Was macht ein...?

Was macht ein Kardiologe?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
Kardiologe wertet EKG in moderner Klinik aus – Was macht ein Kardiologe?

Kardiologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung im Bereich der Kardiologie abgeschlossen und sich somit auf das Teilgebiet der Inneren Medizin spezialisiert, das sich dem wichtigsten menschlichen Organ widmet – dem Herzen. Unser Herz wird häufig als Motor des Körpers beschrieben, täglich pumpt es 8.000 bis 10.000 Liter Blut durch unser Körpersystem und schlägt pro Jahr etwa 42 Millionen Mal.

Was zeichnet die Arbeit als Kardiologe aus?

Die Aufgabe des Kardiologen ist es, dabei zu unterstützen, dass sich unser Herz in guter Gesundheit befindet. Im Vergleich zu vielen anderen Ärzten, stehen für einen Kardiologen besonders häufig notfallmedizinische Maßnahmen auf der Tagesordnung. Sie sind oft bei akuten Notfällen wie Herzinfarkten oder Herzrhythmusstörungen im Einsatz und retten viele Leben. Aus diesem Grund sind sie verpflichtet, 6 Monate der 6-jährigen Ausbildung in der Notaufnahme und 6 Monate in der Intensivmedizin abzuleisten. Um die Zahl solcher Notfälle zu minimieren, legt die Kardiologie gleichzeitig einen Fokus auf präventive Maßnahmen und Aufklärung zum Thema Herzgesundheit sowie Früherkennung von Risikofaktoren und Problemen mithilfe von Vorsorgeuntersuchungen.

Worin liegen die Aufgaben eines Kardiologen?

Kardiologen untersuchen, diagnostizieren und behandeln Erkrankungen und Probleme, die mit dem Herz-Kreislauf-System in Verbindung stehen. Im Folgenden eine Übersicht von Erkrankungen, die Kardiologen häufig behandeln:

  • Herzinfarkte (Myokardinfarkt): Ein Herzinfarkt tritt auf, wenn die Blutversorgung des Herzens durch verstopfte Arterien unterbrochen wird. Als Kardiologe greift man in diesem Fall auf Akutmaßnahmen wie Medikamente zur Blutverdünnung, das Einsetzen eines Stents oder Defibrillation zurück.
  • Bluthochdruck (Hypertonie): Chronisch erhöhter Blutdruck belastet Herz und Gefäße und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden. Als Kardiologe klärt man den Patienten über die Problematik auf, berät zu Lebensstiländerungen und verschreibt gegebenenfalls blutdrucksenkende Medikamente.
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien): Anormale elektrische Aktivitäten im Herzen führen zu einem unregelmäßigen Herzschlag (z. B. Vorhofflimmern). Diesen behandelt der Kardiologe mit Medikamenten, elektrischer Kardioversion (gezielte elektrische Impulse) oder implantierbaren Geräten wie Defibrillatoren.
  • Herzinsuffizienz (Links- oder Rechtsherzschwäche): Das Herz kann nicht mehr ausreichend Blut pumpen, um den Bedarf des Körpers zu decken. Deshalb verschreibt der Kardiologe Medikamente zur Unterstützung der Herzfunktion, berät den Patienten bezüglich Lebensstiländerungen und verweist in schweren Fällen zur Transplantation an einen Herzchirurgen.

Für die Diagnostik bedient sich der Kardiologe unterschiedlicher moderner technologischer Methoden, darunter zum Beispiel:

  • Elektrokardiogramm (EKG): Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzmuskelbelastung oder -schädigung. Es werden Elektroden auf Brust, Arme und Beine angebracht, damit das Gerät die elektrischen Signale aufzeichnen kann.
  • Echokardiographie (Herzultraschall): Ein Ultraschallverfahren zur bildlichen Darstellung des Herzens, um Herzgröße, -funktion, Klappenfunktion und Blutfluss beurteilen zu können. Mithilfe eines Schallkopfes, der auf die Brust gesetzt wird, entstehen bewegte Bilder des Herzens.
  • Koronarangiographie (Herzkatheteruntersuchung): Invasive Untersuchung, bei der ein Kontrastmittel über einen Katheter in die Koronararterien injiziert wird, das Verengungen oder Blockaden in den Herzgefäßen sichtbar machen soll.
  • Belastungs-EKG (Ergometrie): Der Patient bekommt Elektroden auf Brust, Arme und Beine geklebt und betätigt sich sportlich (z. B. auf dem Laufband), damit die elektrische Aktivität des Herzens während körperlicher Belastungen gemessen werden kann, um potentielle Durchblutungs- oder Herzrhythmusstörungen zu diagnostizieren.

