Was macht ein...?

Was macht ein Narkosearzt?

Von Julia Tech8 Min. Lesezeit
Narkosearzt bereitet Narkose im OP vor – Was macht ein Narkosearzt?

Ein Narkosearzt hat nach seinem Medizinstudium eine 5-jährige Facharztausbildung im Bereich der Anästhesiologie absolviert. Der Begriff der Anästhesiologie setzt sich aus den altgriechischen Wörtern anasthesia und logos zusammen und steht für die Lehre der Gefühllosigkeit. Ein Narkosearzt bzw. Anästhesiologe wird meist Anästhesist genannt, da er Experte für die Anästhesie ist – dem Prozess der Betäubung, bei dem Bewusstsein, Schmerzempfindung oder auch Reflexe und Muskelspannung temporär ausgeschaltet werden.

Was zeichnet die Arbeit als Narkosearzt aus?

Zur Anästhesiologie gehören vier Fachbereiche: die Anästhesie, die Intensivmedizin, die Notfallmedizin und die Schmerztherapie, mittlerweile wird auch die Palliativmedizin dazugezählt. Hier lässt sich bereits erahnen, wie vielfältig die Arbeit eines Narkosearztes ist. Eine seiner Hauptaufgaben liegt im Einleiten einer Teil- oder Vollnarkose im Kontext eines operativen Eingriffs – dabei kann es sich um einen geplanten Eingriff oder eine spontane Operation unter Zeitdruck in der Notaufnahme handeln, zu der der Anästhesist in seinem Bereitschaftsdienst dazu gerufen wurde. Narkoseärzte sind ebenfalls in der Schmerztherapie tätig und kümmern sich vor allem um die Behandlung von Patienten, die unter akuten und chronischen Schmerzen leiden. Auf der Intensivstation versorgt man als Anästhesist Patienten, deren Organfunktionen lebensbedrohlich gestört sind und ist für die kontinuierliche Überwachung ihrer Körperfunktionen zuständig.

Worin liegen die Aufgaben eines Narkosearztes?

Wie der Name bereits sagt, ist das Spezialgebiet eines Narkosearztes natürlich die Narkose. Es gibt unterschiedliche Anästhesieverfahren, zum Beispiel die Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) oder die Regionalanästhesie (Teilnarkose).

Die Aufgaben, die mit der Anästhesie verbunden sind, sind breit gefächert und fachbereichsübergreifend. Im Folgenden eine Übersicht der Hauptaufgaben eines Narkosearztes:

  • Die Durchführung von Untersuchungen zur Festlegung eines geeigneten anästhesiologischen Verfahrens unter Absprache mit anderen behandelnden Ärzten
  • Die Aufklärung der Patienten in Bezug auf Ablauf der Anästhesie und eventuelle Risiken
  • Die Vorbereitung und Einleitung einer Teil- oder Vollnarkose (teilweise mit anschließender Beatmung) inklusive anschließender Überwachung der Vitalfunktionen des Patienten auf den Monitoren im OP-Saal: Bei Auffälligkeiten oder akuten Problemen müssen Anästhesisten sofort eingreifen
  • Das Einleiten von intensivmedizinischen Maßnahmen wie Beatmungstechniken, Infusionstherapie oder Defibrillation
  • Die Überwachung und Begleitung von Patienten im Aufwachraum
  • Die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen
  • Die Dokumentation vergangener Narkoseverfahren in Patientenakten

Wo arbeiten Narkoseärzte?

Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 28.146 berufstätige Fachärzte für Anästhesiologie. Sie arbeiten:

  • In Kliniken: Der größte Teil der Anästhesisten arbeitet in Kliniken. Dort können sie auf allen Stationen eingesetzt werden, da sie überall dort gebraucht werden, wo eine Narkose oder lokale Betäubung erforderlich ist. Einige von ihnen arbeiten auch in der Palliativmedizin, in der Schmerzambulanz, in der Intensivmedizin oder in der Notaufnahme.
  • In Praxen: Ungefähr ein Fünftel der Anästhesisten arbeitet in Praxen. In einigen Praxen, zum Beispiel in den Fachrichtungen Chirurgie, Gynäkologie oder HNO werden manchmal ambulante Eingriffe vorgenommen, für die ein Anästhesist nötig ist. Die Anästhesisten sind in diesen Praxen nicht angestellt. Entweder werden sie von einer Klinik vermittelt oder sie arbeiten freiberuflich und werden bei Bedarf herangezogen.
  • In Rettungsdiensten: Einige Anästhesisten haben eine Zusatzweiterbildung in der Notfallmedizin absolviert und arbeiten zusätzlich in Rettungsdiensten.
  • In der Forschung: Manche Anästhesisten sind – meist zusätzlich zu ihrer Arbeit als Arzt – in der Forschung tätig. Sie arbeiten beispielsweise an neuen Narkosemitteln, Schmerzmitteln, Anästhesieverfahren oder neuen Methoden der Intensivmedizin. Dafür können sie in Unikliniken, Pharmaunternehmen oder medizinischen Forschungsinstituten angestellt sein.

Wie wird man Narkosearzt?

