Was macht ein...?

Was macht ein Neonatologe?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
Neonatologe versorgt Neugeborenes im Inkubator – Was macht ein Neonatologe?

Neonatologen haben nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Kinder- und Jugendmedizin abgeschlossen und sich anschließend im Rahmen einer 2-jährigen Schwerpunkt-Weiterbildung auf die Neonatologie spezialisiert. Ihr Fachgebiet ist die medizinische Versorgung von Neugeborenen, vor allem von Frühgeborenen und kranken Säuglingen. Zu ihren Aufgaben gehören zum Beispiel die Überwachung und Behandlung von Atemproblemen oder Infektionen sowie die Durchführung spezieller Diagnostiken und Therapien im Inkubator.

Was zeichnet die Arbeit als Neonatologe aus?

Fachärzte für Neonatologie versorgen die kleinsten und verletzlichsten Patienten, mit denen man als Arzt arbeiten kann. Sie betreuen Neugeborene direkt nach der Geburt und kümmern sich darum, dass bei Komplikationen schnell gehandelt wird und der Säugling gesund gedeihen kann.

Die Arbeit ist sehr sinnstiftend – es kann sehr erfüllend sein, seinen Teil zur Entstehung neuer Familien beizutragen, indem man die Leben der kleinen Patienten rettet und sie mit allem versorgt, was sie brauchen, um gesund gedeihen zu können.

Die Arbeit setzt voraus, dass man auch in Notsituationen einen klaren Kopf bewahrt. Trotzdem können nicht alle Babys gerettet werden und es müssen immer wieder traurige Nachrichten an die Eltern übermittelt werden. In Deutschland sterben jährlich etwa 2.245 Säuglinge im ersten Lebensjahr, was einer Rate von etwa 3 Todesfällen auf 1000 Lebendgeborenen entspricht. Die meisten Babys schaffen es nicht über die erste Woche hinaus. Auch dieser Aspekt gehört zum Beruf des Neonatologen.

Worin liegen die Aufgaben eines Neonatologen?

Fachärzte für Neonatologie haben sich auf die medizinische Versorgung von kranken Säuglingen und Frühgeborenen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblickt haben, spezialisiert. Dazu zählen auch Neugeborene mit angeborenen Fehlbildungen oder genetischen Krankheiten sowie Säuglinge mit akuten Erkrankungen wie Infektionen, Atemnot oder Kreislaufproblemen.

Zur Betreuung gehören zum Beispiel die Überwachung und Stabilisierung der Vitalfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Temperatur und Flüssigkeitshaushalt. In einigen Fällen ist auch der Einsatz von lebenserhaltenden Maßnahmen wie Beatmung, künstliche Ernährung (z. B. via Sonde), Infusionen und Medikation notwendig.

Zudem überwacht der Neonatologe die Versorgung eines Neugeborenen im Inkubator. Ein Inkubator ist ein spezielles, modifizierbares Wärmegerät, das einer kleinen beheizten Kiste ähnelt, die das Baby vor äußeren Einflüssen schützt und eine stabile, regulierbare Umgebung schafft. Der Neonatologe kontrolliert den Zustand des Neugeborenen genau, überwacht sein Wachstum und passt Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoffgehalt je nach Situation an.

Der Neonatologen führt regelmäßig Tests wie Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Ultraschall-Untersuchungen oder EKGs durch und interpretiert die Ergebnisse.

Am häufigsten behandelt der Neonatologe bei Neugeborenen die folgenden Erkrankungen:

  • Gelbsucht (Neugeborenengelbsucht): Vorübergehende Gelbfärbung der Haut und Augen durch erhöhte Bilirubinwerte, die oft nach der Geburt auftritt
  • Atemnotsyndrom: Lungenerkrankung, bei der das Baby Schwierigkeiten beim Atmen hat – häufig bei Frühgeborenen aufgrund unreifer Lunge
  • Infektionen: Bakterielle oder virale Infektionen, die bei Neugeborenen auftreten können und ernsthafte Komplikationen verursachen, z. B. Sepsis
  • Unterkühlung (Hypothermie): Wenn das Baby seine Körpertemperatur nicht halten kann, was besonders bei Frühgeborenen häufig vorkommt.
  • Hypoglykämie: Niedriger Blutzucker, der zu Verwirrung, Krämpfen oder Bewusstseinsstörungen führt
  • Herzfehler: Angeborene Fehlbildungen am Herzen, die die Blutzirkulation beeinträchtigen können
  • Stoffwechselstörungen: Angeborene Erkrankungen, bei denen der Körper bestimmte Stoffwechselprozesse nicht richtig durchführen kann
  • Gedeihstörungen: Verzögerte oder unzureichende Gewichtszunahme und Entwicklung bei Neugeborenen – oft bei Frühgeborenen
  • Frühgeburtskomplikationen: Verschiedene Probleme, die durch eine vorzeitige Geburt entstehen, z. B. unreife Organe oder Blutungen

