Was macht ein...?

Was macht ein Palliativmediziner?

Von Julia Tech6 Min. Lesezeit
Palliativmediziner am Patientenbett, warme Atmosphäre – Was macht ein Palliativmediziner?

Palliativmediziner behandeln Menschen, die unheilbar erkrankt sind. Ihre Aufgabe ist es, die Lebensqualität ihrer Patienten zu erhöhen, vor allem, indem sie zur Linderung ihrer Schmerzen beitragen und ihr allgemeines Wohlbefinden verbessern.

Was zeichnet die Arbeit als Palliativmediziner aus?

Das Wort Palliativ kommt vom lateinischen Wort Palliare und lässt sich mit Schützen oder Bemänteln übersetzen, und darum geht es: Palliativmediziner unterstützen Patienten und Angehörige bei allen medizinischen Entscheidungen ihrer letzten Lebensphase und stellen sicher, dass es ihnen so gut wie möglich geht. Dafür arbeiten sie in multiprofessionellen Teams und koordinieren gemeinsam mit ihren Kollegen Beratung und Behandlung unter Berücksichtigung psychosozialer und seelsorglicher Aspekte.

Palliativmediziner arbeiten häufig mit älteren Menschen zusammen, die auf ein langes Leben zurückblicken, was sehr bereichernd sein kann. Ein Thema, dem man als Palliativmediziner immer wieder in Gesicht schauen muss, ist der Tod. Besonders Schicksale von jungen Menschen können sehr belastend sein und erfordern die Fähigkeit der emotionalen Abgrenzung.

Worin liegen die Aufgaben eines Palliativmediziners?

Zu den Aufgaben eines Palliativmediziners gehören vor allem:

  • Beratungsgespräche mit Schwerstkranken und ihren Angehörigen unter Einbeziehung ihrer existenziellen und spirituellen Bedürfnisse
  • Indikationsstellungen für palliative Maßnahmen
  • Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände sowie Prophylaxe von Überlastungssyndromen
  • Kontrolle von akuten Symptomen wie Atemnot, Übelkeit, offene Wunden, Angst, Verwirrtheit oder Schlaflosigkeit
  • Koordination der Medikation
  • Sicherstellung einer würdevollen Begleitung in der letzten Lebensphase unter Berücksichtigung der kulturellen Hintergründe des jeweiligen Patienten
  • Vorsorgeplanung in Bezug auf Therapiewechsel, lebensverlängernde Behandlungen, rechtliche Dokumente (z. B. Patientenverfügungen) sowie Behandlungswünsche (z. B. Beatmung, künstliche Ernährung)

Wo arbeiten Palliativmediziner?

Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 17.286 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, von ihnen waren 15.532 berufstätig. 7.484 unter ihnen arbeiteten im ambulanten Bereich, 5.220 waren in eigener Praxis niedergelassen. 6.864 Palliativmediziner waren 2024 in einer Klinik angestellt.

Palliativmediziner arbeiten auf Palliativstationen oder onkologischen Abteilungen in Krankenhäusern. Zudem sind sie in Hospizen und spezialisierten Pflegeeinrichtungen tätig. Einige betreuen ihre Patienten im häuslichen Umfeld, zum Beispiel durch Hausbesuche oder ambulante Palliativdienste. Häufig besitzen Hausärzte die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, um ihre Patienten in ihrer Praxis bis zum Lebensende gut unterstützen und begleiten zu können.

Wie wird man Palliativmediziner?

Mit einem bestandenen Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und einer abgeschlossenen Facharztausbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung qualifiziert man sich für die Zusatzweiterbildung zum Palliativmediziner.

Die meisten Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern setzen für den Erwerb der Zusatzbezeichnung folgende Vorgaben:

  • 40 Stunden Kurs-Weiterbildung in Palliativmedizin
  • 6-monatige praktische Tätigkeit in einer anerkannten Einrichtung der Palliativmedizin oder 120 Stunden Palliativmedizin-Fallseminare unter Supervision

Die 120 Stunden Fallseminare dienen der Vertiefung der in der Kurs-Weiterbildung erworbenen Kenntnisse mithilfe von Praxis-Beispielen. Die Fallseminare sind in der Regel in drei 40-Stunden-Module aufgeteilt, deren Mindestzeit insgesamt sechs Monate beträgt. Es ist möglich, die Zusatzweiterbildung berufsbegleitend in Teilzeit zu absolvieren.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die genauen Weiterbildungsregelungen je nach Land variieren und bei der zuständigen Ärztekammer erfragt werden sollten. Die Lernerfolge müssen im elektronischen Ausbildungs-Logbuch dokumentiert werden.

Wie viel verdient man als Palliativmediziner?

Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin hängt davon ab, wieviel Erfahrung er mitbringt und wo er arbeitet. Viele Ärzte arbeiten regulär in ihrer Praxis weiter und nutzen die Zusatzqualifikation, um zusätzliche palliativmedizinische Leistungen anzubieten und damit eine größere Patientengruppe zu erreichen. Das wirkt sich positiv auf Gehalt und Reputation aus. Andere Ärzte haben ihren Fokus ganzheitlich auf die Palliativmedizin gelegt und sind zum Beispiel in privaten palliativmedizinischen Pflegeeinrichtungen angestellt, die über unterschiedliche Vergütungsmodelle abrechnen.

