Onkologen sind Fachärzte, die nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Innere Medizin und Onkologie und Hämatologie absolviert haben. Sie sind Spezialisten für die Diagnose, Behandlung und Prävention von Krebserkrankungen. Beide Begriffe kommen aus dem Griechischen: Onkologie steht für die Lehre von Tumoren, Hämatologie bezeichnet die Lehre des Blutes.
Was zeichnet die Arbeit als Onkologe aus?
Während man sich in der Onkologie auf die Diagnose und Therapie von Tumorerkrankungen aller Art spezialisiert hat, beschäftigt man sich in der Hämatologie mit der Beschaffenheit des Blutes und den blutbildenden Organen.
Im Rahmen der Hämatologie diagnostiziert und behandelt man zum Beispiel Blutarmut und Blutgerinnungsstörungen. Aber auch die Behandlung verschiedener Blutkrebsarten wie Leukämien oder Lymphome (Tumorbildung durch unkontrolliertes Wachsen der weißen Blutkörperchen) steht auf der Tagesordnung eines Hämatologen – und genau dort liegt die Schnittstelle der beiden Fachrichtungen: Die Krebstherapie. Im Falle von Blutkrebs sind es Krebszellen, die in Blut oder Knochenmark zirkulieren, bei soliden Tumoren sind es Gewebegeschwülste, die unkontrolliert wachsen. Die Therapien, die bei Blutkrebs angewendet werden, ähneln denen, die bei Gewebe-Tumoren vorgenommen werden, dazu gehören zum Beispiel Chemotherapie oder Immuntherapie. Die Uniklinik Köln pflegt für die Bezeichnung dieses interdisziplinären Fachbereichs den Begriff Hämato-Onkologie.
Die Arbeit als Experte für Onkologie und Hämatologie ist sehr interdisziplinär gestaltet: In den meisten Fällen wenden sich Patienten mit Symptomen zuerst an ihren Hausarzt oder einen bestimmten Facharzt – sei es der Gynäkologe bei Brustkrebs oder der Pneumologe bei Lungenkrebs. Bei Verdacht auf Krebs wird der Patient an einen Onkologen bzw. Hämatologen überwiesen. Die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit ist von großer Bedeutung: In regelmäßigen Tumor-Konferenzen tauschen sich Fachärzte unterschiedlicher Gebiete über die einzelnen Fälle aus.
Worin liegen die Aufgaben eines Onkologen?
In der Onkologie liegt der Fokus auf der Untersuchung und Behandlung von Tumoren. Für die Diagnostik stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:
- Biopsie: Gewebeentnahme und anschließende Untersuchung im Labor
- Computertomographien (CT): Röntgenverfahren zur Erstellung von Querschnittsbildern bestimmter Organe für die Lokalisierung von Tumoren – vor allem angewendet bei Tumoren in Bauchraum, Brustkorb oder Schädel
- Magnetresonanztomographien (MRT): Bildgebendes Verfahren mit starken Magnetfeldern und Radiowellen zur Erstellung detaillierter Bilder von Gehirn, Rückenmark, Becken oder Weichteilen
Bei Verdacht auf Blutkrebs erstellt man in der Hämatologie zum Beispiel
- Blutbilder: Blutabnahme und anschließende Laboruntersuchung, um zu untersuchen, ob die Blutzellenzahl auffällig verändert ist
- Knochenmarkbiopsien: Entnahme und Laboruntersuchung einer kleinen Gewebeprobe aus dem Knochenmark, meist aus dem Beckenknochen, da Blut- und Krebszellen dort direkt sichtbar gemacht werden können
Für jede Krebserkrankung arbeitet der Onkologe einen individuellen Therapieplan aus, für den zum Beispiel folgende Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden:
- Operation: Die Entfernung des befallenen Gewebes
- Strahlentherapie: Bestrahlung zur Schädigung der Krebszellen auf molekularer Ebene
- Chemotherapie: Medikation zur Verhinderung der Krebszellenspaltung
- Immuntherapie: Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems
- Antihormontherapie: Verhinderung der Bildung spezieller Hormone, die das Tumorwachstum unterstützen
- Blutstammzelltransplantation: Transplantation gesunder Blutstammzellen (vor allem bei Leukämie)
Onkologen unterstützen ihre Patienten die gesamte Behandlung über und versorgen sie bezüglich Nebenwirkungen und Schmerzmanagement. Sie sind zuständig für die sorgfältige Dokumentation aller Maßnahmen, Befunde und gesundheitlichen Veränderungen. Im Rahmen der Nachsorge laden sie zu regelmäßigen Untersuchungen ein, um Rückfälle und Spätfolgen früh zu identifizieren. Zudem unterstützen sie den Patienten bei wichtigen Entscheidungen und informieren über psychosoziale Beratungsangebote.
