachten für Gerichte und Behörden zu erstellen. Bei Kriminalfällen wie Gewaltverbrechen oder Mord untersuchen sie lebende und verstorbene Opfer sowie verdächtige Personen beispielsweise in Bezug auf Verletzungen oder toxische Substanzen und führen DNA-Tests durch, um Beweise für die strafrechtlichen Ermittlungen bereitzustellen.

Was zeichnet die Arbeit als Gerichtsmediziner aus?

Im Unterschied zu allen anderen Ärzten liegt der Fokus eines Facharztes für Rechtsmedizin nicht auf dem lebendigen, sondern auf dem toten Patienten. Gerichtsmediziner sind die Detektive unter den Ärzten. Sie verbinden medizinisches Fachwissen mit forensischer Wissenschaft, um Todesursachen und Umstände zu klären – beispielsweise bei Unfällen, Gewaltverbrechen aber auch bei natürlichen Todesfällen. Sie arbeiten eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen, um Beweise zu sichern und Tatabläufe zu klären.

In diesem Beruf braucht man starke Nerven – nicht jeder ist für die Arbeit mit Leichen geeignet und kann sich emotional ausreichend von grausamen Verbrechen abgrenzen. Die Arbeit eines Gerichtsmediziners erfordert Sorgfalt, Genauigkeit und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, da sich seine Ergebnisse direkt auf strafrechtliche Verfahren auswirken.

Worin liegen die Aufgaben eines Gerichtsmediziners?

Zu den Hauptaufgaben eines Gerichtsmediziners zählt vor allem die Obduktion – die Untersuchung verstorbener Personen bzw. die Leichenöffnung mit dem Ziel, die genaue Todesursache festzustellen, beispielsweise durch Analyse von Verletzungen, Krankheiten oder toxische Substanzen. Der Facharzt für Rechtsmedizin findet heraus, ob der Tod durch natürliche Ursachen, Unfall, Fremdeinwirkung oder Gewalt herbeigeführt wurde. Er fertigt detaillierte Berichte über die Befunde an und erstellt Gutachten zu Tatabläufen, Verletzungsmechanismen oder Toxikologie, die vor Gericht als Beweismittel dienen können. Auch lebende Personen werden von ihm auf Verletzungen oder Krankheitsbilder im Zusammenhang mit Straftaten (z. B. Sexualdelikte oder Körperverletzungen) untersucht, um Informationen für eine angemessene Beurteilung des Falls bereitzustellen.

Gerichtsmediziner sichern und analysieren Spuren am Tatort oder an Opfern, dazu gehören zum Beispiel Blut, Haare, Speichel oder Sperma. Auch der Abgleich von Schuhabdrücken, Fußspuren oder Handabdrücken gehört zu ihrem Job. Sie führen DNA-Analysen durch, um Identitäten zu klären oder Verwandtschaftsverhältnisse festzustellen und untersuchen Gewebeproben, Blut und andere Körperflüssigkeiten auf Substanzen, um den Einfluss von Drogen oder Alkohol zu ermitteln. Durch die Analyse von Blutspuren können sie den vermutlichen Tathergang rekonstruieren. Sogar die Analyse der Luft auf Partikel kann Hinweise über die Abläufe am Tatort liefern.

Sie nehmen histologische Untersuchungen, das heißt, sie untersuchen Gewebeproben unter dem Mikroskop, um Zellstrukturen und Veränderungen zu erkennen. Diese Methode hilft beispielsweise bei der Feststellung von Tumoren, Entzündungen oder Gewebeschäden. Auch osteologische Analysen, also die Untersuchung von Knochen, kann wichtige Informationen liefern. Verletzungen in Knochen können beispielsweise auf die Nutzung von Messern oder ähnlichen Tatwerkzeugen hindeuten und bei Schussverletzungen Rückschlüsse auf die Kalibergröße liefern. Röntgenaufnahmen von Handknochen geben Aufschluss über das Alter.

Zudem führen Gerichtsmediziner bakteriologische und mikrobiologische Tests durch, um Infektionserreger wie Bakterien oder Viren zu identifizieren, die zum Tod beigetragen haben könnten.

