Einige Ärzte haben ergänzend zu ihrer Facharztausbildung die Zusatzweiterbildung in Naturheilverfahren abgeschlossen und sich ergänzend zu ihrer schulmedizinischen Ausbildung auf natürliche Heilmethoden spezialisiert.
Sind Ärzte für Naturheilkunde Heilpraktiker?
Es ist wichtig, die Unterscheidung zwischen einem Arzt für Naturheilkunde und einem Heilpraktiker zu machen. Ein approbierter Arzt hat keinen Anspruch auf eine Heilpraktikererlaubnis, weil beide Berufe unterschiedliche Rechtsstellungen haben, die eine Doppelzulassung ausschließen. Der Arztberuf wird über die ärztliche Berufsordnung und andere Gesetze geregelt, Heilpraktiker benötigen eine eigene Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Sie haben kein Medizinstudium abgeschlossen und schließen ihre 1,5- bis 2-jährige Ausbildung mit einer staatlichen Prüfung ab. Es ist nicht erlaubt, beide Tätigkeiten gleichzeitig auszuüben, da dies zu Konflikten in den jeweiligen Pflichten und Verantwortlichkeiten führen würde.
Was zeichnet die Arbeit als Naturheilkundler aus?
Die Zusatzweiterbildung in der Naturheilkunde wird von Fachärzten erworben, um ihre Patienten nach einem ganzheitlicheren Prinzip betreuen zu können. Naturheilkundliche Methoden können gut mit schulmedizinischen Therapien kombiniert werden und bringen häufig weniger Nebenwirkungen mit sich. Sie können sehr individuell an den Patienten angepasst werden. Oft umfassen sie nicht nur die Behandlung von Symptomen einer bestimmten Erkrankung, sondern verbessern den gesundheitlichen Zustand des Patienten auf einer tieferen und allgemeineren Ebene, was die körpereigenen Selbstheilungskräfte aktiviert. In der Naturheilkunde werden Seele und Geist mit einbezogen, um auch psychosomatische Auswirkungen auf die Gesundheit zu ergründen. Auch psychosoziale Faktoren und die generelle Lebensgestaltung des Patienten spielen für die naturheilkundliche Diagnostik und Behandlung eine Rolle.
Worin liegen die Aufgaben eines Naturheilkundlers?
Die Behandlungsmöglichkeiten in der Naturheilkunde sind vielfältig. Im Folgenden eine Übersicht der Therapiemethoden, die in der Zusatzweiterbildung gelehrt werden.
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Pflanzenheilkunde (Phytotherapie): Die Pflanzenheilkunde nutzt pflanzliche Präparate zur Behandlung und Vorbeugung verschiedener Erkrankungen. Sie basiert auf jahrhundertealten Traditionen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Wirkstoffe der Pflanzen.
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Naturheilkundliche Ernährungsformen: Diese Ernährungsansätze setzen auf natürliche, unverarbeitete Lebensmittel, um die Gesundheit zu fördern und das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen. Manchmal werden Nahrungsergänzungsmittel hinzugefügt, um Nährstoffdefizite auszugleichen oder bestimmte Gesundheitsziele zu unterstützen.
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Kneippanwendungen: Kneippanwendungen basieren auf Wasser-, Bewegungs-, Ernährungs- und Lebensordnungstherapien, die das allgemeine Wohlbefinden steigern sollen.
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Hydrotherapie: Die Hydrotherapie nutzt Wasser in verschiedenen Formen (Wärme, Kälte, Druck) zur Behandlung von Beschwerden und zur Stärkung des Immunsystems. Sie kann durch Bäder, Wickel oder Duschen individuell angepasst werden.
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Balneotherapie: Die Balneotherapie umfasst die medizinische Anwendung von Mineral- oder Thermalwasser in Form von Bädern oder Trinkkuren. Ziel ist es, durch die mineralstoffreiche Wirkung des Wassers Heilungsprozesse zu unterstützen.
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Klimatherapie: Bei der Klimatherapie werden spezielle klimatische Bedingungen wie Meeresluft oder Bergklima therapeutisch genutzt. Sie soll bei Atemwegserkrankungen, Allergien und Hautproblemen positive Effekte erzielen.
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Thalassotherapie: Die Thalassotherapie nutzt Meerwasser, Meeresklima und Meeresprodukte zur Verbesserung des Gesundheitszustands. Sie wird vor allem bei Hauterkrankungen, Rheuma und Kreislaufstörungen angewendet.
