Proktologen sind ausgebildete Fachärzte, die eine Zusatzweiterbildung in Proktologie absolviert haben. Die Proktologie ist ein spezialisierter Bereich der Viszeralchirurgie. Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Proktologie sind spezialisiert auf die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen im Bereich des Enddarms und des Afters: „Proktós“ ist griechisch und bedeutet After, „Kólon“ steht für den Darm. Als Proktologe behandelt man zum Beispiel Hämorrhoiden oder Analfissuren.
Was zeichnet die Arbeit als Proktologe aus?
Proktologen sind Profis im Bereich des unteren Verdauungstrakts. Ihre Arbeit ist vielfältig und umfasst sowohl konservative Behandlungen, minimal-invasive Eingriffe als auch größere Operationen: Proktologen verschreiben Salben, Zäpfchen, Sitzbäder und beraten bezüglich Änderungen im Lebensstil für die Behandlung von Hämorrhoiden oder entfernen im Rahmen eines großen Eingriffs Rektumkarzinome (Enddarmkrebs) mit anschließender Wiederzusammenführung der beiden Darmenden (Anastomose). Ein besonders wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist die sensible Betreuung und Aufklärung der Patienten, da viele Erkrankungen im Analbereich mit Scham verbunden sind.
Worin liegen die Aufgaben eines Proktologen?
Proktologen diagnostizieren und behandeln Erkrankungen im After und Enddarm unter Einbezug des angrenzenden Gewebes, dazu zählen hauptsächlich:
- Hämorrhoiden
- Analfissuren
- Analekzeme
- Analfisteln
- Analabszesse
- Analpolypen
- Analkarzinome (Tumore)
- Marisken (Hautfalten am After)
- Rektumprolaps (Austreten von Teilen des Darms aus dem Anus)
- Proctalgia Fugax (Krampfartige Schmerzzustände im Analbereich und Mastdarm)
- Bakterielle oder virale Infektionen an After oder Enddarm
- Reizdarmsyndrom
- Darmverschluss (Ileus)
- Stuhlinkontinenz
- Dermatologische Erkrankungen wie Streptokokken-Dermatitis oder Mykosen
Für die Diagnose bedient sich der Proktologe unterschiedlicher Methoden:
- Rektale Untersuchung: Abtastung des Enddarms, um Verhärtungen zu identifizieren
- Koloskopie (Darmspiegelung): Untersuchung des Dickdarms durch Einführung eines Koloskops (Schlauch mit Licht und Kamera) in den After
- Laparoskopie: Minimal-invasive Technik, bei der kleine Schnitte im Bauchraum vorgenommen werden, durch die ein Laparoskop (dünner Schlauch mit Licht und Kamera) eingeführt wird – angewendet für Diagnose und während Operationen
- Bildgebende Verfahren: Endorektale Sonographie (Ultraschall) oder MRT (Magnetresonanztomographie) für die Untersuchung tieferliegender Strukturen
- Laboruntersuchungen: Bluttests oder Stuhlproben zur Diagnose von Entzündungen, Infektionen oder Blutungen
Wo arbeiten Proktologen?
Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 2.561 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Proktologie, davon waren 2.224 berufstätig. Sie arbeiten:
- In Krankenhäuser oder Universitätskliniken: Mehr als die Hälfte aller berufstätigen Proktologen arbeitet stationär. Sie sind in gastroenterologischen Abteilungen tätig, die auf Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts spezialisiert sind. Andere arbeiten in allgemeinchirurgischen oder viszeralchirurgischen Abteilungen und führen spezielle Operationen im Enddarmbereich durch.
- In spezialisierten Arztpraxen oder proktologischen Zentren: In spezialisierten Praxen werden weniger invasive Behandlungen durchgeführt. Dort liegt der Fokus auf einer engen Patientenbetreuung – insbesondere bei Patienten mit chronischen Beschwerden.
Wie wird man Proktologe?
Die Weiterbildung zum Proktologen ist eine Zusatzweiterbildung – Man kann sich zum Proktologen weiterbilden, wenn man ein bestandenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung in einem der folgenden Gebiete nachweisen kann:
- Allgemeinmedizin
- Allgemeinchirurgie
- Frauenheilkunde und Geburtshilfe
- Haut- und Geschlechtskrankheiten
- Innere Medizin
- Innere Medizin und Gastroenterologie
- Kinder- und Jugendchirurgie
- Urologie
- Viszeralchirurgie
Am häufigsten entscheiden sich Fachärzte der Allgemeinmedizin, Inneren Medizin oder der (Viszeral-) Chirurgie für die Zusatzweiterbildung zum Proktologen. Sie sind bereits mit der Arbeit im Bereich der Bauch- und Beckenregion vertraut und spezialisieren sich über die Weiterbildung in der Proktologie auf Erkrankungen im Anal- und Rektumbereich.
Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland und müssen bei der zuständigen Ärztekammer erfragt werden.
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein müssen für den Erhalt der Zusatzbezeichnung Proktologie mindestens 12 Monate Weiterbildungszeit in Kliniken oder Facharztzentren absolviert werden, die auf Proktologie spezialisiert und von der zuständigen Ärztekammer anerkannt sind. Die Weiterbildung umfasst theoretische Schulungen, praktische Erfahrungen und die Teilnahme an Behandlungen. Theoretische Kurse zur Weiterbildung in der Proktologie werden von Universitäten, Fachkliniken oder Fachgesellschaften angeboten.
