Pathologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Pathologie abgeschlossen. Das medizinische Fachgebiet beschäftigt sich mit krankhaften Zuständen und Vorgängen im Körper. Die Hauptaufgabe eines Pathologen besteht darin, Gewebe-, Zell- und Körperflüssigkeitsproben auf abnorme Veränderungen zu untersuchen, um Krankheiten zu diagnostizieren, eine geeignete Therapie zu finden und den Krankheitsverlauf zu kontrollieren.
Pathologen sind keine Gerichtsmediziner! Wenn sie Gewebeproben aus Leichen entnehmen, dann tun sie dies an Körpern verstorbener Menschen, die auf natürliche Weise zu Tode gekommen sind. Das Ziel ist es, Informationen über die finale Todesursache zu erlangen und Erkenntnisse für die Behandlung anderer Patienten zu gewinnen. Aber in den meisten Fällen sind ihre Patienten lebendig. Das Missverständnis hat seine Ursprünge in der Unterhaltungsindustrie: Ein forensic pathologist, wie man ihn aus dem Fernsehen von der anderen Seite des großen Teichs kennt*,* entspricht im Deutschen einem Arzt mit einer Facharztausbildung in der Rechtsmedizin – und nicht dem Pathologen.
Was zeichnet die Arbeit als Pathologe aus?
Pathologen haben es sich zur Aufgabe gemacht, krankes Gewebe zu untersuchen, um Informationen über die zugrunde liegende Erkrankung zu gewinnen. Ganz im Gegenteil zum Gerichtsmediziner hat ihr Job viel mehr mit dem Leben als mit dem Tod zu tun. Vor allem im Bereich Tumortherapie ist ihr Wirken von großer Bedeutung, denn die Ergebnisse ihrer Arbeit liefern wichtige Informationen, um einen individuellen und wirksamen Therapieplan entwickeln zu können.
Pathologen stehen in keinem direkten Patientenkontakt. Die Früchte ihrer Arbeit werden in der Regel von den Ärzten geerntet, die die Patienten versorgen und die Gewebeproben entnommen haben. Pathologen arbeiten backstage und kümmern sich hinter den Kulissen darum, den behandelnden Arzt mit so vielen Informationen wie möglich über die Erkrankung seiner Patienten zu versorgen.
Die Herkunft des Begriffs der Pathologie liegt im Griechischen. Das Wort setzt sich aus den Wörtern pathos (Leiden) und logos (Lehre, Wort) zusammen, bedeutet also wörtlich übersetzt die Lehre vom Leiden.
Worin liegen die Aufgaben eines Pathologen?
Pathologen sind Experten auf dem Gebiet der Histologie, die Wissenschaft von den biologischen Geweben, und der Zytologie, der Wissenschaft von den Zellen. Sie untersuchen Proben, die bei Operationen, Biopsien oder Autopsien entnommen wurden unter dem Mikroskop, um Veränderungen auf Zell- und Gewebeebene zu identifizieren.
Auf Basis der mikroskopischen Untersuchung stellt der Pathologe eine Diagnose. Das kann die Identifikation von Tumoren (bösartig oder gutartig), Entzündungen, Infektionen oder anderen pathologischen Veränderungen sein. Bei Tumorerkrankungen bestimmt er die Art des Tumors, sein Stadium und seine Aggressivität. Diese Informationen sind entscheidend für die Wahl der Therapie und Prognose.
In einigen Fällen wird von einem Chirurgen noch während einer laufenden Operation Gewebe entnommen, dieses Verfahren nennt man Schnellschnittuntersuchung. Die Probe wird schnellstmöglich in ein pathologisches Labor übermittelt. Nach sofortiger Untersuchung teilt der Pathologe dem behandelnden Arzt seine Befunde telefonisch oder digital mit.
Neben der klassischen Histologie führt der Pathologe auch molekulare Untersuchungen durch, um genetische Veränderungen zu identifizieren oder spezielle Marker nachzuweisen. Das unterstützt Ärzte bei einer präziseren Diagnosestellung und personalisiert die Behandlung.
In manchen Fällen führen Pathologen Obduktionen durch, um die Todesursache zu klären oder generell Informationen zu sammeln, mit denen Krankheitsverläufe besser verstanden werden können.
Sie dokumentieren alle Befunde sorgfältig in Berichten, die für die weitere Behandlung des Patienten wichtig sind und beraten das medizinische Team vor Ort.
