Was macht ein...?

Was macht ein Handchirurg?

Von Julia Tech7 Min. Lesezeit
Handchirurg untersucht Hand, Röntgenbild im Hintergrund – Was macht ein Handchirurg?

Die Hand ist eines der wichtigsten Werkzeuge des Menschen, sie besteht aus 27 Knochen, 29 Gelenken und über 123 Muskeln, Sehnen und Bändern. Unsere Fingerspitzen sind mit einer hohen Dichte an Tastkörperchen ausgestattet, was ihnen eine außergewöhnliche Empfindlichkeit verleiht. Handchirurgen kennen sich mit den feinen Strukturen der Hände aus und wissen, was im Falle von Bewegungseinschränkungen, Schmerzen oder Verletzungen zu tun ist. Sie haben aufbauend auf ihrem chirurgischen Facharzttitel eine Zusatzweiterbildung in der Handchirurgie abgeschlossen und sind spezialisiert auf die Behandlung von Erkrankungen der Hand und des Unterarms.

Was zeichnet die Arbeit als Handchirurg aus?

Handchirurgen tragen mit ihren Händen dazu bei, die Hände ihrer Patienten wieder funktionsfähig zu machen und sie von Schmerzen zu befreien. Als Handchirurg behandelt man sowohl akute Verletzungen wie Schnittwunden, Frakturen und Sehnenrisse als auch chronische Erkrankungen und Fehlbildungen. Der Beruf des Handchirurgen erfordert eine hohe Feinmotorik und Präzision, da man mit sehr kleinen und feinen Strukturen wie Nerven, Blutgefäßen oder Sehnen arbeitet. Eine besondere Herausforderung des Fachgebiets ist die Rekonstruktive Chirurgie. Sie zielt darauf ab, die Funktion der Hände wiederherzustellen, zum Beispiel mithilfe von Gewebe-Transplantationen.

Worin liegen die Aufgaben eines Handchirurgen?

Laut Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer gehören zum Aufgabengebiet des Handchirurgen: die Erkennung, operative und nicht operative Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Tumoren sowie die Rekonstruktion nach Erkrankungen oder Verletzungen der Hand und des distalen Unterarms.

Handchirurgen versorgen zum Beispiel Knochenbrüche im Hand- und Handgelenkbereich, sie behandeln Sehnen-, Bänder- und Nervenschäden, die durch Unfälle und Traumata entstanden sind und reparieren Haut- und Weichteilverletzungen.

Im Falle von Fehlbildungen wie Daumen- oder Fingeranomalien (z. B. Klumpfinger) oder deformierten Gelenken und Sehnen können sie chirurgische Korrekturen vornehmen damit und die Funktionalität der Hände sichern.

Zudem empfangen sie Patienten mit chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Arthrose (Verschleiß des Gelenkknorpels in Hand und Fingern) oder dem Karpaltunnelsyndrom (Chronische Kompression des Nervus medianus im Handgelenk).

Handchirurgen führen sowohl Eingriffe mit modernen minimal-invasiven Verfahren (z. B. Arthroskopie) oder offene Operationen (z. B. Sehnenrekonstruktionen) durch. Nach Operationen verschreiben sie zur Wiederherstellung der Beweglichkeit und Kraft der Hände Physiotherapien oder zeigen dem Patienten spezielle Übungen. Zudem beraten Handchirurgen präventiv bezüglich ergonomischer Arbeitsweisen und klären über den richtigen Umgang mit Verletzungen auf.

Wo arbeiten Handchirurgen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 41.287 berufstätige Chirurgen in Deutschland, darunter 1.817 Chirurgen mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie. Sie arbeiten:

  • Stationär: Knapp 2 Drittel der Handchirurgen arbeitet in Kliniken. Dort findet man sie häufig in Abteilungen für Orthopädie- und Unfallchirurgie oder Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Einige Kliniken verfügen über eine eigene Abteilung für Handchirurgie, zum Beispiel das Uniklinikum Köln.
  • Ambulant: Viele Handchirurgen arbeiten in Praxen und Zentren, die sich auf die Handchirurgie spezialisiert haben. Einige Praxen haben die Fachbereiche der Hand- und Fußchirurgie oder der Orthopädie- und Unfallchirurgie kombiniert.

Wie wird man Handchirurg?

Die Weiterbildung zum Handchirurgen ist eine Zusatzweiterbildung – Man kann sich zum Handchirurgen weiterbilden lassen, wenn man ein bestandenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung in folgenden Gebieten nachweisen kann:

  • Allgemeinchirurgie
  • Kinder- und Jugendchirurgie
  • Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland und müssen bei der jeweiligen Landesärztekammer erfragt werden.