In Kliniken und vielen öffentlichen Einrichtungen gelten die Tarifverträge für Krankenhäuser wie der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL). Diese machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Bei gewissen Zusatzqualifikationen sind trotzdem, je nach Klinik und Vorgesetzten, gewisse Zusatzzahlungen möglich. Mit Schichtarbeit, Wochenendarbeit und Bereitschaftsdiensten kann man sein Gehalt in jedem Fall zusätzlich anheben.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Palliativmedizin?

Die Bevölkerung wird immer älter, wodurch auch die Zahl der Menschen mit chronischen und lebensbegrenzenden Erkrankungen steigt, was die Nachfrage nach palliativmedizinischer Versorgung erhöht. Auch in Zukunft wird es an Stellenangeboten in der Palliativmedizin nicht mangeln.

Das Fachgebiet wird immer mehr als integraler Bestandteil der ganzheitlichen Versorgung anerkannt. Früher wurde die Palliativmedizin oft erst dann eingesetzt, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren. Heute wird erwartet, dass palliativmedizinische Maßnahmen bereits frühzeitig in die Behandlung von chronischen oder schweren Krankheiten integriert werden, um Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Das allgemeine Bewusstsein für die Bedeutung der Palliativmedizin wächst, was politische Unterstützung und Ressourcen für den Ausbau entsprechender Angebote fördern dürfte.

Wie alle anderen medizinischen Fachbereiche wird auch die Palliativmedizin zunehmend von digitalen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Telemedizin unterstützt. Die KI hilft dabei, Krankengeschichten übersichtlich darzustellen und medizinisches Wissen zu nutzen, damit Behandlungsentscheidungen genauer und einfacher getroffen werden können. Telemedizin-Plattformen wie Doctolib haben die Terminbuchung digitalisiert und ermöglichen ortsungebundene Besprechungen der Befunde via Online-Meeting, was sowohl Ärzten als auch Patienten zugutekommt.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Palliativmediziner?

Viele Ärzte, die sich für die Palliativmedizin entscheiden, schätzen die Möglichkeit, Menschen in einer sehr schwierigen und sensiblen Phase ihres Lebens zu begleiten. Sie erleben die Arbeit als sehr erfüllend, da man schwer kranken Patienten dabei hilft, ein schmerzfreieres und glücklicheres Leben zu führen und manche von ihnen auf den letzten Metern ihres Lebens begleiten darf. Für die ständige Konfrontation mit schweren Schicksalen sollte man eine gefestigte Persönlichkeit mitbringen.

Die Palliativmedizin gewinnt in der Medizin immer mehr an Bedeutung. Die Arbeit ist oft sehr vielfältig und interdisziplinär, was für viele Ärzte eine spannende Herausforderung darstellt. Ob in einer palliativen Pflegeeinrichtung angestellt oder in Form von zusätzlichen palliativmedizinischen Beratungs- und Behandlungsangeboten in der eigenen Praxis – der Erwerb der Zusatzbezeichnung kann sich für viele Ärzte lohnen.

FAQs

Was macht ein Palliativmediziner?

Palliativmediziner behandeln Menschen, die unheilbar erkrankt sind. Ihre Aufgabe ist es, die Lebensqualität ihrer Patienten zu erhöhen, vor allem, indem sie zur Linderung ihrer Schmerzen beitragen. Sie unterstützten Patienten und Angehörige bei allen medizinischen Entscheidungen in der letzten Lebensphase und beraten bezüglich psychosozialer und seelsorglicher Bedürfnisse.

Wie wird man Palliativmediziner?

Mit einem Humanmedizinstudium, der Approbation als Arzt und einer abgeschlossenen Facharztausbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung qualifiziert man sich für die Zusatzweiterbildung zum Palliativmediziner. Diese umfasst meistens 40 Stunden Kurs-Weiterbildung und eine 6-monatige praktische Tätigkeit in einer anerkannten Einrichtung der Palliativmedizin, die durch 120 Stunden Palliativmedizin-Fallseminare unter Supervision ersetzt werden kann. Die genauen Weiterbildungsregelungen können je nach Land variieren und bei der zuständigen Ärztekammer erfragt werden.

Wieviel verdient ein Palliativmediziner?

Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin hängt von seiner Erfahrung und seinem Arbeitsort ab. Er kann in seiner Praxis zusätzliche palliativmedizinische Leistungen anbieten, um sein Gehalt aufzustocken oder in privaten palliativmedizinischen Pflegeeinrichtungen arbeiten, die über unterschiedliche Vergütungsmodelle abrechnen. In Kliniken und vielen öffentlichen Einrichtungen gelten die Tarifverträge für Krankenhäuser**.** Diese machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen – lediglich die hierarchische Ebene und Berufserfahrung beeinflussen das Einkommen.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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