Was macht ein...?

Was macht ein Pharmakologe?

Von Julia Tech10 Min. Lesezeit
Pharmakologe arbeitet mit Wirkstoffproben im Labor – Was macht ein Pharmakologe/Toxikologe?

Ärztliche Pharmakologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Klinischen Pharmakologie abgeschlossen. Sie arbeiten an klinischen Studien zur Erforschung neuer Medikamente und Therapien und überwachen die Dosierung, Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit neuer Arzneimittel direkt am Patienten. Zudem beraten sie Ärzte und Apotheker und bilden medizinisches Personal in der Pharmakologie aus.

Der Begriff der Pharmakologie hat seinen Ursprung im Altgriechischen. Er setzt sich aus den Begriffen pharmakon (φάρμακον) für Arzneimittel oder Heilmittel sowie logie (λογία) für Lehre oder Wissenschaft zusammen und steht für die Lehre von den Arzneimitteln.

Was zeichnet die Arbeit als Pharmakologe aus?

Klinische Pharmakologen sind Experten für medikamentöse Therapien. Sie beschäftigen sich mit der sicheren Anwendung und Optimierung von Medikamenten. Dafür analysieren sie Wirkmechanismen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen direkt am Patienten, um die bestmögliche Therapie für diesen gewährleisten zu können.

Im Gegensatz zu vielen Ärzten, die täglich im unmittelbaren Patientenkontakt stehen, sind Pharmakologen deutlich weniger in die direkte Behandlung eingebunden. Ein großer Teil ihrer Arbeit ist forschungsorientiert, neben der Betreuung von stationären Patienten verbringen Pharmakologen viel Zeit im Labor und schlagen somit die Brücke zwischen Forschung und klinischer Anwendung.

Worin liegen die Aufgaben eines Pharmakologen?

Zum Gebiet der Pharmakologie zählt die Bundesärztekammer 2 Facharztausbildungen: Die Pharmakologie und Toxikologie sowie die Klinische Pharmakologie. Die Kollegen aus dem Bereich Pharmakologie und Toxikologie beschäftigen sich mehr mit den wissenschaftlichen Grundlagen, Wirkmechanismen und Sicherheitsbewertungen von Substanzen. Fachärzte für Klinische Pharmakologie bilden die Schnittstelle zwischen Labor und Klinik. Sie arbeiten sowohl in Labor und Forschung als auch im direkten Patientenkontakt und sind speziell auf die Anwendung von Medikamenten im klinischen Kontext konzentriert. Ihre Beobachtungen und Studien basieren auf konkreten Patientenbeobachtungen.

Sie überprüfen die Wirksamkeit und Sicherheit der medikamentösen Behandlung im Verlauf der Therapie und unterstützen Ärzte und Patienten bei der Auswahl, Dosierung und Überwachung der Medikation. Sie lösen Probleme mit Unwirksamkeiten oder Wechselwirkungen im Zusammenhang mit Arzneimitteln und entwickeln Strategien zur Vermeidung von Medikationsfehlern.

Darüber hinaus arbeiten sie an klinischen Studien zur Erforschung neuer Medikamente oder Therapiekonzepte mit und schulen medizinisches Fachpersonal und angehende Pharmakologen.

Da Pharmakologen meist im direkten Kontakt mit Patienten und behandelnden Ärzten stehen, können sie am besten beurteilen, welche Forschungsansätze weiterverfolgt werden sollten und welche weniger vielversprechend sind. Basierend auf ihren Erfahrungen beraten sie andere Forscher aus diversen Fachgebieten, zum Beispiel Chemiker, Biochemiker, Molekularbiologen oder Genetiker.

Wo arbeiten Pharmakologen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 355 Fachärzte aus dem Gebiet Pharmakologie – 141 Fachärzte für Pharmakologie und Toxikologie und 209 Ärzte mit der Facharztausbildung Klinische Pharmakologie.

Viele Fachärzte für Klinische Pharmakologie arbeiten in Forschungseinrichtungen und Universitäten.

Ungefähr 70 Pharmakologen sind in Unikliniken und größeren Krankenhäusern angestellt. Viele Universitätskliniken haben eigene Institute oder Abteilungen für Klinische Pharmakologie, die für die Forschung, Lehre und Beratung im Bereich der Arzneimitteltherapie zuständig sind. In vielen Kliniken sind klinische Pharmakologen zudem Mitglieder von Arzneimittelkommissionen, die für die Auswahl und Überwachung der Medikamente zuständig sind, die klinikintern verwendet werden.

Einige Pharmakologen arbeiten in öffentlichen Gesundheits- und Regulierungsbehörden. Dort kümmern sie sich um die Überwachung der Arzneimittelsicherheit, sie entwickeln und überprüfen Zulassungsverfahren und erstellen Risikobewertungen. Man findet sie zum Beispiel in Behörden wie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Zudem kann man sich für eine Laufbahn in der Industrie entscheiden und Pharmaunternehmen wie AstraZeneca oder Bayer dabei unterstützen, neue Medikamente auf den Markt zu bringen.

