Ein Lungenarzt hat nach seinem Medizinstudium die Facharztausbildung Innere Medizin und Pneumologie absolviert. Der Begriff der Pneumologie leitet sich vom griechischen Wort Pneumon für Atem und Logia für Lehre ab – die Lehre von der Lunge und den Atemwegen.
Was zeichnet die Arbeit als Lungenarzt aus?
Als Lungenarzt bzw. Pneumologe ist man Experte für alle Erkrankungen und Störungen, die Lunge und Atemwege betreffen. Die Pneumologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin und daher mit vielen anderen Fachbereichen interdisziplinär vernetzt. Zum Beispiel verbindet sie die Beatmungsmedizin mit der Intensiv- oder Notfallmedizin. Darüber hinaus arbeitet man als Lungenarzt eng mit Fachärzten aus den Bereichen Kardiologie, Thoraxchirurgie, Radiologie, Onkologie, Allergologie und Somnologie (Schlafmedizin) zusammen.
Worin liegen die Aufgaben eines Lungenarztes?
Während noch vor etwa 100 Jahren die Behandlung von Tuberkulose im Mittelpunkt der Pneumologen stand, behandelt man als Lungenarzt heute vor allem Erkrankungen wie Asthma, COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Bronchitis, Lungenentzündungen (Pneumonien), Lungenembolie, Lungenkrebs oder Schlafapnoe. Sie betreffen die Lunge, die Bronchien, das Mittelfell (Mediastinum) und das Brustfell (Pleura).
Um die genaue Ursache der Beschwerden zu ergründen, nutzt der Lungenarzt verschiedene Untersuchungen wie Lungenfunktionstests, Röntgenaufnahmen oder Bronchoskopien (Lungenspiegelungen). Danach entwickelt er individuelle Behandlungspläne, die Medikamente, Atemtherapien oder auch invasive Eingriffe umfassen können. Ein besonders wichtiger Aspekt in der Pneumologie ist das Engagement im Bereich der Prävention, vor allem in Bezug auf das Rauchen: 90% aller Lungenkrebsfälle und viele andere Lungenerkrankungen, wie die Volkskrankheit COPD, sind auf Zigarettenkonsum zurückzuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) engagiert sich stark für die Tabakentwöhnung der Gesellschaft und kämpft gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Nichtrauchen e.V. für ein Werbeverbot für Tabakprodukte.
Wo arbeiten Lungenärzte?
Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 1.365 Fachärzte für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Pneumologie. Sie arbeiten hauptsächlich an folgenden Orten:
- Stationär: Ungefähr 2 Drittel der Pneumologen arbeiten in Kliniken. Sie sind vor allem in Lungenfachabteilungen, auf Intensivstationen, in schlafmedizinischen Zentren oder tätig. Manche unter ihnen arbeiten ergänzend in klinischen Forschungseinrichtungen**.**
- Ambulant: Viele Pneumologen arbeiten in Fachpraxen für Pneumologie, die auf die Behandlung von Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD oder Lungenentzündungen spezialisiert sind. Zudem findet man Lungenärzte in ambulanten Krebszentren, onkologischen Praxen oder schlafmedizinischen Praxen, in denen beispielsweise Schlafapnoe behandelt wird.
Wie wird man Lungenarzt?
Um sich als Lungenarzt bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Pneumologie absolvieren. Die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland. Die fachärztliche Ausbildung kann in befugten Weiterbildungsstätten absolviert werden. Dazu zählen hauptsächlich Kliniken mit Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie oder Pneumologie-Fachpraxen.
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein dauert die Weiterbildung zum Pneumologen 72 Monate. Diese 6 Jahre umfassen:
- 36 Monate Ausbildung innerhalb der Inneren Medizin und Pneumologie
- 24 Monate in der stationären Patientenversorgung
- 24 Monate in mindestens 2 anderen Facharztkompetenzen der Inneren Medizin (z. B. Kardiologie oder Hämatologie und Onkologie)
- 6 Monate Ausbildung in der Notfallaufnahme
- 6 Monate Ausbildung in der Intensivmedizin
Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.
Unabhängig von der Schwerpunktwahl absolviert jeder angehende Internist innerhalb seiner Facharztausbildung den sogenannten Common Trunk. Dieser bezeichnet die 36-monatige Basisausbildung, die grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die für alle Fachrichtungen der Inneren Medizin relevant sind.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.
Da die Pneumologie interdisziplinär stark vernetzt ist, bieten sich dem Pneumologen zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten, dazu zählen vor allem folgende Bereiche:
- Schlafmedizin: Spezialisierung auf mit der Atmung verbundene Schlafstörungen wie Schlafapnoe
- Lungenkrebs und Onkologie: Vertiefung in der Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs
- Allergologie: Spezialisierung auf allergische Atemwegserkrankungen wie Asthma oder allergische Rhinitis
- Tuberkulose und Infektionskrankheiten: Weiterbildung in der Diagnostik und Behandlung von Lungentuberkulose und anderen Infektionen der Atemwege
- Interventionelle Pneumologie: Fortbildungen in minimal-invasiven Verfahren wie Bronchoskopie, Stent-Implantation und anderen interventionellen Techniken
- Atemtherapie und Beatmung: Fortbildungen im Bereich der nicht-invasiven und invasiven Beatmung, inklusive der Betreuung von Patienten mit chronischen Atembeschwerden
- Rehabilitationsmedizin: Nachsorge und Rehabilitation bei Lungenerkrankungen
Die Fortbildungen können in Form von Kursen, Seminaren, Workshops oder im Rahmen spezieller Weiterbildungsprogramme organisiert sein. Solche Fortbildungsangebote werden zum Beispiel von der DGP angeboten.
Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Pneumologie, die gemeinsam vom Deutschen Zentralkomitee für Tuberkulose (DZK), dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und der DGP publiziert wird.
Außerdem informiert die Seite Medixum (Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags) über zahlreiche Fortbildungskurse, die für Lungenärzte interessant sind.
Wie viel verdient ein Lungenarzt?
Das konkrete Gehalt eines Lungenarztes ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Pneumologie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Schichtarbeit kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich anheben.
Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.
243 Pneumologen waren 2023 in eigener Praxis niedergelassen. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts von 2023 liegt der durchschnittliche jährliche Reinertrag einer Praxis aus dem Bereich Innere Medizin bei 333.000 Euro. Der Reinertrag ist die Differenz zwischen den Einnahmen und den Betriebsausgaben und stellt noch nicht das Nettoeinkommen des Praxisinhabers dar. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Kammerbeiträgen, Beiträgen zum Versorgungswerk, privater Altersvorsorge sowie eventuellen Kreditraten für die Praxisübernahme bleiben dem Inhaber pro Monat schätzungsweise 8.500 Euro netto.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Pneumologie?
Industrie, Verkehr und andere Umweltbelastungen tragen dazu bei, dass sich die Luftqualität zunehmend verschlechtert, auch die Zahl der Raucher ist immer noch hoch. Immer mehr Menschen leiden an Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD, Schlafapnoe oder Lungentumoren.
Zudem herrscht in Deutschland Facharztmangel, davon ist auch das Gebiet der Pneumologie betroffen – vor allem in ländlichen Gebieten mit eingeschränkter medizinischer Versorgung. An Stellenangeboten für Lungenärzte wird es demnach auch in Zukunft nicht mangeln.
Positiv ist, dass sich die Möglichkeiten bezüglich Diagnostik und Therapie stetig weiterentwickeln. So bieten neue medikamentöse Therapien, minimal-invasive Verfahren und innovative Diagnostikmethoden, die im Rahmen der Interventionellen Pneumologie entwickelt wurden, sowie Entwicklungen in der Telemedizin neue Chancen, die Versorgung der Patienten zu verbessern und effizienter zu gestalten.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Lungenarzt?
Der Weg zum Lungenarzt lohnt sich. Die Facharztausbildung nimmt 6 Jahre in Anspruch und bildet Ärzte zu Experten für Lunge, Atemwege und damit verbundene Erkrankungen aus. Die Ausbildung ist sehr komplex und interdisziplinär organisiert, sie umfasst neben der Ausbildung in der Inneren Medizin und Pneumologie und den 24 Monaten in der stationären Patientenversorgung 6 Monate Ausbildung in der Notfallaufnahme und 6 Monate Ausbildung in der Intensivmedizin. Zudem müssen 24 Monate in mindestens 2 anderen Facharztkompetenzen der Inneren Medizin absolviert werden. Somit eröffnen sich dem Pneumologen vielfältige Spezialisierungsmöglichkeiten. Man könnte sagen, dass die Ausbildung zum Pneumologen wie eine Facharztausbildung in der Inneren Medizin in Kombination mit einer Zusatzweiterbildung zum Lungenarzt organisiert ist – und das ist nur 6 Jahren!
Die Zukunftsaussichten der Pneumologie sind durchweg positiv – auch in vielen Jahren wird man als Facharzt für Innere Medizin mit dem Fokus auf Lunge und Atem viele Patienten erwarten können.
FAQs
Was macht ein Lungenarzt?
Pneumologen sind Experten für alle Erkrankungen und Störungen, die Lunge und Atemwege betreffen. Sie behandeln vor allem Erkrankungen wie Asthma, COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Bronchitis, Lungenentzündungen (Pneumonien), Lungenembolien, Lungenkrebs oder Schlafapnoe.
Wie wird man Lungenarzt?
Um sich als Lungenarzt bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Pneumologie absolvieren. Die Ausbildung findet in befugten Weiterbildungsstätten statt, dazu zählen hauptsächlich Kliniken oder Fachpraxen. Auf den Webseiten der Landesärztekammern gibt es Suchportale, über die man sich befugte Weiterbildungsstätten anzeigen lassen kann.
Wie viel verdient ein Lungenarzt?
Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. In privater pneumologischer Praxis bleiben dem Inhaber am Ende des Monats schätzungsweise 8.500 Euro netto.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Lungenarzt?
Die Weiterbildung zum Pneumologen dauert in der Regel 6 Jahre.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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