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Kryotherapie: Die Kryotherapie verwendet extreme Kälte, um Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Regeneration zu fördern. Sie wird häufig bei akuten Verletzungen oder chronischen Erkrankungen eingesetzt.
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Thermotherapie: Im Gegensatz zur Kryotherapie setzt die Thermotherapie Wärme ein, um Muskelverspannungen zu lösen, Durchblutung zu fördern und Schmerzen zu lindern. Sie umfasst Anwendungen wie Wärmepackungen oder Infrarotlampen.
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Massagebehandlungen und Reflextherapien: Massagebehandlungen dienen der Muskelentspannung, Durchblutungsförderung und Stressreduktion. Reflextherapien zielen darauf ab, durch Stimulation bestimmter Körperpunkte die Selbstheilungskräfte anzuregen.
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Ordnungstherapie: Die Ordnungstherapie zielt darauf ab, durch das Schaffen von Ordnung und Struktur im Alltag das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit zu fördern. Sie soll das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele wiederherstellen.
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Bewegungstherapie: Bewegungstherapie fördert die körperliche Aktivität als Mittel zur Verbesserung der Beweglichkeit, Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems und Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens. Sie wird individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst.
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Akupunktur: Die Akupunktur ist eine traditionelle chinesische Heilmethode, bei der feine Nadeln an bestimmten Punkten gesetzt werden, um den Energiefluss im Körper auszugleichen und zum Beispiel Schmerzen oder Funktionsstörungen zu behandeln.
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Ausleitende Verfahren: Verfahren wie Schröpfen, Blutegeltherapie, Eigenbluttherapie oder Aderlasstherapie zielen darauf ab, den Körper von schädlichen Substanzen zu befreien. Sie werden oft bei chronischen Erkrankungen eingesetzt, um Selbstheilung, Durchblutung und Stoffwechsel zu fördern.
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Neuraltherapien: Neuraltherapien wie Quaddelbehandlungen, Segmentinfiltrationen oder Narbeninfiltrationen nutzen Injektionen in bestimmte Nerven- oder Gewebestrukturen, um Schmerzen zu lindern und die Funktion des Nervensystems zu verbessern.
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Atemtherapien: Atemtherapien umfassen verschiedene Techniken, die die Atmung vertiefen und regulieren, um die Lungenfunktion zu verbessern und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
Wo arbeiten Naturheilkundler?
Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 16.055 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Naturheilkunde, 11.575 von ihnen waren berufstätig. Da die einzige Voraussetzung für die Zusatzweiterbildung der Besitz einer Facharztanerkennung ist, können Ärzte aus jedem medizinischen Fachbereich die Qualifikation erwerben. Am häufigsten entscheiden sich Allgemeinmediziner und Internisten dafür, ihr medizinisches Know-How mit naturheilkundlichen Verfahren zu ergänzen, sowohl im Rahmen einer hausärztlichen Praxis als auch im klinischen Alltag. 9.298 Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung arbeiten im ambulanten Bereich, darunter 7.888 niedergelassen. 1.127 Ärzte sind in Kliniken tätig.
Wie wird man Naturheilkundler?
Mit einem bestandenen Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und einer abgeschlossenen Facharztausbildung ist man qualifiziert für die Zusatzweiterbildung zum Naturheilkundler.
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung insgesamt 160 Unterrichtseinheiten in Naturheilverfahren sowie eine 6-monatige Praxis-Hospitation bei weiterbildungsbefugten Ärzten. Die Praxis-Hospitation ist durch 80 Stunden Fallseminare einschließlich Supervision ersetzbar. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland und müssen gegebenenfalls bei der zuständigen Ärztekammer erfragt werden.
Die Fallseminare und Unterrichtseinheiten werden von Fortbildungsinstituten, Universitäten, Fachkliniken oder Fachgesellschaften angeboten, die von der Ärztekammer anerkannt sind. Zum Beispiel bietet der Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Universität Duisburg-Essen die geforderten Unterrichtseinheiten und Fallseminare an.
Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale die zur Weiterbildung befugte Ärzte anzeigen.
Wie viel verdient ein Naturheilkundler?
Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Naturheilkunde im ambulanten Bereich hängt von dem Fachgebiet ab, in dem er arbeitet. Zudem wird sein Verdienst davon beeinflusst, ob er seine eigene Praxis führt oder in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet. Auch Berufserfahrung und Standort der Praxis spielen eine entscheidende Rolle. Allgemein gilt, dass sich Zusatzbezeichnungen positiv auf das Gehalt auswirken können, denn sie ermöglichen es Ärzten, zusätzliche abrechenbare Leistungen anzubieten.
Im klinischen Bereich sieht das etwas anders aus: Tarifverträge für Krankenhäuser wie der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Bei gewissen Zusatzqualifikationen sind trotzdem je nach Klinik und Vorgesetzten gewissen Zusatzzahlungen möglich.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Naturheilkunde?
Die Zukunftsperspektiven der Naturheilkunde sind vielversprechend. Immer mehr Menschen interessieren sich für alternative und ganzheitliche Behandlungsmethoden, die auf natürlichen Heilmitteln basieren. In der Schulmedizin gewinnen Behandlungen aus der Naturheilkunde immer mehr an Akzeptanz und auch die Forschung trägt dazu bei, die Wirksamkeit und Sicherheit solcher alternativen Heilmethoden nachzuweisen. Insgesamt scheint die Naturheilkunde eine wichtige Rolle in der zukünftigen Gesundheitsversorgung zu spielen, insbesondere im Hinblick auf Prävention sowie nachhaltige und nebenwirkungsarme Behandlungsmethoden.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Naturheilkundler?
Wenn man seinen Patienten mit alternativen Behandlungsmethoden helfen möchte, die über die Schulmedizin hinausgehen, ist die Zusatzweiterbildung in der Naturheilkunde die richtige Wahl. Alternative Heilmethoden setzen oft auf einer tieferen Ebene an und konzentrieren sich nicht nur auf die Behandlung konkreter Symptome. Sie können Patienten dabei helfen, ihr Leben insgesamt stressfreier, ausgeglichener und gesünder zu gestalten, was zur allgemeinen Gesundheit beiträgt und die Genesungschancen erhöht. Zudem kann man nach der Weiterbildung zusätzliche Beratungs- und Behandlungsangebote anbieten, die sich positiv auf Gehalt und Ansehen auswirken.
FAQs
Was macht ein Naturheilkundler?
Einige Ärzte haben zusätzlich zu ihrer Facharztausbildung die Zusatzweiterbildung im Bereich der Naturheilverfahren abgeschlossen und sich ergänzend zu ihrer schulmedizinischen Ausbildung auf natürliche Heilmethoden spezialisiert. Sie bieten zum Beispiel Balneotherapien, Thermotherapien oder Behandlungen mit Arzneimitteln aus der Pflanzenheilkunde an.
Wie wird man Naturheilkundler?
Um als Arzt die Zusatzbezeichnung Naturheilkunde zu erhalten, muss man die gleichnamige Zusatzweiterbildung absolvieren. Voraussetzung für diese ist eine Facharztanerkennung. Die Weiterbildung umfasst 160 Unterrichtseinheiten und eine 6-monatige Praxis-Hospitation bei weiterbildungsbefugten Ärzten. Es ist möglich, die Praxis-Hospitation durch 80 Stunden Fallseminare einschließlich Supervision zu ersetzen. Die exakten Weiterbildungsregelungen können je nach Ärztekammer variieren.
Wie viel verdient ein Naturheilkundler?
Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Naturheilkunde im ambulanten Bereich hängt von dem Fachgebiet ab, in dem er arbeitet. Zudem wird sein Verdienst davon beeinflusst, ob er seine eigene Praxis führt oder in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet. Auch Berufserfahrung und Standort der Praxis spielen eine entscheidende Rolle. Allgemein gilt, dass sich Zusatzbezeichnungen positiv auf das Gehalt auswirken können, denn sie ermöglichen es Ärzten, zusätzliche abrechenbare Leistungen anzubieten. In Kliniken wird in Bezug auf Facharztausbildungen und Zusatzbezeichnungen gehaltstechnisch kein Unterschied gemacht. Bei gewissen Zusatzqualifikationen sind je nach Klinik und Vorgesetzten trotzdem gewisse Zusatzzahlungen möglich.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Naturheilkundler?
Die Zusatzweiterbildung zum Arzt für Naturheilkunde nimmt in der Regel etwa 1 Jahr in Anspruch.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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