Wie wird man Pharmakologe?

Um klinischer Pharmakologe zu werden, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Klinische Pharmakologie abschließen. Diese umfasst in Deutschland 5 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland und müssen gegebenenfalls bei der Landesärztekammer erfragt werden. Die fachärztliche Ausbildung kann in befugten Weiterbildungsstätten absolviert werden, dazu zählen hauptsächlich Universitäten und Unikliniken. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung zum Pharmakologen 60 Monate im Gebiet Pharmakologie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon müssen 48 Monate in Klinische Pharmakologie und 12 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden. Bis zu 18 Monate können zum Kompetenzerwerb im Gebiet der Pharmakologie und Toxikologie erfolgen.

Inhalte der Ausbildung sind unter anderem internationale und nationale Normen der Erforschung, Entwicklung und Anwendung von Arzneimitteln, die klinische Prüfung von Arzneimitteln und Medizinprodukten, die Wirkungsanalyse von Arzneimitteln am Menschen, die Bestimmung von Wirkstoffen und Arzneimitteln in Körperflüssigkeiten und Geweben, Arzneimittelsicherheit, Arzneimitteltherapiesicherheit (z. B. das Vorgehen bei Vergiftungen und Überdosierungen), die Bewertung von Arzneimitteln und Leitlinien für die Erstellung einer Therapie.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Um auf dem neusten Stand des Wissens zu bleiben und CME-Punkte zu sammeln, kann man zum Beispiel Fachtagungen besuchen, die regelmäßig von der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie e.V. (DGP) organisiert werden und dem gegenseitigen Austausch dienen. Für das Selbststudium eignet sich zum Beispiel das European Journal of Clinical Pharamcology*.*

Innerhalb der Klinischen Pharmakologie kann man seinen Fokus auf bestimmte Patientengruppen oder Krankheitsbilder legen und sich zum Beispiel auf die pädiatrische oder geriatrische Pharmakologie oder die medikamentöse Therapie bestimmter Krankheitsbilder aus der Onkologie oder Neurologie spezialisieren.

Zudem ist eine Schwerpunktsetzung auf spezifische Forschungsbereiche innerhalb der Klinischen Pharmakologie möglich. Neben der Arzneimittelentwicklung können Pharmakologen zum Beispiel im Gebiet der Pharmakokinetik forschen, das sich mit der Frage beschäftigt, was der Organismus mit einem Medikament macht – also wie es aufgenommen, verteilt, verstoffwechselt und ausgeschieden wird. Oder man legt seinen Fokus auf die Schwesterdisziplin der Pharmakodynamik, die eine andere Perspektive einnimmt und untersucht, welche Wirkung ein Medikament auf den Körper haben kann. Auch Weiterbildungen in der Arzneimitteltherapiesicherheit können wahrgenommen werden.

Pharmakologen können sich auch im Gebiet der Pharmakovigilanz weiterbilden, das sich mit der systematischen Erfassung, Bewertung, Meldung und Prävention von unerwünschten Arzneimittelwirkungen befasst.

Zudem ist es möglich, sich im Gebiet der Arzneimittelzulassung zu spezialisieren und zum Beispiel mit Behörden wie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zusammenzuarbeiten.

Auch Weiterbildungen in der Toxikologie können wahrgenommen werden, um seine Kenntnisse in Bezug auf die schädlichen Auswirkungen von Chemikalien und ihre Risikobewertung zu erweitern.

Aus der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer bieten sich die folgenden Zusatzweiterbildungen an:

  • Infektiologie: Für das Verständnis von Infektionskrankheiten und die Auswahl passender medikamentöser Therapien
  • Ärztliches Qualitätsmanagement: Für die Verbesserung der allgemeinen medizinischen Versorgung und die Erhöhung der Therapiesicherheit
  • Immunologie: Zur Erweiterung des Wissens über das Immunsystem sowie die Entwicklung und Anwendung immunmodulierender Medikamente
  • MRT: Für die Anwendung bildgebender Verfahren zur besseren Einschätzung der Medikamentenwirkung und -verteilung im Körper
  • Naturheilverfahren: Für die Integration alternativer Therapien und die Beurteilung möglicher Wechselwirkungen mit klassischen Medikamenten
  • Ernährungsmedizin: Für die Beurteilung des Einflusses von Ernährung auf Medikation und Genesung
  • Spezielle Schmerztherapie: Für den gezielten und effektiven Einsatz von Schmerzmedikamenten

Wie viel verdient ein Pharmakologe?

Wenn man als Pharmakologe in einer Klinik angestellt ist, gelten der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL). Sie ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung kann man mit einem Einstiegsgehalt von 5.499,85 bis zu 5.626,91 Euro brutto monatlich rechnen, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Klinische Pharmakologen können, je nach Land und Erfahrung, mit einem monatlichen Bruttoverdienst zwischen 7.000 und 8.000 Euro rechnen.