Wo arbeiten Pathologen?
Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 1.892 Fachärzte für Pathologie. Sie arbeiten:
- Ambulant: Die Mehrheit der Pathologen arbeitet ambulant, zum Beispiel in Pathologie-Instituten, Laboren oder Diagnostikzentren. Viele Pathologielabore gehören zu MVZs, die an Klinken angegliedert sind. Ein typischer Einsatzort für Pathologen ist das sogenannte Zentrallabor, das Proben von niedergelassenen Ärzten oder Kliniken erhält. Die Einbindung eines Zentrallabors soll sicherstellen, dass Laborproben, die in unterschiedlichen Kliniken oder Arztpraxen gesammelt wurden, an einem Laborstandort mit gleichen Qualitätsstandards untersucht werden.
Darüber hinaus arbeiten Pathologen auch in Spezialpraxen für bestimmte Fachgebiete wie Dermatopathologie, Zytopathologie (Zelluntersuchungen) oder Molekularpathologie. In diesen Praxen analysieren sie meist Proben, die durch niedergelassene Ärzte entnommen wurden.
- Stationär: Häufig arbeiten Pathologen in der Pathologieabteilung eines Krankenhauses. Dort sind sie Teil des medizinischen Teams und untersuchen Proben, die den Patienten auf Station entnommen werden.
Wie wird man Pathologe?
Um sich als Pathologe bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Pathologie abschließen. Diese umfasst in Deutschland 6 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland.
Gemäß der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer umfasst die Ausbildung 72 Monate Pathologie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 24 Monate Weiterbildung in Neuropathologie erfolgen und bis zu 12 Monate in anderen medizinischen Fachgebieten abgeleistet werden.
Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich befugte Weiterbildungsstätten anzeigen zu lassen, dazu zählen hauptsächlich MVZs und Universitätskliniken.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.
Nach Abschluss der 6-jährigen Facharztausbildung ist es möglich, sich auf bestimmte Gebiete zu spezialisieren, im Folgenden ein paar Beispiele:
- Zytopathologie: Spezialisierung auf die Untersuchung von Zellproben (z. B. Pap-Abstriche, Feinnadelaspirate)
- Molekulare Pathologie: Fokus auf genetische und molekulare Analysen zur Unterstützung der Diagnostik, Prognosebestimmung und personalisierten Medizin
- Forensische Pathologie: Spezialisierung auf die Leichenöffnung bei Todesfällen mit rechtlichem Bezug sowie die forensische Untersuchung
- Neuro-Pathologie: Untersuchung von Nervengewebe bei neurologischen Erkrankungen oder Tumoren des Nervensystems
- Hämatopathologie: Diagnostik von Blut- und Knochenmarkserkrankungen, einschließlich Lymphomen und Leukämien
- Molekulare Diagnostik: Schulungen in Techniken wie PCR, Next Generation Sequencing (NGS), Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) etc., um genetische Veränderungen bei Tumoren oder Erbkrankheiten zu erkennen
- Tumorpathologie: Spezialisierung auf die Pathologie von Krebsgewebe
- Dermapathologie (zum Beispiel für die Arbeit in einer Hautarzt-Praxis): Spezialisierung auf die mikroskopische Untersuchung von Hautgewebeproben, z. B. auf Hauttumore, Melanome, entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Ekzeme
Die Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP) bietet Fortbildungsveranstaltungen, Workshops und Kongresse zu aktuellen Themen an. Die European Society of Pathology (ESP) organisiert internationale Fortbildungen mit Schwerpunkt auf europäische Standards.
Viele Pathologen engagieren sich in Forschungsprojekten und arbeiten an Studien zur Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren oder Therapien mit. Auch die Dozententätigkeit an Universitäten oder Fortbildungsakademien für angehende Ärzte oder Medizinstudenten ist eine Option.
Wie viel verdient ein Pathologe?
Das konkrete Gehalt eines Pathologen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung kann man mit einem Einstiegsgehalt von 5.499,85 bis zu 5.626,91 Euro brutto monatlich rechnen, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Pathologie in einem Krankenhaus angestellt, kann man, je nach Land und Erfahrung, mit einem monatlichen Bruttoverdienst zwischen 7.000 und 8.000 Euro rechnen.
Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.