Auch die Betreuung besorgter Eltern gehört zum Job des Neonatologen. Er unterstützt und berät sie bezüglich Versorgung und Pflege ihres Kindes während der belastenden Zeit auf der Neonatologie. Um eine möglichst allumfassende Versorgung gewährleisten zu können, arbeiten sie interdisziplinär mit Kinderärzten, Chirurgen, Anästhesisten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten und anderen Fachärzten zusammen.

Wo arbeiten Neonatologen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 16.803 Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin– unter ihnen 1.566 mit dem Schwerpunkt Neonatologie. Sie arbeiten:

  • Stationär: Der größte Teil der Neonatologen (1.032) ist stationär angestellt. Sie arbeiten auf neonatologischen Intensivstationen und in Kinderkliniken, in denen die Neugeborenen rund um die Uhr überwacht und behandelt werden.
  • Ambulant: In der Regel arbeiten Neonatologen stationär, da sie für die intensive Versorgung der Neugeborenen klinische Infrastruktur benötigen. Manche Neonatologen bieten jedoch ambulante Sprechstunden für Eltern an, wenn diese Fragen zu Pflege, Ernährung oder Entwicklung ihres Kindes haben. In manchen Fällen betreuen Neonatologen Babys nach der Entlassung aus der Klinik ambulant, um den Entwicklungsverlauf zu überwachen und frühzeitig auf mögliche Probleme reagieren zu können.

Wie wird man Neonatologe?

Um sich als Neonatologe bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Kinder- und Jugendmedizin abschließen und sich im Anschluss im Rahmen einer 2-jährigen Schwerpunkt-Weiterbildung auf die Neonatologie spezialisieren. Die Regelungen variieren je nach Bundesland und müssen gegebenenfalls bei der zuständigen Landesärztekammer erfragt werden.

Gemäß der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer nimmt die Schwerpunkt-Weiterbildung 24 Monate in Anspruch. Sie kann an Ausbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Landesärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich Universitätskliniken und Krankenhäuser mit einem Zentrum für Neugeborene.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, die befugte Weiterbildungsstätten und Ärzte anzeigen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Als Neonatologe gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich weiterzubilden und zu spezialisieren, um noch umfassender und gezielter auf die Bedürfnisse der kleinen Patienten eingehen zu können. Dafür kommen zum Beispiel die folgenden Bereiche in Frage:

  • Neonatale Intensivmedizin (Neonatal Intensive Care, NICU): Vertiefung in der Versorgung kritisch kranker Neugeborener inklusive Weiterbildungen in der Anwendung modernster Geräte und Therapien, z. B. ECMO (künstliche Lunge), Hochfrequenzbeatmung oder minimal-invasive Techniken
  • Neuroneonatologie: Spezialisierung auf die Behandlung und Betreuung von Früh- und Neugeborenen mit neurologischen Problemen wie Hirnblutungen, Zerebralparese oder Entwicklungsstörungen
  • Neonatale Chirurgie: Zusammenarbeit mit Kinderchirurgen bei operativen Eingriffen an Neugeborenen, z. B. bei angeborenen Fehlbildungen wie Darmatresien, Herzfehlern oder Lungenanomalien
  • Neonatale Infektiologie: Spezialisierung auf die Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten bei Neugeborenen, z. B. Sepsis, Herpes oder CMV-Infektionen inklusive Entwicklung von Präventionsstrategien und Impfkonzepten
  • Spezialisierte Säuglingsernährung: Weiterbildung in individuell angepassten Ernährungsmethoden, damit die Säuglinge die nötigen Nährstoffe erhalten, z. B. parenterale Ernährung
  • Psychosoziale Betreuung: Unterstützung der Familien, z. B. durch Beratung bei traumatischen Erfahrungen oder bei der Bewältigung chronischer Erkrankungen der Kinder

Die Deutsche Gesellschafft für neonatologische und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) sowie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) bieten regelmäßig Fortbildungen, Workshops, Kongresse und Seminare zu bestimmten Themen und Bereichen an. Auch die European Society for Paediatric Research (ESPR) organisiert europäische Konferenzen und Fortbildungsveranstaltungen.