Wo arbeiten Onkologen?
Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 1.562 berufstätige Fachärzte für Onkologie und Hämatologie. Sie arbeiten:
- In Kliniken: Die Hälfte aller Hämato-Onkologen arbeitet stationär. Dort sind sie in der Abteilung für Onkologie und Hämatologie tätig oder arbeiten in der Palliativmedizin. Einige von ihnen empfangen Krebspatienten regelmäßig in der klinischen Ambulanz, zum Beispiel für Chemotherapie oder Kontrolluntersuchungen.
- In Praxen: Es gibt einige Fachpraxen und Medizinische Versorgungszentren, die sich auf die ambulante onkologische Versorgung spezialisiert haben. In solchen Praxen liegt der Schwerpunkt stärker auf der engen Patientenbegleitung als in Kliniken.
- In der Forschung: Viele Fachärzte für Onkologie und Hämatologie sind ergänzend in Forschungseinrichtungen tätig und wirken in Studiengruppen zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden mit.
Wie wird man Onkologe?
Um sich als Facharzt für Onkologie und Hämatologie bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), die Facharztausbildung Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie absolvieren.
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein dauert die Weiterbildung 72 Monate, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland. Diese 6 Jahre umfassen:
- 36 Monate Ausbildung in Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie
- 24 Monate Ausbildung in der stationären Patientenversorgung
- 24 Monate Ausbildung in min. 2 anderen Fachbereichen der Inneren Medizin
- 6 Monate Ausbildung in der Notfallaufnahme
- 6 Monate Ausbildung in der Intensivmedizin
Unabhängig von der Schwerpunktwahl absolviert jeder angehende Internist innerhalb seiner Facharztausbildung den sogenannten Common Trunk. Dieser bezeichnet die 36-monatige Basisausbildung, die grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die für alle Fachrichtungen der Inneren Medizin relevant sind.
Die Facharztausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich Kliniken und spezialisierte Fachpraxen. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich, und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.
Im Gebiet der Hämatologie und Onkologie können viele Arbeits- und Forschungsschwerpunkte gesetzt werden. Man kann sich auf die Therapie bestimmter Tumorformen spezialisieren. Ebenso ist eine Fortbildung im Bereich der Diagnostik möglich, beispielsweise im Bereich Genetik und Molekulare Diagnostik.
Viele Ärzte haben die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin erworben und engagieren sich besonders auf diesem Gebiet. Andere Onkologen haben ihren Fokus auf die Nebenwirkungen der Krebstherapie gelegt und tragen mit ihrer Arbeit zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Krebspatienten bei. Darüber hinaus ist es möglich, den Schwerpunkt auf die Behandlung junger Patienten zu legen und sich im Fachbereich der Kinder- und Jugend-Hämatologie und -Onkologie weiterzubilden.
Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) organisiert eine Vielzahl von Arbeitskreisen, die sich auf Gebiete wie Integrative Onkologie, Onkologische Pharmazie oder Onkologische Rehabilitation spezialisiert haben.
Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Die Onkologie, die von der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. publiziert wird.
Außerdem informiert die Seite Medixum (Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags) über zahlreiche Fortbildungskurse, die für Onkologen interessant sind.
Was verdient ein Onkologe?
Das konkrete Gehalt eines Onkologen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.
Private Krankenhäuser wie die HELIOS Klinik zahlen zwar individuelle Löhne, diese orientieren sich jedoch stark an den gängigen Tarifverträgen
Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.
133 Onkologen waren 2024 in eigener Praxis niedergelassen. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts von 2023 liegt der durchschnittliche jährliche Reinertrag einer Praxis aus dem Bereich Innere Medizin bei 333.000 Euro. Der Reinertrag ist die Differenz zwischen den Einnahmen und den Betriebsausgaben und stellt noch nicht das Nettoeinkommen des Praxisinhabers dar. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Kammerbeiträgen, Beiträgen zum Versorgungswerk, privater Altersvorsorge sowie eventuellen Kreditraten für die Praxisübernahme bleiben dem Inhaber pro Monat schätzungsweise 8.000 Euro netto.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Onkologie?
Das Gebiet der Hämatologie und Onkologie ist ein sehr innovativer Fachbereich: Stetige Fortschritte in der Molekularbiologie führen dazu, dass immer mehr Arzneimittel und Immuntherapeutika entwickelt werden, die die Krebserkrankung zu einer Art der chronischen Erkrankung mit guten Behandlungsaussichten werden lassen. Die meisten Patienten sterben inzwischen mit der Erkrankung und nicht an ihr. Zudem wird die Medizin persönlicher: Mithilfe von genetischen Analysen können Therapien auf die individuellen Tumorprofile abgestimmt werden, was die Wirksamkeit erhöht und Nebenwirkungen reduziert.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Onkologen?
Der Weg zum Facharzt für Onkologie und Hämatologie kann sich lohnen. Als Arzt in diesem Fachbereich pflegt man häufig eine enge Beziehung zu seinen Patienten und begleitet diese lange Zeit auf ihrem gesundheitlichen Weg. Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit sind eine der zentralen Aspekte in diesem Beruf.
Eine Besonderheit des Fachgebiets ist die enge Verbindung zwischen Patientenversorgung und Forschung. Viele Onkologen und Hämatologen sind in nationale Studiengruppen involviert, an denen Ärzte aller Versorgungsebenen teilnehmen. Innerhalb einer solchen Studiengruppe werden sie beispielsweise über eine neue Therapiemethode informiert und integrieren diese nach Absprache mit ihren Patienten in ihre Behandlung, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und die Forschung voranzubringen. Vor allem die DGHO trägt mit dem Angebot zahlreicher Arbeitskreise zur Förderung dieser Forschungskultur bei. Die Onkologie und Hämatologie sind ein spannendes Fachgebiet, das sich ständig weiterentwickelt und in dem man stetig neues lernt. Zudem profitiert man von vielfältigen Spezialisierungs- und Fortbildungsmöglichkeiten.
FAQs
Was macht ein Onkologe?
Onkologen sind Fachärzte, die nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Innere Medizin und Onkologie und Hämatologie absolviert haben. Sie sind Spezialisten für die Diagnose, Behandlung und Prävention von Krebserkrankungen.
Wie wird man Onkologe?
Um sich als Facharzt für Onkologie und Hämatologie bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, die Facharztausbildung Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie absolvieren. Die Ausbildung findet in Weiterbildungsstätten statt, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen hauptsächlich Kliniken und spezialisierte Fachpraxen.
Wie viel verdient ein Onkologe?
Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. In privater Praxis bleiben dem Inhaber am Ende des Monats schätzungsweise 8.000 Euro netto.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Onkologen?
Die Weiterbildung zum Facharzt für Onkologie und Hämatologie dauert in der Regel 6 Jahre.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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