Was macht ein...?

Was macht ein Lungenchirurg?

Von Julia Tech8 Min. Lesezeit
Lungenchirurg betrachtet Thorax-CT am Monitor – Was macht ein Lungenchirurg?

Lungenchirurgen sind Ärzte, die nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung im Bereich der Thoraxchirurgie, einem Teilgebiet der Chirurgie, abgeschlossen haben. Thorax (griechisch „θώραξ“) bedeutet Brustkorb. Zum Brustkorb zählen die anatomischen Strukturen zwischen Hals und Zwerchfell, dazu gehören Brustwirbelsäule, Rippen, Brustbein, Zwischenrippenmuskulatur, Brustwandmuskulatur, Lunge, Zwerchfell und das Herz mit allen großen Gefäßen. Der Begriff der Chirurgie leitet sich vom griechischen Wort cheirourgia ab, was sich mit Handarbeit übersetzen lässt – und genau darum geht es – die Handarbeit am menschlichen Brustkorb.

Was zeichnet die Arbeit als Lungenchirurg aus?

Lungenchirurgen sind Experten für chirurgische Eingriffe am Thorax. Sie operieren am offenen Brustkorb (Thorakotomie) oder führen minimalinvasive Eingriffe durch, zum Beispiel Thorakoskopien – die Untersuchung der Brusthöhle mit einem Endoskop. Neben ihrer regulären und planbaren Arbeit auf Station, arbeiten sie häufig auch in der Notfallmedizin: In Akutsituationen, wie bei schweren Brustkorbverletzungen, Lungenblutungen oder akuten Herzproblemen greifen sie schnell ein und retten Leben.

Worin liegen die Aufgaben eines Lungenchirurgen?

Ein Thoraxchirurg hat die Aufgabe, Erkrankungen der Lunge und des Brustkorbs zu erkennen, zu entscheiden, ob die Indikation eines chirurgischen Eingriffs besteht, diesen durchzuführen und den Patienten postoperativ zu versorgen.

Für die Diagnosestellung bedient er sich verschiedener Möglichkeiten:

  • Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT): Verfahren zur Erstellung detaillierter Querschnittsbilder des Brustkorbs und der Lunge, um Erkrankungen wie Tumore, Verletzungen oder Gefäßprobleme genau zu erkennen
  • Endoskopische Verfahren wie die Bronchoskopie: Verfahren, bei dem ein flexibler Schlauch mit Kamera (Bronchoskop) über Nase oder Mund in die Atemwege eingeführt wird, um die Bronchien sichtbar zu machen, Gewebeproben zu entnehmen und therapeutische Maßnahmen durchzuführen
  • Lungenfunktionstests: Tests zur Messung der Lungenkapazität, des Ein- und Ausatmungsvolumens sowie der Gasaustauschfähigkeit (z. B. Spirometrie), um die Funktion der Lunge zu beurteilen

Im Folgenden eine Übersicht der 3 häufigsten Erkrankungen, die man als Thoraxchirurg behandelt:

  • Lungenkrebs: In Deutschland ist Lungenkrebs die häufigste tödliche Krebserkrankung bei Männern. Thoraxchirurgen nehmen Lungenresektionen vor, das heißt, sie entfernen Teile der Lunge, die vom Tumorgewebe betroffen sind, um die Lebenserwartung der Patienten zu verlängern.
  • Pleuraerkrankungen: Pleuraerkrankungen betreffen die Pleura, die dünne Membran, die Lunge und Brustwand auskleidet. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Pleuramesen (Flüssigkeitsansammlungen), Pneumothorax (Luft im Pleuraspalt) und Pleuritis (Entzündung der Pleura). Diese Erkrankungen können Schmerzen, Atemnot und Husten verursachen und erfordern häufig Entwässrungen oder operative Eingriffe.
  • Trauma und Verletzungen des Brustkorbs: Trauma und Verletzungen des Brustkorbs entstehen häufig durch Unfälle, Stürze oder Gewalteinwirkungen und können Rippenbrüche, Blutungen oder Verletzungen der Lunge verursachen, die zu akuten Schmerzen, Atemnot und zur Beeinträchtigung der Lungenfunktion führen. Die Behandlung umfasst meist Schmerztherapie und Überwachung sowie operative Eingriffe, um die Atmung zu sichern.

Wo arbeiten Lungenchirurgen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 476 Fachärzte für Thoraxchirurgie. Die große Mehrheit aller Lungenchirurgen arbeitet in größeren Krankenhäusern und Unikliniken. Dort findet man sie entweder direkt im OP-Saal oder auf der Thoraxchirurgie- oder der Intensiv-Station, auf der sie ihre Patienten postoperativ betreuen.

Wie wird man Lungenchirurg?

Um sich als Thoraxchirurg bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Thoraxchirurgie abschließen. Die Weiterbildung umfasst in Deutschland 6 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung zum Thoraxchirurgen:

  • 72 Monate im Gebiet Thoraxchirurgie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon:
  • 48 Monate Ausbildung in der Thoraxchirurgie
  • 6 Monate Ausbildung in der Notfallaufnahme
  • 6 Monate Ausbildung in der Intensivmedizin
  • Bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten zum Kompetenzerwerb

Die ersten 24 Monate der Ausbildung werden auch Common Trunk genannt. In dieser Zeit wird man allgemein im Bereich der Chirurgie ausgebildet und erwirbt neben den fachspezifischen Kompetenzen grundlegendes Wissen und allgemeine Fertigkeiten der Chirurgie, die alle Teilgebiete betreffen.