Ärztliche Pharmakologen, die in Behörden wie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) arbeiten, werden nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) entlohnt. Für sie gelten die Entgeltgruppen E14 und E15. Mit einjähriger Berufserfahrung verdient man rund 5.150 Euro brutto pro Monat. Ein Facharzt mit einer Berufserfahrung von 5 Jahren (E14, Stufe 4) hat Anspruch auf ein Entgelt von 6.415 Euro brutto pro Monat. Mit 9 Jahren Berufserfahrung (Entgeltgruppe 15, Stufe 5) kommt man auf ein Monatsbrutto von 8.840 Euro.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Pharmakologie?

Die Zukunftsaussichten der Pharmakologie sind vielversprechend. Die Nachfrage ist gegeben, vor allem die kontinuierlich alternde Bevölkerung macht die stetige Weiterentwicklung der Pharmaindustrie notwendig und wird dafür sorgen, dass es auch in Zukunft genügend Stellenangebote auf dem Markt gibt.

Ein Stichwort für die Zukunft der Pharmakologie ist die Immuntherapie. Dabei geht es um eine Behandlungsform, bei der das körpereigene Immunsystem genutzt wird, um Krankheiten zu bekämpfen. Mithilfe von Medikamenten, Impfstoffen oder anderen Methoden wird das Immunsystem gezielt aktiviert und gestärkt. Im Gebiet der Immuntherapie wurden in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Sie ist eine Therapiemethode, die oft mit weniger Nebenwirkungen als herkömmliche Behandlungen verbunden ist. Für die Zukunft der Pharmakologie hat sie große Bedeutung, weil sie personalisierte und schonendere Behandlungen ermöglicht.

Zudem werden innovative Darreichungsformen eine immer größere Rolle spielen. Statt herkömmlicher Tabletten oder Injektionen werden beispielsweise Nanopartikel verwendet, um Wirkstoffe gezielt an bestimmte Stellen im Körper zu bringen, was die Wirksamkeit erhöht und Nebenwirkungen reduziert. Auch Gentherapeutika, die genetische Informationen nutzen, um Krankheiten zu behandeln, werden immer häufiger eingesetzt. Zudem könnten individualisierte Implantate entwickelt werden, die genau auf die Bedürfnisse eines einzelnen Patienten abgestimmt sind und beispielsweise bei chronischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Wie in allen Bereichen spielt auch die die künstliche Intelligenz eine große Rolle in der Pharmakologie der Zukunft. Sie beschleunigt die Entwicklung neuer Medikamente, indem sie große Datenmengen analysiert und potenzielle Wirkstoffe identifiziert. KI unterstützt dabei, Nebenwirkungen vorherzusagen und optimiert klinische Studien, was die Markteinführung neuer Medikamente beschleunigt.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Pharmakologen?

Der Weg kann sich lohnen. Wenn man zur Verbesserung der Patientenversorgung beitragen möchte, Freude an Forschung hat und gleichzeitig den Kontakt zu Patienten schätzt, ist man in der klinischen Pharmakologie – dem Bindeglied zwischen Labor und Klinik – richtig. Die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften in diesem Bereich ist zudem hoch und die Karrierechancen vielversprechend.

FAQs

Was macht ein Pharmakologe?

Ärztliche Pharmakologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Klinischen Pharmakologie abgeschlossen. Sie arbeiten an klinischen Studien zur Erforschung neuer Medikamente und Therapien und überwachen die Dosierung, Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit neuer Arzneimittel direkt am Patienten. Zudem beraten sie Ärzte und Apotheker und bilden medizinisches Personal in der Pharmakologie aus.

Wie wird man Pharmakologe?

Um klinischer Pharmakologe zu werden, muss man nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Klinische Pharmakologie abschließen. Die Ausbildung kann in befugten Weiterbildungsstätten wie zum Beispiel Universitäten oder Unikliniken absolviert werden.

Wie viel verdient ein Pharmakologe?

Wenn man seine Facharztausbildung in einer Klinik absolviert, kann man im ersten Jahr mit einem Gehalt von 5.499,85 bis zu 5.626,91 Euro brutto monatlich rechnen, das jedes Jahr steigt. Fertig ausgebildet ist, je nach Land und Erfahrung, ein monatlicher Bruttoverdienst zwischen 7.000 und 9.000 Euro möglich. Behörden wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) entlohnen ihre Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Für Ärzte gelten die Entgeltgruppen E14 und E15. Mit einjähriger Berufserfahrung verdient man 5.154 Euro brutto pro Monat, mit 5-jähriger Berufserfahrung (E14, Stufe 4) hat man Anspruch auf ein monatliches Entgelt von 6.415 Euro brutto. Nach 9 Jahren Berufserfahrung (Entgeltgruppe 15, Stufe 5) kommt man auf ein Monatsbrutto von 8.840 Euro.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Pharmakologen?

Die Ausbildung zum Facharzt für Klinische Pharmakologie nimmt in der Regel 5 Jahre in Anspruch.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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