Was macht ein...?

Was macht ein HNO-Arzt?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
HNO-Arzt untersucht Ohr mit Otoskop – Was macht ein HNO-Arzt?

HNO-Ärzte haben nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde abgeschlossen. Sie diagnostizieren und behandeln Fehlbildungen, Verletzungen und Erkrankungen an Ohren, Nase, Augenhöhle, Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, am oberen Abschnitt der Speiseröhre, an Kopfspeicheldrüsen sowie Weichteilen von Kopf, Gesicht und Hals.

Was zeichnet die Arbeit als HNO-Arzt aus?

Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunden bildet die Schnittstelle zu anderen Fachgebieten wie der Neurologie, der Allergologie, der Onkologie, der Zahnmedizin und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten aus diesen Spezialgebieten und Fachkräften aus Logopädie, Onkologie oder Radiologie macht die Arbeit besonders vielseitig.

In der Facharztausbildung erlernen angehende HNO-Ärzte neben konservativen Behandlungsmethoden auch operative Therapien, zum Beispiel mithilfe von endoskopischen und mikroskopischen Techniken. Das heißt, dass sie im Falle bestimmter Erkrankungen chirurgisch tätig werden dürfen und minimal-invasive Eingriffe wie Mandelentfernungen, Begradigungen der Nasenscheidewand oder die Reparatur von Trommelfelldefekten selbst durchführen können. Dabei brauchen sie besonders viel Feingefühl, denn die Arbeit mit so empfindlichen Organen wie dem Gehör, dem Gleichgewichtssystem oder den Stimmbändern ist einzigartig und erfordert sehr ruhige Hände.

Worin liegen die Aufgaben eines HNO-Arztes?

Ein HNO-Arzt hat sich der medizinischen Versorgung von Hals, Nase und Ohren verschrieben.

Rund um die Nase kümmert er sich zum Beispiel um Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis), Nasenpolypen (gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut), Allergien, Nasenfrakturen, anatomische Fehlbildungen und Störungen des Geruchsinns.

Im Bereich der Ohren behandelt er Mittelohrenzündungen, Perforationen des Trommelfells, Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen oder Hörstörungen.

Patienten, die mit Beschwerden im Hals zu ihn kommen, leiden oft unter Rachen-, Mandel-, oder Kehlkopfentzündungen, Tonsillensteinen, Schluckstörungen, Refluxkrankheiten, Schilddrüsenkrankheiten oder Infektionen im Halsbereich.

Darüber hinaus behandelt ein HNO-Arzt Funktionsstörungen der Sinnesorgane und den ihnen zugeordneten Hirnnerven, dazu gehören Schluck-, Stimm-, Sprach-, Sprech- und Hörstörungen. HNO-Ärzte werden zum Beispiel hin und wieder von Schauspielern und Sängern besucht, die sich für ihren Job eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen lassen wollen oder unter Knötchen auf den Stimmbändern leiden. Zudem helfen HNO-Ärzte Patienten mit Schlafstörungen wie Schlafapnoe, zum Beispiel durch operative Eingriffe an den oberen Atemwegen oder die Anpassung von Schlafmasken. Auch die Früherkennung und Therapie von Tumoren ist Teil ihrer Arbeit.

Für die Diagnostik stehen dem HNO-Arzt verschiedene Methoden zur Verfügung, darunter zum Beispiel:

  • Inspektion: Sichtprüfung von Hals, Rachen, Nase und Ohren mithilfe von Instrumenten wie Otoskop und Spatel
  • Palpation: Abtasten der Lymphknoten und des Kehlkopfs auf Vergrößerungen oder Schmerzen
  • Endoskopie: Einsatz eines flexiblen oder starren Endoskops zur Sichtbarmachung der inneren Strukturen wie Nasenhöhle, Rachen, Kehlkopf und Stimmbänder
  • Hör- und Gleichgewichtstests: Audiometrien zur Beurteilung des Hörvermögens und vestibuläre Tests zur Untersuchung des Gleichgewichtssinns

Wo arbeiten HNO-Ärzte?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 6.608 Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Sie arbeiten:

  • Ambulant: Mehr als 2 Drittel der HNO-Ärzte arbeiten im ambulanten Bereich. Man findet sie in HNO-Praxen, ambulanten Operationszentren, Medizinischen Versorgungszentren (MVZs) sowie Zentren für Schlafmedizin, Nasenchirurgie oder Hörzentren.
  • Stationär: Ungefähr 1.600 HNO-Fachärzte arbeiten auf HNO-Abteilungen in Unikliniken und Krankenhäusern oder auch in Kliniken, die sich auf Kopf- und Halschirurgie spezialisiert haben.

