Was macht ein...?

Was macht ein Physiologe?

Von Julia Tech8 Min. Lesezeit
Physiologe bei Leistungstest im Labor – Was macht ein Physiologe?

Physiologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Physiologie abgeschlossen. Sie erforschen die physikalischen und biochemischen Vorgänge im menschlichen Körper, das heißt, wie Organe, Zellen, Gewebe und Systeme physikalisch und chemisch zusammenarbeiten, damit wir leben, wachsen und uns bewegen können.

Was zeichnet die Arbeit als Physiologe aus?

Fachärzte für Physiologie arbeiten nicht im direkten Patientenkontakt. Sie betreiben Grundlagenforschung im Gebiet der Physiologie – das heißt, sie untersuchen zum Beispiel, wie die Lunge Sauerstoff aufnimmt und Kohlenstoffdioxid abgibt, wie die Nieren den Körper von Abfallstoffen befreien, wie das Nervensystem Signale sendet, um Bewegungen und Gefühle zu steuern und welche Aufgaben Hormone im Körper übernehmen. Kurz gesagt versuchen sie, die grundlegenden Mechanismen eines lebenden Organismus und ihre Wechselwirkungen zu erklären – vom Molekül bis zum Organ. Physiologen sind die Mediziner mit dem größten Überblick – sie wissen, was im Körper wie zusammenhängt.

Worin liegen die Aufgaben eines Physiologen?

Fachärzte für Physiologie untersuchen die physiologischen Prozesse auf zellulärer, organischer und systemischer Ebene, um die Funktionsweise des Körpers besser zu verstehen. Sie entwickeln Studien, um Krankheitsmechanismen zu erforschen, die auf physiologischen Abweichungen beruhen (z. B. Hypertonie oder Insulinresistenz) und arbeiten an neuen Behandlungsmethoden. Sie sind häufig an interdisziplinären Forschungsprojekten beteiligt, erstellen auf Basis von Forschungsergebnissen wissenschaftliche Modelle (z. B. zum Stoffwechsel, Kreislauf, oder zu neurologischen Prozessen) und evaluieren diese.

Zudem unterstützen sie bei der Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren und Geräte, die für physiologische Messungen eingesetzt werden, dazu gehören zum Beispiel Lungenfunktionstests, Langzeitblutdruckmessungen, Elektroenzephalogramme (EEG), Elektrokardiogramme (EKG) oder Spezialmessungen zur Funktionsanalyse von Organen.

Weil Physiologen über ein so umfangreiches medizinisches Wissen verfügen, beraten sie Ärzte aus verschiedenen Disziplinen bei der Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Patienten, insbesondere in Bereichen wie Rehabilitationsmedizin, Sportmedizin, Kardiologie oder Neurologie. Sie leisten zum Beispiel diagnostische Unterstützung bei der Analyse von physiologischen Messungen (z. B. Herz-Kreislauf-Funktion oder Lungenfunktion) und wirken an der Entwicklung von Rehabilitationsprogrammen oder Trainingsplänen mit.

Fachärzte für Physiologe arbeiten in der sogenannten Translationalen Medizin (Übersetzende Medizin), gerne auch Bench-to-Bedside-Medizin (vom Labor zum Patientenbett) genannt. Das heißt, sie bilden die Schnittstelle zwischen Forschung und medizinischer Praxis und tragen dazu bei, dass wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Labor direkt in den Klinikalltag übertragen werden.

Neben ihrer eigenen Forschungsarbeit sind sie häufig auch in der Lehre und Ausbildung tätig und vermitteln physiologisches Wissen an Medizinstudenten oder Studenten der Biologie. Die Physiologie ist ein Teil des vorklinischen Studienabschnitts im Medizinstudium und kann von Physiologen unterrichtet werden. Aber auch für andere Ärzte bieten sie Fortbildungen, Seminare oder Schulungen an, damit diese ihr Wissen über bestimmte Körperfunktionen vertiefen können.

Wo arbeiten Physiologen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter nur 87 Fachärzte für Physiologie.

Der größte Teil unter ihnen arbeitet in Universitätskliniken, an Hochschulinstituten, in Forschungsinstituten oder größeren Krankenhäusern mit Forschungsabteilungen. Auch Behörden, die sich mit Gesundheitsfragen oder Arbeitsmedizin befassen, beschäftigen Fachärzte für Physiologie. Zudem finden sie in der Industrie Stellenangebote, denn auch die Pharmabranche hat Interesse an ausgebildeten Fachärzten für Physiologie, die Medikamente bezüglich ihres Wirkspektrums und der möglichen Nebenwirkungen untersuchen.

Die Physiologie gehört – neben der Biochemie auf Platz 1 und der Anatomie auf Platz 2 – zu den medizinischen Fachgebieten mit den wenigsten Fachärzten. Das hat mehrere Gründe:

  • Fokus auf Forschung: Die Facharztausbildung in Physiologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die in der Forschung und Lehre verankert ist. Viele Ärzte bevorzugen klinisch orientierte Facharztausbildungen, die in der direkten Patientenversorgung Anwendung finden.
  • Arbeitsmarkt-Situation: Im Vergleich zu anderen klinischen Fachrichtungen gibt es deutlich weniger Stellenangebote.
  • Die Physiologie als Grundlagenwissenschaft: Die Physiologie wird häufig mit dem Basis-Know-How in Verbindung gebracht, das im Rahmen der allgemeinen medizinischen Ausbildung vermittelt wird. Die Möglichkeit, eine eigenständige Facharztausbildung in der Physiologie zu absolvieren, ist weniger bekannt und etabliert.
  • Interdisziplinarität: Die Physiologie überschneidet sich mit vielen anderen medizinischen Disziplinen. Ärzte, die sich für physiologische Themen interessieren, wählen oft Spezialisierungen wie die Endokrinologie oder Kardiologie.