Für das Selbststudium eignet sich die Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie.

Wie viel verdient ein Neonatologe?

Das konkrete Gehalt eines Neonatologen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Kinder- und Jugendmediziner mit dem Schwerpunkt Neonatologie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Private Krankenhäuser wie die HELIOS Klinik zahlen zwar individuelle Löhne, diese orientieren sich jedoch stark an den gängigen Tarifverträgen

Welche Zukunftsperspektiven hat Neonatologie?

Der Fachbereich der Neonatologie steht vor Herausforderungen: Es fehlen die Patienten. Die Zahl der Geburten ist seit Jahren niedrig und wird auch in naher Zukunft voraussichtlich nicht steigen. Während man 1991 noch 1.186 geburtshilfliche Abteilungen zählte, waren es, laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe*,* im Jahr 2023 nur noch etwa 600.

Trotzdem ist der Bedarf an Neonatologen hoch und wird voraussichtlich auch in Zukunft bestehen bleiben. Die medizinischen Anforderungen an die Versorgung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen bleiben anspruchsvoll und erfordern spezielles Know-How und Erfahrung. Die Neonatologie ist ein zukunftssicherer Bereich für Mediziner, da immer mehr Kinderärzte das Rentenalter erreichen und dringend Nachfolger brauchen.

Eine positive Entwicklung ist, dass Frühgeborene mithilfe von technologischen Innovationen und besseren Behandlungsmethoden immer erfolgreicher versorgt werden können. So ermöglichen es zum Beispiel moderne und schonende Beatmungsgeräte, Frühgeborene mit Atemproblemen effektiv zu unterstützen, ohne ihre Lunge zu schädigen – zum Beispiel mit Hochfrequenzbeatmung. Bei schweren Fällen kann die Lungenfunktion von einer Art künstlichen Lunge (extrakorporale Membranoxygenierung) übernommen werden, um das Blut zu reinigen und mit Sauerstoff anzureichern, wenn die Lunge noch nicht ausreichend funktioniert.

Verbesserungen in der Bildgebung ermöglichen genauere Diagnose von Hirnblutungen, Herzfehlern oder anderen Komplikationen bei Neugeborenen, sodass diese frühzeitig und gezielt behandelt werden können.

Zudem gibt es Forschungsprojekte, in denen an künstlichen Gebärmüttern gearbeitet wird, um Frühgeborene außerhalb des Mutterleibs noch besser zu versorgen und ihre Entwicklung zu unterstützen.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Neonatologen?

Der Weg kann sich lohnen. Neonatologen helfen den kleinsten und verletzlichsten Patienten dabei, gesund wachsen und gedeihen zu können. Sie tragen eine sehr hohe Verantwortung. Die Arbeit ist stressig, da die Ärzte einen Großteil der Zeit intensivmedizinisch arbeiten – auch Schichtdienste sind fester Bestandteil des Alltags. Aber mit der nötigen Stressresilienz und Leidenschaft kann die Arbeit sehr erfüllend sein. Neonatologen können mit ihrem Wirken ganze Familien glücklich machen und leisten einen wichtigen Beitrag.

FAQs

Was macht ein Neonatologe?

Neonatologen sind Kinder- und Jugendmediziner, die sich im Rahmen einer 2-jährigen Schwerpunkt-Weiterbildung auf die Neonatologie spezialisiert haben. Ihr Fachgebiet ist die medizinische Versorgung von Neugeborenen, vor allem von Frühgeborenen und kranken Säuglingen. Zu ihren Aufgaben gehören zum Beispiel die Überwachung und Behandlung von Atemproblemen oder Infektionen sowie die Durchführung spezieller Diagnostiken und Therapien im Inkubator.

Wie wird man Neonatologe?

Um sich als Neonatologe bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Kinder- und Jugendmedizin abschließen und sich im Anschluss im Rahmen einer 2-jährigen Schwerpunkt-Weiterbildung auf die Neonatologie spezialisieren. Diese kann in Universitätskliniken und Krankenhäusern absolviert werden.

Wie viel verdient ein Neonatologe?

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, nur die hierarchische Ebene und Berufserfahrung beeinflussen das Einkommen. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr um eine Stufe steigt. Als ausgebildeter Facharzt erhält man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto pro Monat, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Neonatologen?

Die Schwerpunkt-Weiterbildung zum Facharzt für Neonatologie nimmt in der Regel 24 Monate in Anspruch und schließt sich an die 5-jährige Facharztausbildung in der Kinder- und Jugendmedizin an.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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