Die fachärztliche Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich große Krankenhäuser und Unikliniken. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Fortbildungen im Bereich Rekonstruktive und plastische Thoraxchirurgie vermitteln zum Beispiel Kompetenzen für rekonstruktive Eingriffe am Thorax nach Tumorentfernungen oder Verletzungen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Fortbildungen, die sich auf spezielle Operationstechniken oder den Umgang mit modernen Geräten konzentrieren.

Mitgliedschaften in Organisationen wie der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) bieten Zugang zu diversen Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen.

Aus der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer kommen vor allem folgende Zusatzweiterbildungen in Frage:

  • Klinische Akut‐ und Notfallmedizin: Versorgung von Notfallpatienten
  • Intensivmedizin: Postoperative Betreuung nach Eingriffen
  • Notfallmedizin: Arbeit als Notarzt für Akutpatienten
  • Transplantationsmedizin: Lungentransplantationen und die damit verbundene Nachsorge

Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, die vom Springer-Medizin-Verlag im Auftrag der DGTHG veröffentlicht wird.

Online-Plattformen wie das Forum Medizin Fortbildung (FOFM) oder Medixum, die Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags, bieten ebenfalls Fortbildungs- und Auffrischungskurse im Bereich Thoraxchirurgie an.

Wie viel verdient ein Lungenchirurg?

Das konkrete Gehalt eines Lungenchirurgen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Lungenchirurgie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Private Krankenhäuser wie die HELIOS Klinik zahlen zwar individuelle Löhne, diese orientieren sich jedoch stark an den gängigen Tarifverträgen.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Thoraxchirurgie?

Die Zukunft der Thoraxchirurgie ist vielversprechend. Der Trend geht hin zu interventionellen Behandlungen: Chirurgen führen immer weniger offene Operationen durch, da viele Eingriffe mithilfe von minimalinvasiven Verfahren durchgeführt werden können. So ermöglichen zum Beispiel die Videoassistierte Thorakoskopie (VATS) und robotergestützte Operationstechniken aktuell und in Zukunft noch schonendere Eingriffe, die präzisere Eingriffe, kürzere Genesungszeiten und eine schnellere Genesung ermöglichen.

Zudem wird die Thoraxmedizin persönlicher: Mithilfe von genetischen Analysen und Biomarkern können Therapien künftig noch genauer auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Das bedeutet weniger Nebenwirkungen und schnellere Heilung**.**

Patienten und Ärzte werden bald noch umfangreicher von Möglichkeiten aus dem Bereich Digital Health unterstützt werden*.* Dazu gehören beispielsweise die Telemedizin (Plattformen wie Doctolib), die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) und KI-gestützte Diagnosesysteme. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz zeigen aktuelle Forschungsergebnisse großes Potenzial. Ein Beispiel ist das Projekt IBM Watson, das in Zusammenarbeit mit großen Gesundheitsinstitutionen wie der Mayo Clinic in Minnesota entwickelt wird: Dabei wurde ein System kreiert, das riesige Datenmengen (Big Data) interpretieren kann, um, komplexe Krankengeschichten übersichtlich darzustellen und medizinisches Wissen zu nutzen, damit Behandlungsentscheidungen genauer und einfacher getroffen werden können.

Aus der Forschung hört man viel über neue Ansätze im Bereich Gewebezüchtung und Regenerative Therapien. Diese könnten die zukünftigen Behandlungsmöglichkeiten für Lungentransplantationen und Gewebeersatz revolutionieren.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Lungenchirurgen?

Der Weg zum Lungenchirurgen kann sich lohnen. Die Facharztausbildung nimmt 6 Jahre in Anspruch und bildet zum Experten für chirurgische Eingriffe am Thorax, dem Brustkorb, aus. Thoraxchirurgen tragen eine hohe Verantwortung und übernehmen oft lebensrettende Eingriffe bei schwerwiegenden Verletzungen des Brustkorbs, die zum Beispiel akute Atemnot verursachen.

Für den Alltag als Chirurg sind Stressresilienz und Selbstsicherheit unerlässlich – auch in Notsituationen sollte man fokussiert und konzentriert bleiben können. Aufgrund des Fachkräftemangels und des hohen Bedarfs an Thoraxchirurgen gehören lange Arbeitszeiten, Schicht- und Bereitschaftsdienste zum Berufsalltag.

Das Fachgebiet ist hochkomplex und stetig im Wandel. Vor allem Ärzte mit Interesse an moderner Technik und Robotik werden sich in diesem Fachgebiet zuhause fühlen. Neue Technologien vergrößern das Gebiet möglicher Behandlungsmethoden kontinuierlich, sodass man sich stetig weiterentwickeln kann.

FAQs

Was macht ein Lungenchirurg?

Lungenchirurgen sind Ärzte, die nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung im Bereich der Thoraxchirurgie, einem Teilgebiet der Chirurgie, abgeschlossen haben. Sie sind Experten für chirurgische Eingriffe am Thorax (Brustkorb) und führen offene Operationen sowie minimalinvasive Eingriffe durch. Sie behandeln zum Beispiel Lungenkrebs, Pleuraerkrankungen und traumatische Verletzungen des Brustkorbs, z. B. nach Unfällen.

Wie wird man Lungenchirurg?

Um sich als Lungenchirurg bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Thoraxchirurgie abschließen. Die Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich große Krankenhäuser und Unikliniken. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, die befugte Krankenhäuser anzeigen.

Wie viel verdient ein Lungenchirurg?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Lungenchirurgen?

Die Ausbildung zum Facharzt für Thoraxchirurgie dauert in der Regel 6 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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