Wo arbeiten Kardiologen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 4.986 Fachärzte für Kardiologie. Sie arbeiten:

  • Stationär: Ungefähr 70 % aller Kardiologen arbeiten in Kliniken. Dort findet man sie in den Abteilungen für Kardiologie, Herzchirurgie, Angiologie, auf der kardiologischen Intensivstation oder in der Rhythmikabteilung. Auch der Begriff Herzzentrum wird verwendet, wenn verschiedene herzbezogene Fachabteilungen zusammengefasst sind.
  • Ambulant: Zudem entscheiden sich einige Kardiologen für die Arbeit im ambulanten Bereich. Dazu zählen kardiologische Fachpraxen, Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und ambulante Abteilungen in Krankenhäusern, in denen Sprechstunden und Vorsorgeuntersuchungen angeboten werden.
  • In Behörden: Einige wenige Kardiologen sind im Bereich der öffentlichen Gesundheit, Epidemiologie und Prävention tätig. Sie arbeiten z. B. bei Gesundheitsämtern oder in Organisationen, die sich mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit auf Bevölkerungsebene beschäftigen.

Wie wird man Kardiologe?

Um sich als Kardiologe bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Innere MedizinKardiologie absolvieren. Die Weiterbildung zum Kardiologen umfasst in Deutschland 6 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland. Die fachärztliche Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen hauptsächlich Kliniken mit Kardiologieabteilung, kardiologische Facharzt-Praxen und MVZs.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung zum Kardiologen:

  • 72 Monate im Gebiet Innere Medizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon
  • 36 Monate in Innere Medizin und Kardiologie
  • 24 Monate in der stationären Patientenversorgung
  • 24 Monate in mindestens zwei anderen Facharztkompetenzen des Gebiets
  • 6 Monate in der Notfallaufnahme
  • 6 Monate in der Intensivmedizin

Unabhängig von der Schwerpunktwahl absolviert jeder angehende Internist innerhalb seiner Facharztausbildung den sogenannten Common Trunk. Dieser bezeichnet die 36-monatige Basisausbildung, die grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die für alle Fachrichtungen der Inneren Medizin relevant sind.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Die Kardiologie ist ein komplexes Fachgebiet, das vielfältige Spezialisierungs- und Fortbildungsmöglichkeiten bietet. Auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) findet man eine Übersicht aller relevanten Zusatzqualifikationen mit Informationen zu Weiterbildung und Ausbildungsstätten, darunter zum Beispiel die Zusatzqualifikationen Herzinsuffizienz, Interventionelle Kardiologie oder Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin.

Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Die Kardiologie, die vom Springer-Medizin-Verlag im Auftrag der DGK veröffentlicht wird.

Online-Plattformen wie das Forum Medizin Fortbildung (FOFM) oder Medixum, die Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags, bieten ebenfalls Fortbildungs- und Auffrischungskurse im Bereich Kardiologie an.

Wie viel verdient ein Kardiologe?

Das konkrete Gehalt eines Kardiologen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Kardiologie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Schichtarbeit kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich anheben.

Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.

554 Kardiologen waren 2023 in eigener Praxis niedergelassen. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts von 2023 liegt der durchschnittliche jährliche Reinertrag einer Praxis aus dem Bereich Innere Medizin bei 333.000 Euro. Der Reinertrag ist die Differenz zwischen den Einnahmen und den Betriebsausgaben und stellt noch nicht das Nettoeinkommen des Praxisinhabers dar. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Kammerbeiträgen, Beiträgen zum Versorgungswerk, privater Altersvorsorge sowie eventuellen Kreditraten für die Praxisübernahme bleiben dem Inhaber pro Monat schätzungsweise 8.500 Euro netto.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Kardiologie?