Um die Zusatzbezeichnung Handmedizin zu erlangen, schreibt die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein 24 Monate Weiterbildung im Fachbereich der Handchirurgie vor. Die Weiterbildung kann in medizinischen Zentren, Praxen und Kliniken absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, die mögliche Weiterbildungsstätten anzeigen. Hier gilt zu beachten, dass der Fachbereich Handchirurgie häufig den Gebieten Orthopädie- und Unfallchirurgie oder Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie zugeordnet ist.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 Fortbildungspunkte zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Innerhalb der Handchirurgie kann man sich zum Beispiel in folgenden Bereichen weiterbilden:

Mikrochirurgie: In diesem Gebiet stehen komplexe Operationen an kleinen Strukturen wie Nerven, Blutgefäßen und Sehnen im Fokus – Diese Fähigkeiten sind besonders bei Rekonstruktionen und Wiederherstellungsoperationen von Bedeutung

Nervenchirurgie: Dieses Teilgebiet der Chirurgie fokussiert sich auf die Behandlung von Nervenschäden, Nervenrekonstruktionen und –transplantationen

Rekonstruktive Handchirurgie: Dieser Fachbereich konzentriert sich auf die Wiederherstellung der Funktion und Ästhetik der Hände nach Verletzungen, Tumoren oder angeborenen Fehlbildungen

Sehnen- und Ligamentenchirurgie: Dieses Chirurgie-Teilgebiet legt den Fokus auf die Behandlung von Sehnen- und Bänderverletzungen, inklusive Rekonstruktionen und Rehabilitationsmaßnahmen

Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) bietet diverse Fortbildungskurse an. Für das Selbststudium eignet sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Handchirurgie – Scan.

Wie viel verdient ein Handchirurg?

Das konkrete Gehalt eines Handchirurgen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Handchirurgie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Handchirurgie?

Die Zukunft der Handchirurgie ist vielversprechend. Neue Roboter-Techniken sollen die Arbeit des Chirurgen in Zukunft noch mehr erleichtern: Mithilfe von speziellen Operationssystemen (z. B. die Da-Vinci-Reihe) werden die chirurgischen Eingriffe der Zukunft noch präziser, die Genesungszeit der Patienten kürzer und Komplikationen, die durch menschliche Hände entstanden wären ,vermieden.

Im Bereich der Rekonstruktiven Handchirurgie wird vor allem der 3D-Druck ganz neue Möglichkeiten eröffnen: Mithilfe von maßgeschneiderten Implantaten und Geweben, die perfekt auf den Patienten abgestimmt sind, können komplexe Rekonstruktionen präziser und schonender durchgeführt werden. Zudem kann man chirurgische Eingriffe mithilfe von 3D-Modellen genauer planen und dadurch Risiken reduzieren.

Allgemein geht der Trend hin zur Interventionellen Chirurgie: Immer mehr Eingriffe werden minimal-invasiv order katheterbasiert durchgeführt. Ein typischer minimal-invasiver Eingriff in der Handchirurgie ist zum Beispiel die endoskopische Karpaltunnel-Entlastung. Dabei wird eine kleine Inzision gesetzt und ein dünnes Endoskop eingeführt, um den Karpaltunnel sichtbar zu machen und das umgebende Gewebe schonend zu durchtrennen, damit der Druck auf den Nerv gelindert werden kann. Wie alle minimal-invasiven Verfahren bedeutet auch diese Methode weniger Schmerzen, kleineren Narben und eine schnellere Genesung.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Handchirurgen?

Die Weiterbildung zum Handchirurgen kann sich lohnen. Sie nimmt 2 Jahre in Anspruch und spezialisiert auf die Chirurgie an den Händen. Die Arbeit erfordert oft lange Phasen der Feinmotorik und kann körperlich anstrengend sein. Zudem sollte man eine gewisse Offenheit für die Arbeit im Team mitbringen, denn als Handchirurg arbeitet man eng mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und anderen Fachärzten zusammen, um die bestmögliche Behandlung für den Patienten zu planen. Neue Techniken wie Mikrochirurgie, minimal-invasive Verfahren und spezielle neue Implantate machen die Arbeit besonders aufregend und innovativ. Mit ruhigen Händen, einer Portion Geduld, dem Wunsch, Menschen zu helfen und Freude an modernen Technologien wählt man mit der Zusatzweiterbildung zum Handchirurgen den richtigen Weg.

FAQs

Was macht ein Handchirurg?

Handchirurgen sind ausgebildete Chirurgen, die eine Zusatzweiterbildung in der Handchirurgie abgeschlossen haben. Sie behandeln sowohl akute Verletzungen wie Schnittwunden, Frakturen und Sehnenrisse als auch chronische Erkrankungen und Fehlbildungen der Hände.

Wie wird man Handchirurg?

Um Handchirurg zu werden, muss man eine Zusatzweiterbildung absolvieren. Voraussetzung dafür ist eine Facharztanerkennung in der Allgemeinchirurgie, Kinder- und Jugendchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie oder der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie. Die Weiterbildung kann in medizinischen Zentren, Praxen und Kliniken absolviert werden, die von der Landesärztekammer befugt sind.

Wie viel verdient ein Handchirurg?

Das Gehalt eines Handchirurgen hängt davon ab, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Spezialisierungen, lediglich die Berufserfahrung und Position beeinflussen das Einkommen. Als Handchirurg in einem Krankenhaus verdient man je nach Land monatlich zwischen 7.000 und 9.000 Euro brutto.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Handchirurgen?

Die Weiterbildung zum Handchirurgen dauert in der Regel 2 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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