Wie wird man HNO-Arzt?

Um sich als Hals-Nasen-Ohren-Arzt bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde abschließen. Diese umfasst in Deutschland 5 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung 60 Monate Ausbildung in Hals-Nasen- Ohrenheilkunde. Davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Fachbereichen erfolgen. Diese fachübergreifende Weiterbildungszeit soll die interdisziplinäre Kompetenz fördern und die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten verbessern. Häufig werden dafür die Allgemeinmedizin, Chirurgie, Radiologie, Neurologie, Phoniatrie und Pädaudiologie oder Allergologie gewählt.

Die Facharztausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich Unikliniken und ambulante HNO-Praxen. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Innerhalb des Fachgebiets können sich HNO-Ärzte auf einen der drei Teilbereiche spezialisieren: Die Otologie für die Behandlung von Ohrenerkrankungen, die Rhinologie für die Behandlung von Nasenerkrankungen oder die Laryngologie für die Behandlung von Erkrankungen des Kehlkopfes.

Zudem bieten sich Spezialisierungen auf die Neurootologie (Behandlung von Gleichgewichtsstörungen) oder Weiterbildungen im Bereich der Kopf- und Hals-Chirurgie an, um sein Spektrum an minimal-invasiven Eingriffen zu erweitern.

Der Weiterbildungskatalog der Bundesärztekammer beinhaltet einige spannende Zusatzweiterbildungen, die man als Ergänzung zu einem Facharzttitel abschließen kann, um eine entsprechende Zusatzbezeichnung zu erlangen. Für HNO-Ärzte kommen vor allem folgende Zusatzweiterbildungen in Frage:

  • Schlafmedizin: Zur Therapie von Erkrankungen wie obstruktiver Schlafapnoe oder Schnarchen
  • Stimm- und Sprachstörungen: Zur Therapie von Stimm-, Sprach- und Schluckstörungen, insbesondere im Zusammenhang mit Kehlkopf- und Stimmbandproblemen
  • Allergologie: Zur Therapie von allergischen Erkrankungen der oberen Atemwege wie Heuschnupfen oder allergische Rhinitis
  • Schmerzmedizin: Zur Therapie von chronischen Schmerzen im HNO-Bereich

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., Bonn (DGHNO-KHC) bietet diverse Fortbildungsveranstaltungen an, darunter zum Beispiel der Kurs Praxisnahe Audiologie und Neurootologie oder das Webinar Vestibularisdiagnostik.

Für das Selbststudium eignet sich die wissenschaftliche Zeitschrift HNO.

Wie viel verdient ein HNO-Arzt?

Das konkrete Gehalt eines HNO-Arztes ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Private Krankenhäuser wie die HELIOS Klinik zahlen zwar individuelle Löhne, diese orientieren sich jedoch stark an den gängigen Tarifverträgen

Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.

Etwas mehr als die Hälfte aller HNO-Ärzte waren 2023 in eigener Praxis niedergelassen. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts von 2023 liegt der durchschnittliche jährliche Reinertrag einer Praxis aus dem Bereich bei 311.000 Euro. Der Reinertrag ist die Differenz zwischen den Einnahmen und den Betriebsausgaben und stellt noch nicht das Nettoeinkommen des Praxisinhabers dar. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Kammerbeiträgen, Beiträgen zum Versorgungswerk, privater Altersvorsorge sowie eventuellen Kreditraten für die Praxisübernahme bleiben dem Inhaber pro Monat schätzungsweise 7.500 Euro netto.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde?

Die Zukunft der HNO-Heilkunde ist vielversprechend und vor allem von technologischen Fortschritten geprägt.