Wie wird man Physiologe?

Um sich als Physiologe bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Bereich Physiologe abschließen. Diese umfasst in Deutschland 4 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland

Gemäß der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer umfasst die Facharztausbildung 48 Monate Ausbildung in Physiologie an befugten Weiterbildungsstätten, davon können zum Kompetenzerwerb und zur Schwerpunktsetzung bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten abgeleistet werden.

Die Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen hauptsächlich Universitätskliniken und Physiologieinstitute an Hochschulen. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Die Physiologie ist ein sehr weit gefächertes Fachgebiet. Spezialisierungen sind in den folgenden Bereichen möglich:

  • Vegetative Physiologie: Dieser Bereich umfasst die Funktionsweise von Herz, Kreislauf, Blut, Atmung, Stoffwechsel, Energiehaushalt, Wärmehaushalt, Elektrolyt- und Wasserhaushalt sowie Verdauung
  • Neurophysiologie: Hier liegt der Fokus auf der Funktionsweise des Nervensystems
  • Zelluläre Pathophysiologie: Dieser Bereich untersucht die zellulären Grundlagen von Krankheiten, wobei sowohl anatomische als auch biochemische, molekularbiologische und pharmakologische Aspekte berücksichtigt werden
  • Elektrophysiologie: Hier konzentriert man sich auf die elektrischen Eigenschaften von Nerven- und Muskelzellen
  • Leistungsphysiologie: In diesem Teilgebiet wird die körperliche Leistungs- und Anpassungsfähigkeit bei Belastungen untersucht
  • Herz-Kreislauf-Physiologie: Diese Spezialisierung befasst sich mit der Funktionsweise des Herz-Kreislauf-Systems, einschließlich der Regulation des Blutdrucks, der Herzfrequenz und des Blutflusses
  • Atmungsphysiologie: Hier liegt der Fokus auf der Regulation der Atmung, des Gasaustauschs und des Säure-Basen-Haushalts
  • Stoffwechselphysiologie: Diese Spezialisierung befasst sich mit den Stoffwechselprozessen im Körper, einschließlich der Regulation des Energiehaushalts, des Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsels

Die Deutsche Physiologische Gesellschaft (DPG) organisiert jährliche Tagungen mit Vorträgen, Symposien und Postersitzungen zum wissenschaftlichen Austausch. Für das Selbststudium bietet sich ihre wissenschaftliche Zeitschrift European Journal of Physiology an.

Wie viel verdient ein Physiologe?

Viele Physiologen arbeiten in Universitätskliniken, deren Gehälter über den Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) geregelt sind. Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Als fertig ausgebildeter Facharzt erhält man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Physiologie?

Die Zukunftsperspektiven der Physiologie sind vielversprechend, da sich das Fachgebiet ständig weiterentwickelt und eine zentrale Rolle in der Medizin und Gesundheitsforschung spielt. Mit Fortschritten im Bereich Molekularbiologie, Genetik und Bildgebung eröffnen sich neue Möglichkeiten, um die komplexen Abläufe im menschlichen Körper noch besser zu verstehen. Dadurch können individuelle Therapien entwickelt werden, die genau auf die Bedürfnisse jedes Patienten zugeschnitten sind. Auch die Integration von künstlicher Intelligenz und Big Data in die Forschung verspricht, die Diagnostik und Therapie weiter zu optimieren. Eine neuere Entwicklung ist zudem die Untersuchung der Auswirkungen von Weltraumbedingungen auf den menschlichen Körper, was zum Beispiel Stellenangebote beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt eröffnet.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Physiologen?

Der Weg kann sich lohnen – vor allem für Ärzte, die an einem Beruf in der Forschung interessiert sind und gerne auf den direkten Patientenkontakt verzichten. Mit nur 4 Jahren gehört die Physiologie zudem zu den kürzesten Facharztausbildungen. Die Physiologie bildet die Grundlage für alle anderen medizinischen Fachgebiete, da sie ein tiefes Verständnis für das Zusammenwirken aller Körperfunktionen vermittelt und somit diverse Fortbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten bereithält.

FAQs

Was macht ein Physiologe?

Physiologen haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in der Physiologie abgeschlossen. Sie erforschen die physikalischen und biochemischen Vorgänge im menschlichen Körper, das heißt, wie Organe, Zellen, Gewebe und Systeme physikalisch und chemisch zusammenarbeiten, damit wir leben, wachsen und uns bewegen können. Physiologen führen Studien durch, um Krankheitsmechanismen zu erforschen, die auf physiologischen Abweichungen beruhen und wirken an der Entwicklung neuer Therapiemethoden oder diagnostischer Verfahren und Geräte für physiologische Messungen mit. Darüber hinaus beraten sie Ärzte aus verschiedenen Fachbereichen und sind in der Lehre tätig.

Wie wird man Physiologe?

Um sich als Physiologe bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung in Physiologie abschließen. Diese kann hauptsächlich in Universitätskliniken oder Physiologieinstituten an Hochschulen abgeschlossen werden und umfasst, gemäß der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, 48 Monate Ausbildung in Physiologie an befugten Weiterbildungsstätten, davon können zum Kompetenzerwerb und zur Schwerpunktsetzung bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten abgeleistet werden.

Wie viel verdient ein Physiologe?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Physiologen?

Die Ausbildung zum Facharzt für Physiologie dauert in der Regel 4 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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