Vielen ambulanten Praxen im Bereich Pathologie fällt es schwer, die Kosten für teure Geräte zu stemmen, zum Beispiel für molekularbiologische Untersuchungen. Daher schließen sich die niedergelassenen Ärzte vereinzelt mit Universitäten in Kooperationsverbünden zusammen oder gründen Teilgemeinschaftspraxen, die den Organisationsaufwand reduzieren und Kosten einsparen.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Pathologie?
Die Zukunftsperspektiven der Pathologie sind vielversprechend.
Vor allem die molekulare Diagnostik revolutioniert die Pathologie. Mithilfe von Techniken wie Next Generation Sequencing, PCR-basierte Methoden und FISH können genetische Veränderungen in Tumoren und bei anderen Erkrankungen präzise identifiziert werden. Diese Entwicklungen ermöglichen eine genauere Klassifikation von Krankheiten, exaktere Prognoseabschätzungen und individuell an den jeweiligen Patienten angepasste Therapien. Auch die Integration genetischer Daten in die Routinediagnostik wird weiter voranschreiten, wodurch die Pathologie noch präziser und personalisierter wird.
Die Digitalisierung von histologischen Untersuchungen durch digitale Bildgebung eröffnet neue Möglichkeiten für die Diagnostik. KI-Algorithmen können Muster erkennen, Tumorgrade bestimmen oder seltene Befunde identifizieren – oft schneller und mit hoher Genauigkeit. Zudem kann KI Routineaufgaben übernehmen, um die Effizienz zu steigern und Fehler zu minimieren.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Pathologen?
Der Weg kann sich lohnen. Pathologen spielen eine zentrale Rolle bei der Diagnosestellung und der Erforschung von Krankheiten. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Labor, Klinik und Forschung und sind essenziell für die Patientenversorgung. Sie müssen sehr genau und sorgfältig arbeiten und tragen eine hohe Verantwortung, Fehler in der Auswertung der Befunde können fatale Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf des jeweiligen Patienten haben.
Die Spezialisierungsmöglichkeiten sind vielfältig: Von Molekularpathologie über Haut- oder Neuro-Pathologie bis hin zu forensischer oder hämatopathologischer Diagnostik – die Fachgebiete sind breit gefächert. Mit den Fortschritten in der molekularen Diagnostik, Digitalisierung und personalisierten Medizin wächst die Bedeutung der Pathologie stetig. Es bestehen gute Karriere- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
Vor allem für Menschen, die eine Laufbahn als Arzt einschlagen wollen, aber den direkten Patientenkontakt scheuen, bietet die Pathologie eine spannende Alternative. Das Einkommen ist im Vergleich zu anderen medizinischen Fachrichtungen oft moderat bis gut, aber nicht unbedingt ein Spitzenverdienst – insbesondere in öffentlichen Einrichtungen.
FAQs
Was macht ein Pathologe?
Pathologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Pathologie abgeschlossen. Das medizinische Fachgebiet beschäftigt sich mit krankhaften Zuständen und Vorgängen im Körper. Die Hauptaufgabe eines Pathologen besteht darin, Gewebe-, Zell- und Körperflüssigkeitsproben auf abnorme Veränderungen zu untersuchen, um Krankheiten zu diagnostizieren, eine geeignete Therapie zu finden und den Krankheitsverlauf zu kontrollieren. Vor allem in der Tumortherapie sind ihre Analysen von großer Bedeutung, um eine geeignete Behandlungsmethode festzulegen und den Schweregrad der Erkrankung herauszufinden.
Wie wird man Pathologe?
Um sich als Pathologe bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung in der Pathologie abschließen. Diese umfasst 72 Monate, davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 24 Monate Weiterbildung in Neuropathologie erfolgen und bis zu 12 Monate in anderen medizinischen Fachgebieten abgeleistet werden. Die Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Landesärztekammer befugt sind, dazu gehören hauptsächlich MVZs und Unikliniken.
Wie viel verdient ein Pathologe?
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen, nur die hierarchische Ebene und Berufserfahrung beeinflussen das Einkommen. Im ersten Jahr der Facharztausbildung zum Pathologen kann man mit einem Gehalt von 5.499,85 bis zu 5.626,91 Euro brutto monatlich rechnen, das jedes Jahr steigt. Fertig ausgebildet ist, je nach Land und Erfahrung, ein monatlicher Bruttoverdienst zwischen 7.000 und 8.000 Euro möglich.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Pathologen?
Die Ausbildung zum Facharzt für Pathologie dauert in der Regel 6 Jahre.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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