Notärzte sind ausgebildete Fachärzte, die eine Zusatz-Weiterbildung im Bereich Notfallmedizin absolviert haben. Sie retten jeden Tag Leben – Bei akuten medizinischen Notfällen sind sie die ersten, die eingreifen und lebenswichtige Maßnahmen durchführen: Sie versuchen, die Vitalfunktionen des Patienten wieder herzustellen und ihn für die Weiterbehandlung in einen stabilen Zustand zu bringen.
Was zeichnet die Arbeit als Notarzt aus?
Zum Berufsbild des Notmediziners gehören eine sehr hohe Stressresilienz und eine starke Psyche. Notärzte tragen große Verantwortung – Sie müssen unter extremem Zeitdruck Entscheidungen treffen, die direkte Auswirkungen auf das Leben der Patienten haben. Ihre Arbeit ist auf körperlicher, mentaler und seelischer Ebene sehr fordernd. Sie müssen in jeder Situation Ruhe bewahren, alle Risiken abwägen, schnell handeln und gleichzeitig einfühlsam im Kontakt mit den Patienten bleiben. Auf diese Weise können viele Leben gerettet werden. Jedoch glückt nicht jeder Einsatz, was bedeutet, dass auch der Tod ein Thema ist, mit dem man als Notarzt öfter als gewollt konfrontiert ist. Das setzt die Fähigkeit voraus, sich in anspruchsvollen Momenten sowohl emotional als auch körperlich regulieren zu können.
Worin liegen die Aufgaben eines Notarztes?
Die Hauptaufgabe eines Notarztes liegt darin, medizinische Notfälle zu erkennen und zu behandeln, indem er Patienten für die Weiterbehandlung in einen stabilen körperlichen Zustand bringt. Entweder werden die Patienten in einem Rettungswagen (RTW) zu ihm in die Notaufnahme gebracht, oder der Notmediziner befindet sich in einem Noteinsatzfahrzeug (NEF) direkt am Einsatzort. Oft arbeitet er im Team mit Rettungssanitätern, Notfallsanitätern, der Feuerwehr oder in komplexen Fällen sogar mit dem THW, um schwer zugängliche Einsatzorte zu erreichen.
Als Notarzt ist man beispielsweise mit folgenden medizinischen Notfällen konfrontiert:
- Bewusstseinsstörungen
- Schlaganfälle
- Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkte
- Traumata durch Unfälle (Knochenbrüche, Kopfverletzungen)
- Verbrennungen
- Schnittwunden und Blutungen
- Überdosierungen und Vergiftungen
- Allergische Reaktionen, Atemnot und Schock
Nach Einschätzung der Lage kann der Notarzt zu verschiedenen Maßnahmen greifen, um den gesundheitlichen Zustand des Patienten zu stabilisieren. Darunter folgende:
- Reanimation mithilfe von Herzmassage und Defibrillatoren
- Anlegen eines Notfall-EKGs zur Beobachtung des Herzrhythmus
- Einführung eines Schlauchs in die Lunge, um den Patienten künstlich zu beatmen (Intubation) oder Einsatz einer Beatmungsmaske
- Einleitung einer Notfallnarkose bei sehr unruhigen Patienten mit vielen Schmerzen
- Verabreichung von Adrenalin zur Unterstützung des Herz-Kreislaufs
- Legung von venösen Zugängen zur schnellen Verabreichung von Medikamenten
- Anlegen von Verbänden, Reinigung von Wunden
- Stabilisierung des Patienten für den Transport in die Klinik, zum Beispiel durch Fixierung bei Verletzungen oder akuter Suizidgefahr
Darüber hinaus muss der Notarzt alle Einsätze dokumentieren. Unfallort, Symptome, durchgeführte Maßnahmen, Vitalwerte, Verlauf der Behandlung und Ort der Weiterbehandlung werden schriftlich festgehalten. Dies ist nicht nur für die anschließende Weiterbehandlung wichtig – eine vollständige Einsatzdokumentation trägt auch in Hinblick auf Haftung- und Versicherungsfragen große Bedeutung, um im Falle von Schadensersatzforderungen oder Versicherungsansprüchen klare Belege vorweisen zu können.
Laut Musterberufsordnung (MBO) ist jeder Mediziner dazu verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Für Notärzte ist die persönliche Absicherung jedoch besonders wichtig. Da unter starkem Stress mehr Fehler passieren als bei routinierten Arbeitsabläufen, sind Notärzte diejenigen unter den Medizinern, die am häufigsten mit Haftungsfragen konfrontiert sind.
Wo arbeiten Notärzte?
Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 58.491 berufstätige Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Die Zusatzweiterbildung in der Notfallmedizin ist mit weitem Abstand die beliebteste unter allen Zusatzqualifikationen. Notärzte sind da zu finden, wo direkte medizinische Hilfe notwendig ist – sowohl im präklinischen als auch im innerklinischen Bereich:
- Im Rettungsdienst: Zu den Rettungsdiensten gehören Organisationen wie die Malteser, die Johanniter, private Anbieter wie ProMedic oder die Feuerwehr. Als Notarzt ist man nicht beim Rettungsdienst selbst angestellt, man wird von der Klinik, in der man regulär arbeitet, bereitgestellt. Auch eine Vermittlung über die Kassenärztlichen Vereinigungen ist möglich. In beiden Fällen erfolgt die Notarzt-Tätigkeit in Form des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Andere Notärzte arbeiten freiberuflich, das heißt, sie melden sich direkt bei der jeweiligen Rettungsdienststelle und werden auf Honorarbasis bezahlt. Bei Einsätzen mit der Deutschen Luftrettung (DRF), dem ADAC oder den Johannitern kann man sogar mit Hubschraubereinsätzen rechnen. Auch Einsätze bei Katastrophen oder Evakuierungen können Teil der Arbeit sein.
- Zentrale Notaufnahmen (ZNA): Notaufnahmen sind Einrichtungen in Kliniken, meist mit Schwerpunkt auf Chirurgie, Innere Medizin und Intensivmedizinische Notfallversorgung. Einige Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Notmedizin, vor allem Anästhesisten, Internisten und Chirurgen, arbeiten neben ihrem regulären Dienst auf Station ergänzend in der Notaufnahme.
- Militär: Einige Notärzte sind beim Sanitätsdienst der Bundeswehr angestellt und für die notfallmedizinische Betreuung von Soldaten zuständig. Sie arbeiten teilweise unter extremen Bedingungen, beispielsweise in Feldlazaretten oder mobilen Sanitätsversorgungszentren (SVZ). Auch in Kasernen müssen sie jederzeit für die Behandlung eines Notfallpatienten bereitstehen. Zusätzlich können sie eine beratende Funktion für die Planung von Einsätzen oder die medizinische Ausstattung ausüben.
- Behörden: Einige Notärzte, circa 1.500 unter ihnen, arbeiten ergänzend beim Gesundheitsamt, beim Landesamt für Katastrophenschutz oder im Innenministerium. Dort sind sie in der Planung, Koordination und Beratung in Bezug auf Einsatzkonzepte, Schulungen oder Notfallübungen zuständig.
Wie wird man Notarzt?
Die Weiterbildung zum Notmediziner ist eine Zusatzweiterbildung – Um den sogenannten Notarztschein erwerben zu können, muss man ein Humanmedizinstudium abgeschlossen haben und eine Approbation als Arzt vorweisen können. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland.
Viele Notärzte haben zuvor eine Facharztausbildung abgeschlossen und arbeiten regulär im Bereich Anästhesie, Innere Medizin oder Chirurgie bzw. Unfallchirurgie. Anästhesisten sind in ihrem Berufsalltag täglich mit medizinischen Notfällen konfrontiert, weshalb die Zusatzweiterbildung in der Notfallmedizin ein häufig gewählter Weg ist.
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung zum Notmediziner folgende Punkte:
- 24 Monate Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich unter Befugnis an Weiterbildungsstätten
- davon 6 Monate in der Intensivmedizin oder in der Anästhesiologie oder in einer interdisziplinären zentralen Notfallaufnahme
- 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in allgemeiner und spezieller Notfallbehandlung
- 50 Notarzteinsätze im öffentlichen Rettungsdienst (Notarzteinsatzfahrzeug oder Rettungshubschrauber) unter Anleitung eines verantwortlichen Notarztes, davon können bis zu 25 Einsätze im Rahmen eines standardisierten Simulationskurses erfolgen
Die Weiterbildung findet in Kliniken, Fortbildungsinstituten oder Universitäten statt, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Auch Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V. (DGINA) sowie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) bieten Weiterbildungskurse an.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
In einigen Bundesländern muss man regelmäßig Fortbildungen nachweisen, um seinen Notarztschein behalten zu dürfen. Es ist sinnvoll, sich bei der jeweiligen Ärztekammer zu informieren.
In Fortbildungskursen kann man sein Wissen beispielsweise in Bezug auf die Behandlung mit neuen Techniken und Geräten erweitern. Zudem gibt es spezielle Fortbildungsangebote für die Behandlung von Kindern in Notfallsituationen. Aus dem Bereich der Psychiatrie können neue Methoden im Umgang mit psychischen Krisen und Suizidalität erlernt werden. Besonders wichtig im Bereich Notmedizin ist ein fundiertes Wissen bezüglich rechtlicher und ethischer Aspekte: Dafür können Fortbildungen zu rechtlichen Vorgaben, Einsatzdokumentation und ethischen Fragestellungen im Rettungsdienst wahrgenommen werden.
Für das Selbststudium bietet sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Der Notarzt an.