Mund- und Rachen-Karzinome werden in Zukunft nicht mehr durch menschliche Hände, sondern mithilfe moderner Robotertechnologien entfernt werden können. Das Da-Vinvi-Chirurgiesystem ist eines der bekanntesten Operationssysteme. Die Robotertechnologie ermöglicht es, minimal-invasive Eingriffe präziser und kontrollierter durchzuführen. Die Inzisionen sind kleiner, der Blutverlust geringer, der Krankenhausaufenthalt wird verkürzt und die Genesung verläuft schneller.

Allgemein geht der Trend hin zu Interventionellen Behandlungen: Immer mehr Eingriffe werden minimal-invasiv oder katheterbasiert durchgeführt. Die Weiterentwicklung von endoskopischen und laserbasierten Techniken wird dazu beitragen, die Narbenbildung zu umgehen und die Genesungszeit zu verkürzen.

Zudem wird rund um das Thema Bioimplantate geforscht. Mit Implantaten aus regenerativen Materialien kann beschädigtes oder verlorenes Gewebe ersetzt werden. So wird zum Beispiel an Implantaten aus Stammzellen gearbeitet, mit denen geschädigte Stimmlippen wiederhergestellt werden könnten.

Auch die Künstliche Intelligenz spielt eine wichtigere Rolle. Zum Beispiel werden bei bildgebenden Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) und CT (Computertomographie) immer häufiger KI-Algorithmen eingesetzt, um Bilder schneller und genauer auszuwerten. Somit werden Tumore, Entzündungen oder Fehlstellungen deutlich früher erkannt, denn die KI Muster entdeckt Muster, die für das menschliche Auge oft nur schwer sichtbar sind. Darüber hinaus hilft die KI bei der Therapieplanung: Sie kann basierend auf den spezifischen Daten eines Patienten individuelle Behandlungsmöglichkeiten vorschlagen, was präzisere Eingriffe ermöglicht und zu besseren Behandlungsergebnissen führt.

Auch die Telemedizin wird in Zukunft immer mehr Raum einnehmen. Plattformen wie Doctolib ermöglichen die medizinische Beratung aus der Ferne und erleichtern den Alltag von Ärzten und Patienten.

Trotz all der positiven Entwicklungen gilt es zu erwähnen, dass auch in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Fachkräftemangel herrscht und das Gebiet angesichts steigender Patientenzahlen großen Herausforderungen ausgesetzt ist.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum HNO-Arzt?

Der Weg zum HNO-Arzt kann sich lohnen. Das Fachgebiet ist umfangreich und umfasst viele unterschiedliche Erkrankungen, was den Beruf sehr abwechslungsreich macht. Es kann sehr erfüllend sein, Menschen mit Ohrenbeschwerden oder Stimmstörungen zu helfen, damit sie das Leben wieder hören und sich selbst in der Welt ausdrücken können.

Neue Technologien wie KI, minimal-invasive Eingriffe und Bioimplantate machen den Beruf spannend und zukunftssicher. Zudem besteht auf dem Arbeitsmarkt eine stabile Nachfrage nach HNO-Ärzten, sowohl in Kliniken als auch in Praxen.

FAQs

Was macht ein HNO-Arzt?

HNO-Ärzte haben nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde abgeschlossen. Sie behandeln zum Beispiel Schluck-, Stimm-, Sprach-, Sprech- und Hörstörungen, Mittelohrenzündungen, Perforationen des Trommelfells, Kehlkopfentzündungen und Refluxerkrankungen, sie versorgen Nasenfrakturen, entfernen Tonsillensteine und ergründen die Ursachen von Schlafapnoe.

Wie wird man HNO-Arzt?

Um sich als HNO-Arzt bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Hals-Nasen-Ohrenheilkunde abschließen. Diese kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Landesärztekammer befugt sind, dazu gehören hauptsächlich Unikliniken, Krankenhäuser und spezialisierte HNO-Praxen.

Wie viel verdient ein HNO-Arzt?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. In privater HNO-Praxis bleiben dem Inhaber am Ende des Monats schätzungsweise 7.500 Euro netto.

Wie lange dauert die Ausbildung zum HNO-Arzt?

Die Ausbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde dauert in der Regel 5 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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