Die Zukunft der Kardiologie ist vielversprechend. Mithilfe von genetischen Analysen und Biomarkern können Therapien künftig noch genauer auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Somit werden Behandlungen in effektiver und mit weniger Nebenwirkungen verbunden sein. Das vergrößert zusätzlich die Heilungschancen.

Forschungen im Bereich der Stammzelltherapie und Gewebezüchtung könnten in Zukunft dazu führen, dass geschädigtes Herzgewebe regeneriert werden kann, was bei Herzinfarkten die Heilungschancen deutlich erhöht.

Patienten und Ärzte werden bald noch umfangreicher von Möglichkeiten aus dem Bereich Digital Health unterstützt werden*.* Dazu gehören beispielsweise die Telemedizin (Plattformen wie Doctolib), die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) und KI-gestützte Diagnosesysteme. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz zeigen aktuelle Forschungsergebnisse großes Potenzial. Ein Beispiel ist das Projekt IBM Watson, das in Zusammenarbeit mit großen Gesundheitsinstitutionen wie der Mayo Clinic in Minnesota entwickelt wird: Dabei wurde ein System kreiert, das riesige Datenmengen (Big Data) interpretieren kann, um, komplexe Krankengeschichten übersichtlich darzustellen und medizinisches Wissen zu nutzen, damit Behandlungsentscheidungen genauer und einfacher getroffen werden können.

Der Einsatz von Wearables wie Smart Watches in Kombination mit Gesundheit-Apps wie Cardiogram eröffnet neue Möglichkeiten der Gesundheitsüberwachung und individuellen medizinischen Beratung Mit diesen digitalen Tools können Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht effektiver kontrolliert werden, um Herzkrankheiten vorzubeugen.

Insgesamt wird die Kardiologie in den kommenden Jahren noch präziser, schonender und patientenorientierter werden. Die Kombination aus technologischen Innovationen und personalisierter Medizin verspricht eine bessere Versorgung und Lebensqualität für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Kardiologen?

Der Weg zum Kardiologen kann sich lohnen. Die Facharztausbildung nimmt 6 Jahre in Anspruch und vermittelt hochspezialisierte Kenntnisse in einem bedeutenden medizinischen Fachgebiet. Als Kardiologe trägt man eine hohe Verantwortung und führt häufig lebensrettende und lebensverbessernde Behandlungen durch. Das kann für viele Ärzte sehr erfüllend sein. Es ist wichtig, eine hohe Stressresilienz mitzubringen, da Schicht- und Bereitschaftsdienste im Bereich Kardiologie keine Seltenheit sind. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sehr häufig, das heißt, eine medizinische Versorgung in diesem Bereich wird auch in Zukunft stark gefragt sein. Zudem entstehen aufgrund des aktuellen Fachkräftemangels oft zusätzliche Möglichkeiten, zum Beispiel in der Leitung von Abteilungen oder innerhalb der Forschung.

FAQs

Was macht ein Kardiologe?

Kardiologen haben sich auf das wichtigste menschliche Organ spezialisiert: das Herz. Sie untersuchen, diagnostizieren und behandeln Erkrankungen, die mit dem Herz-Kreislauf-System in Verbindung stehen, dazu gehören zum Beispiel Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen. Sie sind oft bei akuten Notfällen wie Herzinfarkten oder Herzrhythmusstörungen im Einsatz. Auch präventive Maßnahmen und Aufklärung zum Thema Herzgesundheit sowie Früherkennung von Risikofaktoren und Problemen durch Vorsorgeuntersuchungen sind Teil ihrer Arbeit.

Wie wird man Kardiologe?

Um sich als Kardiologe bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Innere Medizin – Kardiologie absolvieren. Die Ausbildung findet in Weiterbildungsstätten statt, die von der jeweiligen Landesärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich Kliniken mit Kardiologieabteilung, kardiologische Facharzt-Praxen und MVZs.

Wie viel verdient ein Kardiologe?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. In privater kardiologischer Praxis bleiben dem Inhaber am Ende des Monats schätzungsweise x Euro netto.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Kardiologen?

Die Ausbildung zum Facharzt für Kardiologie dauert in der Regel 6 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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