Genauere Informationen und Angebote zu Seminaren und Schulungen findet man auf den Webseiten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) sowie des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschland e.V.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Ärzte stetig fortbilden und dies nachweisen müssen: Nach 5 Jahren ist der Nachweis einer bestimmten Anzahl Fortbildungspunkte erforderlich – die genau Zahl variiert je nach Bundesland. Für diese CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) ist eine Vielzahl von Fortbildungsformaten durch die Ärztekammer oder befugte Fachgesellschaften anerkannt: Zertifizierte Online-Kurse, Fachzeitschriften, Workshops, Seminare, Kongresse, Fachtagungen, Hospitationen, Qualitätszirkel oder auch Fallkonferenzen.
Wissenschaftliche Fachzeitschriften wie zum Beispiel die interdisziplinäre deutschsprachige Coloproctology ist für alle proktologisch tätigen Ärzte zur Weiterbildung unentbehrlich.
Online-Plattformen wie das Forum Medizin Fortbildung (FOFM) oder Medixum, die Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags, bieten diverse Fort- und Weiterbildungskurse an.
Wie viel verdient ein Proktologe?
Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Proktologie wird stark davon beeinflusst, ob er seine eigene Praxis führt oder in einer Praxis angestellt ist und in welchem medizinischen Fachbereich diese Praxis arbeitet – im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Ist man als Facharzt in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.
Mit der Zusatzbezeichnung Proktologie wird das eigene Arztprofil jedoch um einiges attraktiver, was zur Bevorzugung in Bewerbungsprozessen führen kann. Übernimmt man mit seinen proktologischen Kompetenzen zusätzliche Verantwortung, in dem man beispielsweise eine Proktologie-Sprechstunde führt oder sich anderen fachspezifischen Aufgaben widmet, kann man, je nach Vereinbarung, von Zulangen oder Höhergruppierungen profitieren.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Proktologie?
Viele Jahre lang galt die Proktologie lediglich als medizinische Randdisziplin. Proktologische Therapien gingen meist nicht über den Einsatz von Salben und gewisse Standardoperationsverfahren hinaus. Im Rahmen der Zertifizierung von Einrichtungen und der Festlegung proktologischer Inhalte in den einzelnen Facharztweiterbildungen, wurde die Proktologie immer mehr als eigene Fachdisziplin wahrgenommen. Im Jahr 2004 führte die Bundesärztekammer (BÄK) offiziell die Zusatzweiterbildung Proktologie ein. Zum proktologischen Behandlungsspektrum gehört heute weit mehr als die Behandlung von Hämorrhoiden oder Fissuren – die Nachfrage nach Fachärzten mit proktologischer Spezialisierung ist hoch. Mit neuen modernen Behandlungsverfahren – wie der Lasertherapie zur minimal-invasiven Behandlung von Hämorrhoiden und Analfisteln oder der Sakralen Neuromodulation (SNS) zur Behandlung von Stuhlinkontinenz durch Stimulation der Sakralnerven mit Hilfe eines implantierten Geräts – ist die Proktologie heute eine eigenständige, komplexe Disziplin, die sich stetig weiterentwickelt.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Proktologen?
Die Weiterbildung zum Proktologen kann sich lohnen. Mit der Zusatzqualifikation Proktologie ist man einer der wenigen Profis im Bereich des unteren Verdauungstrakts und verfügt über stark gefragte Kompetenzen. Mit der Zusatzbezeichnung Proktologie wird das eigene Arztprofil um einiges attraktiver und man hat – angesichts der hohen Nachfrage nach proktologischen Fachkräften – die Chance, in Bewerbungsprozessen bevorzugt zu werden. Zudem kann man mit einer proktologischen Spezialisierung zusätzliche fachspezifische Aufgaben übernehmen, die Zulangen oder Höhengruppierungen einbringen können.
FAQs
Was macht ein Proktologe?
Proktologen sind ausgebildete Fachärzte, die eine Weiterbildung im Bereich der Proktologie absolviert haben, oftmals kommen sie aus dem Bereich Chirurgie, Innere Medizin und Gastroenterologie. Als Proktologe ist man spezialisiert auf Erkrankungen des unteren Verdauungstraktes – also Enddarm und After – und behandelt zum Beispiel Hämorrhoiden, Analfissuren oder Darmverschluss.
Wie wird man Proktologe?
Um als Arzt die Zusatzbezeichnung Proktologie zu erhalten, muss man eine Zusatzweiterbildung in der Proktologie absolvieren. Voraussetzung dafür ist eine Facharztausbildung in festgelegten Bereichen. Die Weiterbildung umfasst mindestens 12 Monate in Kliniken oder Facharztzentren, die auf Proktologie spezialisiert und von der zuständigen Ärztekammer anerkannt sind. Sie umfasst theoretische Schulungen und die Teilnahme an Behandlungen. Genauere Informationen und mögliche Angebote findet man auf den Webseiten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) sowie des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschland e.V.
Wie viel verdient ein Proktologe?
Das Gehalt als Arzt mit der Zusatzbezeichnung Proktologie hängt davon ab, welche Facharztausbildung man absolviert hat, ob man in einer Klinik oder Praxis eingestellt ist, an welchem Ort diese niedergelassen ist und wieviel Berufserfahrung man nachweisen kann. Als Facharzt in einer Uniklinik erhält man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Proktologen?
Um die Zusatzbezeichnung Proktologie zu erlangen, ist eine Mindestweiterbildungszeit von 12 Monaten in proktologisch spezialisierten Kliniken oder Facharztzentren vorgeschrieben.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
Alle Artikel von Julia →