Gerichtsmediziner können mit ihrem Fachwissen Tatabläufe nachweisen, die die Kollegen in der Forensik ohne medizinische Ausbildung nicht erfassen können. So können sie beispielsweise die Bewegungsabläufe unter Einbeziehung der individuellen Anatomie des Opfers nachvollziehen und wichtige Informationen zum Tathergang bereitstellen.

Gerichtsmediziner sind Teamworker – die Arbeit mit Forensikern, Polizei und Justiz ist für das Lösen eines Falls unerlässlich. Bei Bedarf werden sie als Sachverständiger vor Gericht geladen.

Wo arbeiten Gerichtsmediziner?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 298 Fachärzte für Rechtsmedizin. Ein großer Teil unter ihnen ist stationär angestellt und arbeitet in rechtsmedizinischen Abteilungen in Unikliniken und Krankenhäusern. Zudem arbeiten viele in rechtsmedizinischen Instituten von Universitäten. Einige von ihnen sind in Landes- oder Bundeskriminalämtern sowie im gerichtsärztlichen Dienst beschäftigt.

Wie wird man Gerichtsmediziner?

Um sich als Gerichtsmediziner bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Rechtsmedizin abschließen. Diese umfasst in Deutschland 5 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland und müssen gegebenenfalls bei der zuständigen Landesärztekammer erfragt werden.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung 60 Monate Ausbildung in Rechtsmedizin, davon müssen 6 Monate im Gebiet Pathologie und 6 Monate im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie abgeleistet werden. Für den interdisziplinären Kompetenzerwerb können bis zu 6 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen.

Die Ausbildung wird in befugten Weiterbildungsstätten absolviert, dazu zählen hauptsächlich Universitätskliniken und Institute für Rechtsmedizin an Universitäten. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich Weiterbildungsstätten anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Um auf dem neusten Stand des Wissens zu bleiben, ist die regelmäßige Teilnahme an Konferenzen, Seminaren und anderen Fortbildungsveranstaltungen unerlässlich. Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM) sowie die Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCH) informieren auf ihren Webseiten über Weiterbildungsveranstaltungen und Arbeitsgemeinschaften. Für das Selbststudium eignet sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Rechtsmedizin.

Innerhalb der Rechtsmedizin kann man sich auf die folgenden Bereiche spezialisieren:

  • Toxikologie: Untersuchung von Giften, Drogen und chemischen Substanzen im Körper
  • Forensische Anthropologie: Analyse von Skelettelementen bei unbekannten oder verwesten Leichen
  • Forensische Odontologie: Einsatz der Zahnmedizin bei Identifizierungen
  • Hirn- und Nervengewebe: Spezialisierung auf neurologische Aspekte bei forensischen Untersuchungen
  • Drogen- und Suchtmedizin: Untersuchung von Drogeneinwirkungen und -vergiftungen.

Zudem kann man Weiterbildungen in verwandten Bereichen wie der Kriminaltechnik, Rechtsmedizin, Toxikologie oder Forensischen Psychiatrie wahrnehmen.

Viele Gerichtsmediziner wirken an wissenschaftlichen Studien mit, um das Fachwissen zu erweitern oder sind als Dozenten in Universitäten für die Ausbildung angehender Gerichtsmediziner zuständig.

Wie viel verdient ein Gerichtsmediziner?

Das konkrete Gehalt eines Gerichtsmediziners ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Rechtsmedizin in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Bereitschaftsdienst – Kriminalfälle sind nicht planbar – kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich aufstocken und auch Wochenendarbeit, Nachtdienste und Feiertagsdienste wirken sich positiv auf das Gehalt aus.

Gerichtsmediziner im gerichtsärztlichen Dienst werden in der Regel nach Besoldungsgruppen des Beamtenrechts bezahlt. Diese liegen für Gerichtsmediziner oft bei A14 oder A15. In leitenden Positionen kann die Besoldung auch bis zur Gruppe A16 gehen. Das Einstiegsgehalt in der Besoldungsgruppe A14 liegt beispielsweise bei 5.183,60 Euro, ab Stufe 8 erhält man 6.972,92 Euro monatlich, das Einstiegsgehalt der Stufe 15 beläuft sich auf 6.289,17 Euro und erstreckt sich auf bis zu 7.846,32 Euro.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Rechtsmedizin?