Wie viel verdient ein Notarzt?
Das Gehalt eines Notarztes hängt stark davon ab, wo er arbeitet. Oftmals ist die notärztliche Tätigkeit lediglich eine Ergänzung zum Klinikalltag. Demnach erhält er am Ende des Monats sein reguläres Gehalt plus Zusatzzahlungen. Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Zusatzqualifikationen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Als Facharzt in einem Krankenhaus kann man, je nach Land und Erfahrung, mit einem monatlichen Bruttoverdienst zwischen 7.000 und 8.000 Euro rechnen.
Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Notmedizin, die neben ihrer regulären Tätigkeit selbstständig als Notarzt im Rettungsdienst tätig sind, können sich zu ihrem monatlichen Gehalt einige Euro dazuverdienen – abhängig von der Anzahl der Einsätze und der Höhe der Honorare der jeweiligen Rettungsdienste. Je nach Region und Einsatzdauer liegt die Vergütung bei etwa 50 Euro pro Stunde.
Als Stabsarzt bei der Bundeswehr kann man mit 4.800 Euro brutto im Monat rechnen, ein Oberstabsarzt verdient 5.800 Euro, ein Oberfeldarzt 7.000 Euro und ein Oberstarzt kommt auf bis zu 8.000 Euro Monatsbrutto.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Notfallmedizin?
In Deutschland besteht ein großer Mangel an Notärzten, der sich stetig vergrößert, vor allem auf dem Land. Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für den Beruf als Arzt, während die Menschen immer älter werden und häufiger auf notmedizinische Behandlung angewiesen sind. Angesichts der Überbelastung des Gesundheitssystems und dem Mangel an freien Arztterminen wählen einige frustrierte Patienten den Notruf häufig auch aus medizinisch nicht relevanten Gründen und belasten das Notversorgungssystem zusätzlich.
Der Überlastung der Infrastruktur im Bereich der Notfallversorgung soll laut der DGINA mittels Entwicklungen in der Telemedizin entgegengewirkt werden. Bei der Notrufabfrage sollen Anrufer direkt telemedizinisch (beispielsweise per Videoanruf) beraten werden können, um erste Maßnahmen zu ergreifen und die Situation besser einschätzen zu können.
Die Arbeit als Notarzt ist und bleibt eine wichtige und zukunftssichere Aufgabe – Es gibt immer und überall Leben zu retten.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Notarzt?
Der Weg zum Notarzt lohnt sich. Notmediziner nehmen eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem ein – sie sind oft die ersten am Einsatzort, treffen lebenswichtige Entscheidungen und stabilisieren Patienten in akuten Notlagen. Ihre Arbeit rettet täglich Leben und trägt wesentlich zur medizinischen Versorgungssicherheit bei – insbesondere in Zeiten der zunehmenden Überlastung des Gesundheitssystems. Eine hohe psychische und körperliche Belastbarkeit ist unerlässlich, die Arbeit ist sehr fordernd, aber auch sehr erfüllend. Für viele Ärzte ist gerade diese direkte Hilfe in Extremsituationen der Grund, warum sie sich für die Weiterbildung entscheiden. Auch finanziell lohnt sich der Weg: Zusätzlich zur regulären Vergütung als Facharzt kann man sich bei aktiver Tätigkeit im Rettungsdienst einige Euros dazu verdienen.
FAQs
Was macht ein Notarzt?
Notärzte sind ausgebildete Fachärzte, die eine Zusatz-Weiterbildung im Bereich der Notfallmedizin absolviert haben. Sie retten jeden Tag Leben – Bei akuten medizinischen Notfällen sind sie die ersten, die eingreifen und lebenswichtige Maßnahmen durchführen: Sie versuchen, die Vitalfunktionen des Patienten wieder herzustellen und ihn für die Weiterbehandlung in einen körperlich stabilen Zustand zu bringen.
Wie wird man Notarzt?
Um Notarzt zu werden, muss man eine Zusatzweiterbildung in der Notfallmedizin absolvieren. Voraussetzung für die Weiterbildung ist ein bestandenes Medizinstudium inklusive Approbation als Arzt. Die Weiterbildung findet in Kliniken, Fortbildungsinstituten oder Universitäten statt, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Auch Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) sowie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) bieten Weiterbildungskurse an.
Wie viel verdient ein Notarzt?
Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, die neben ihrer regulären Tätigkeit selbstständig als Notarzt im Rettungsdienst tätig sind, können sich zu ihrem monatlichen Gehalt einige Euro dazuverdienen – abhängig von der Anzahl der Einsätze und der Höhe der Honorare der jeweiligen Rettungsdienste. Je nach Region und Einsatzdauer liegt die Vergütung bei etwa 50 Euro pro Stunde.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Notarzt?
Die Weiterbildung zum Notarzt dauert in der Regel 2 bis 3 Jahre.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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