Um sich als Anästhesist bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Anästhesiologie absolvieren. Die Ausbildung umfasst in Deutschland 5 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein dauert die Weiterbildung zum Anästhesisten 60 Monate. Diese 5 Jahre umfassen:

  • 60 Monate Ausbildung in der Anästhesiologie
  • davon müssen 12 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • 12 Monate Weiterbildung können in einem anderen Gebiet erfolgen

Zu den Inhalten der Facharztausbildung gehören vor allem die Allgemein-, Regional- und Lokalanästhesie einschließlich der Vor- und Nachbereitung, die Überwachung, Bewertung und Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen des Patienten, intensivmedizinische Maßnahmen (u. a. die Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Erkrankungen, Beatmungstechniken, Flüssigkeitsversorgung etc.), die Schmerzmedizin (Behandlung chronischer Schmerzen und Nervenblockaden, Katheterverfahren sowie pharmakologische und nicht pharmakologische Maßnahmen und die Notfallmedizin (Erstversorgung, Reanimation etc.).

Die Facharztausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen hauptsächlich Unikliniken und Krankenhäuser. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich befugte Weiterbildungsstätten anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Zum Beispiel bietet die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) Fortbildungskurse an. Für das Selbststudium empfiehlt sich die Lektüre der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Anästhesiologie Intensivmedizin Notfallmedizin Schmerztherapie (AINS).

Bereits während der Facharztausbildung können sich angehende Anästhesisten auf eine bestimmte Richtung spezialisieren: Die frei wählbaren 12 Monate der Ausbildungszeit können zum Beispiel in der Palliativmedizin oder der Notfallmedizin absolviert werden. Nach Abschluss der Facharztausbildung steht der Weg offen, sich beispielsweise auf die Kinderanästhesie zu spezialisieren. Zudem sind viele Notärzte von Haus aus Anästhesisten.

Wie viel verdient ein Narkosearzt?

Das konkrete Gehalt eines Narkosearztes ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Anästhesiologie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Private Krankenhäuser wie die HELIOS Klinik zahlen zwar individuelle Löhne, diese orientieren sich jedoch stark an den gängigen Tarifverträgen

Im privaten bzw. ambulanten Bereich hat man als Arzt Aussicht auf ein weit höheres Gehalt. Dies rührt daher, dass Medizinische Versorgungszentren (MVSs) oder Praxen keinem Tarifvertrag unterliegen und man als Arzt somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum verfügt.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Anästhesiologie?

Laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer zählte man im Jahr 2023 etwa 27.572 berufstätige Anästhesisten. Und auch in Zukunft werden Narkoseärzte dringend gebraucht. Die Bevölkerung wird immer älter und das Alter ist häufig mit Erkrankungen verbunden, für deren Behandlung operative Eingriffe notwendig sind. In Deutschland herrscht Ärztemangel, das schließt auch den Narkosearzt mit ein. An Stellenangeboten wird es auch in Zukunft nicht mangeln.

Technologische Fortschritte im Bereich Monitoring und Automatisierung werden die Arbeit des Anästhesisten in Zukunft noch mehr erleichtern: KI-gestützte Programme können den Narkosearzt bei der Überwachung und Steuerung der Narkose unterstützen und bestimmte Prozesse teilweise automatisieren. Bereits jetzt kann künstliche Intelligenz anhand von Vitaldaten Muster erkennen, die auf Komplikationen hinweisen, bevor sie von einem Menschen erkannt werden können.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Narkosearzt?

Der Weg zum Narkosearzt lohnt sich. Die Facharztausbildung nimmt 5 Jahre in Anspruch und bereitet auf die Arbeit in verschiedenen Bereichen vor – sei es in der Intensivmedizin, in der Notfallmedizin, in der Schmerztherapie oder in der Palliativmedizin. Als Anästhesist ist man an keine Station gebunden, man kann man überall dort arbeiten, wo eine Narkotisierung gebraucht wird oder akute und chronische Schmerzen behandelt werden müssen. Das macht die Arbeit so vielfältig.

Für Anästhesisten gibt es diverse Fortbildungsmöglichkeiten, einige Narkoseärzte haben den Weg zum Notarzt eingeschlagen und eine Zusatzweiterbildung in der Notfallmedizin abgeschlossen. Anderen Anästhesisten haben sich auf die Kinderanästhesie spezialisiert.

Besonders für Narkoseärzte bietet es sich an, selbstständig zu arbeiten, somit erreichen sie häufig höhere Stunden- oder Tagessätze als in Kliniken. Zudem können sie frei entscheiden, wann, wo und wieviel sie arbeiten.

FAQs

Was macht ein Narkosearzt?

Die Hauptaufgaben eines Anästhesisten liegen in der Vorbereitung und Einleitung verschiedener Narkoseverfahren, dazu gehören zum Beispiel Allgemein- oder Regionalnarkosen. Darüber hinaus sind sie in der Schmerztherapie tätig und kümmern sich vor allem um die Behandlung von Patienten, die unter akuten und chronischen Schmerzen leiden.

Wie wird man Narkosearzt?

Um sich als Anästhesist bezeichnen zu dürfen, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine 5-jährige Facharztausbildung im Bereich der Anästhesiologie absolvieren. Die Ausbildung findet in befugten Weiterbildungsstätten statt, dazu zählen hauptsächlich Universitätskliniken und Krankenhäuser.

Wie viel verdient ein Narkosearzt?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Im ambulanten Bereich hat man als Arzt Aussicht auf ein weit höheres Gehalt. Dies rührt daher, dass Medizinische Versorgungszentren (MVSs) oder Praxen keinem Tarifvertrag unterliegen und man als Arzt über Verhandlungsspielraum verfügt.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Narkosearzt?

Die Facharztausbildung zum Anästhesisten dauert in der Regel 5 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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