Die Zukunftsperspektiven der Rechtsmedizin sind vielversprechend vor allem angesichts des technischen Fortschritts: Die Digitalisierung und der Einsatz neuer bildgebender Verfahren wie Virtopsy – die virtuelle Obduktion mittels hochauflösender Bildgebung – ermöglichen detaillierte Untersuchungen ohne Gewebsentnahme und eröffnen neue Wege in der forensischen Forschung und Lehre. Die digitale Vernetzung von Daten und die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) könnten die Analyse und Auswertung von Beweismitteln beschleunigen und die Gewinnung von Erkenntnissen vereinfachen. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach rechtsmedizinischen Gutachten in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel in der Untersuchung von Gewaltopfern und Sexualdelikten, was die Bedeutung der Rechtsmedizin für die Rechtspflege und den Opferschutz unterstreicht.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Gerichtsmediziner?

Der Weg kann sich lohnen. Der Beruf des Gerichtsmediziners vereint Medizin, Wissenschaft, Recht und forensische Arbeit. Mit einem Interesse an Medizin, einem Sinn für Gerechtigkeit und einer Faszination für Kriminalfälle und den Schattenseiten des Menschseins wird man sich als Gerichtsmediziner wohlfühlen. Zudem leistet man einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung von Verbrechen und trägt eine hohe Verantwortung, der man sich bewusst sein muss. Für die tägliche Konfrontation mit Gewaltverbrechen und der Arbeit mit Leichen braucht man starke Nerven, eine gefestigte Persönlichkeit und die Fähigkeit, sich emotional abgrenzen zu können. Der Arbeitsplatz ist stabil, die Nachfrage ist gegeben und der öffentliche Dienst bietet in der Regel Jobsicherheit und attraktive Sozialleistungen.

FAQs

Was macht ein Gerichtsmediziner?

Gerichtsmediziner haben nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Rechtsmedizin abgeschlossen. Sie untersuchen Leichen und führen Obduktionen durch, um Todesursache, Tatumstände und Verletzungen zu ermitteln und detaillierte Gutachten für Gerichte und Behörden zu erstellen. Bei Kriminalfällen wie Gewaltverbrechen oder Mord untersuchen sie lebende und verstorbene Opfer sowie verdächtige Personen zum Beispiel in Bezug auf Verletzungen oder toxische Substanzen und führen DNA-Tests durch, um Beweise für die strafrechtlichen Ermittlungen bereitzustellen.

Wie wird man Gerichtsmediziner?

Um sich als Gerichtsmediziner bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine 5-jährige Facharztausbildung im Bereich Rechtsmedizin abschließen. Diese kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Landesärztekammer befugt sind – das sind hauptsächlich Universitätskliniken und Institute für Rechtsmedizin an Universitäten. Gemäß der Muster-WBO der Bundesärztekammer umfasst die Facharztausbildung 60 Monate Ausbildung in Rechtsmedizin, davon 6 Monate im Gebiet Pathologie sowie 6 Monate im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie, 6 weitere Monate können zum interdisziplinären Kompetenzerwerb in frei wählbaren Gebieten erfolgen

Wie viel verdient ein Gerichtsmediziner?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung in einer Uniklinik erhalten angehende Gerichtsmediziner ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Im ersten Jahr als Facharzt erhält man 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Im gerichtsärztlichen Dienst werden Gerichtsmediziner nach Besoldungsgruppe A14 oder A15 bezahlt, in leitenden Positionen nach A16. Das Einstiegsgehalt in der Besoldungsgruppe A14 liegt bei 5.183,60 Euro, ab Stufe 8 erhält man 6.972,92 Euro monatlich, das Einstiegsgehalt der Stufe 15 beläuft sich auf 6.289,17 Euro und erstreckt sich auf bis zu 7.846,32 Euro.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Gerichtsmediziner?

Die Ausbildung zum Facharzt für Rechtsmedizin dauert in der Regel 5 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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