Was macht ein...?

Was macht ein Reha-Arzt?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
Reha-Arzt begleitet Patienten bei Übungen – Was macht ein Reha-Arzt?

Reha-Ärzte haben nach ihrem Medizinstudium die Facharztausbildung Physikalische und Rehabilitative Medizin absolviert. Es gibt verschiedene Formen der Rehabilitation – zum Beispiel die orthopädische Reha, die kardiologische Reha oder die geriatrische Reha. Für alle Rehabilitationsschwerpunkte gibt es spezialisierte Kliniken und Praxen. Als Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin kann man in jeder dieser Institutionen arbeiten und mit seinen Fachkompetenzen im Team von Rehabilitationsexperten mitwirken.

Was zeichnet die Arbeit als Reha-Arzt aus?

Reha-Ärzte betreuen Menschen, die sich körperlich und geistig von einer schweren Krankheit, wie einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs erholen. Zudem helfen sie Menschen nach Eingriffen wie Hüftoperationen wieder auf die Beine zu kommen. Auch Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Atemwegerkrankungen finden den Weg in eine Rehaklinik, um den eigenen Zustand zu stabilisieren und Methoden zu finden, die Lebensqualität nachhaltig zu erhöhen.

Reha-Ärzte sind nicht auf eine konkrete Körperregion oder ein Organ spezialisiert, sie arbeiten ganzheitlich und beziehen nicht nur Körper, sondern auch psychosoziale Aspekte wie die soziale und berufliche Wiedereingliederung (vor allem in der beruflich-medizinischen Reha) mit ein. Als Reha-Arzt ist man Teil eines multidisziplinären Teams aus Physiotherapeuten, Psychologen, Fachärzten, Sozialarbeitern oder Berufsberatern, die gemeinsam mit den Patienten arbeiten. Reha-Ärzte sind angesichts der Weitläufigkeit des Fachgebiets richtige Organisationstalente, da sie die Behandlung und Genesung ihrer Patienten unter Einbezug aller Faktoren und Fachgebiete koordinieren.

PRM-Fachärzte sind zuständig für die Frührehabilitation (im Akut-Krankenhaus), die postakute Rehabilitation (in Reha-Kliniken) und die Langzeit-Rehabilitation im ambulanten Rahmen.

Worin liegen die Aufgaben eines Reha-Arztes?

Zur Physikalischen und Rehabilitativen Medizin gehören die Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie von Struktur- und Funktionsstörungen sowie allen anderen körperlichen Beeinträchtigungen mit konservativen, manuellen, physikalischen und naturheilkundlichen Methoden, die das seelische Wohl und die allgemeine Pflege des Patienten miteinbeziehen.

Der Reha-Arzt ist zuständig für die medizinische Steuerung der Rehabilitation, er berät die Patienten individuell und koordiniert das Team von Fachkräften.

Zu seinen Aufgaben gehören vor allem:

  • Begutachtung und Diagnosestellung: Der Reha-Arzt beurteilt den gesundheitlichen Zustand eines Patienten und ermittelt den individuellen Reha-Bedarf
  • Festlegung eines Rehabilitationsplans: Gemeinsam mit dem interdisziplinären Team entwickelt er einen individuellen Behandlungsplan, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt ist
  • Medizinische Behandlung: Der Reha-Arzt steuert und prüft die medizinischen Maßnahmen wie Medikation und angeordnete Therapien und passt die Behandlung an den Fortschritt und die aktuellen Bedürfnisse des Patienten an
  • Beratung: Er berät die Patienten in Bezug auf ihre Erkrankungen und gibt Empfehlungen für den Alltag und die Rückkehr ins Berufsleben. Reha-Ärzte entscheiden über eventuelle Reha-Verlängerungen und erstellen zum Ende der Rehabilitation einen Entlassungsplan, der die nächsten Schritte wie die berufliche und gesellschaftliche Wiedereingliederung sowie weiterführende Therapien festlegt. Zudem beurteilt er die Arbeitsfähigkeit des Patienten und entscheidet bei Fragen bezüglich Erwerbsminderung und Pflegebedürftigkeit

Das Fachgebiet ist sehr breit gefächert. Deshalb definieren viele Kliniken und Praxen für Physikalische und Rehabilitative Medizin eigene Behandlungsschwerpunkte, dazu gehören

  • Orthopädische Rehabilitation (Schwerpunkt auf Erkrankungen des Bewegungsapparats)
  • Neurologische Rehabilitation (Schwerpunkt auf Erkrankungen des Nervensystems)
  • Kardiologische Rehabilitation (Schwerpunkt auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems)
  • Pulmonale Reha (Schwerpunkt auf Erkrankungen der Lunge)
  • Psychosomatische Reha (Schwerpunkt auf psychologischen Störungsbildern in Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen)
  • Sucht-Reha (Schwerpunkt auf Abhängigkeitserkrankungen)
  • Beruflich-medizinische Reha (Schwerpunkt auf berufliche Wiedereingliederung)
  • Geriatrische Reha (Schwerpunkt auf die Behandlung von älteren Menschen)
  • Kinder- und Jugendrehabilitation (Schwerpunkt auf Erkrankungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen)

Wo arbeiten Reha-Ärzte?

Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 1.879 Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Sie arbeiten:

  • Stationär: Mehr als die Hälfte der PRM-Ärzte arbeitet in Rehabilitationskliniken oder Krankenhäusern mit speziellen Reha-Abteilungen
  • Ambulant: Die andere Hälfte arbeitet in speziellen Praxen für Rehabilitation oder in ambulanten Reha-Zentren
  • In der Forschung: Einige Reha-Ärzte sind zusätzlich in der medizinischen Forschung in Kliniken und Universitäten tätig, um neue Therapien zu entwickeln und angehende Reha-Ärzte auszubilden

Wie wird man Reha-Arzt?

Um sich Reha-Arzt bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), eine Facharztausbildung im Gebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin absolvieren. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein dauert die Ausbildung zum Reha-Arzt 60 Monate. Diese 5 Jahre umfassen:

  • 60 Monate Ausbildung in der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten, davon
  • 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder Neurochirurgie
  • 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder Neurologie

Die Facharztausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich ambulante Praxen und Reha-Kliniken.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt kann, um sich befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Zur Fortbildung können die Arbeitskreise der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (DEGEMED) genutzt werden. Für das Selbststudium empfiehlt sich die von der DEGEMED publizierten wissenschaftliche Fachzeitschrift Die Rehabilitation.

Die Physikalische und Rehabilitative Medizin ist ein komplexes Fachgebiet, das vielfältige Spezialisierungsmöglichkeit bietet. So kann man seinen Schwerpunkt als Reha-Arzt beispielsweise auf die Innere Medizin legen und sich auf internistische Erkrankungen und deren Rehabilitation spezialisieren. Oder man legt seinen Fokus auf die Orthopädie und Unfallchirurgie und kümmert sich hauptsächlich um die Rehabilitation nach Knochenbrüchen oder Operationen am Bewegungsapparat. Zudem ist es möglich, sich auf die Neurologie zu fokusseren, dabei stehen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Parkinson im Mittelpunkt.

Darüber hinaus bieten sich je nach Interesse und Schwerpunkt der Reha-Einrichtung zahlreiche Weiterbildungen an, um gewisse Zusatzbezeichnungen zu erwerben:

  • Betriebsmedizin (Therapie von Berufskrankheiten, Arbeitsschutz und Wiedereingliederung)
  • Geriatrie (Behandlung von altersbedingten Erkrankungen und Funktionserhalt im Alter)
  • Balneologie und Medizinische Klimatologie (Therapie mit Heilwassern wie Thermalquellen)
  • Ernährungsmedizin (Ernährungstherapien, vor allem bei Diabetes)
  • Manuelle Medizin (Techniken zur Therapie von Funktionsstörungen in Muskeln und Skelett)
  • Naturheilverfahren (Alternative Therapien wie Homöopathie oder Akupunktur)
  • Orthopädische Rheumatologe (Diagnostik, Funktionserhaltung und Schmerzmanagement)
  • Physikalische Therapie (Vertiefung typischer Reha-Maßnahmen wie Elektrotherapie)
  • Rehabilitationswesen (Vertiefung in der Organisation von Reha-Systemen)
  • Sportmedizin (Sporttherapien zur Verbesserung von Mobilität, Kraft und Wohlbefinden)
  • Spezielle Schmerztherapie (Diagnostik chronischer Schmerzen und multimodale Therapien)

Wie viel verdient ein Reha-Arzt?

Das konkrete Gehalt eines Reha-Arztes ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Dem Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) kann man entnehmen, dass man im ersten Jahr der Facharztausbildung auf ein Einstiegsgehalt von ca. 5.500 Euro brutto pro Monat kommt, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. So kann man als Facharzt im 4. Jahr mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 7.867,55 Euro rechnen.

Viele Reha-Kliniken wie die Median-, die Helios, oder die Asklepios-Kliniken werden von privaten Trägern betrieben, das heißt, sie zahlen individuelle Löhne. Diese orientieren sich jedoch stark an den gängigen Tarifverträgen.

Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.

Im Durchschnitt erwirtschaftet eine Facharztpraxis einen jährlichen Reinertrag von 300.000 Euro. Der Reinertrag ist die Differenz zwischen den Einnahmen und den Betriebsausgaben und stellt noch nicht das Nettoeinkommen des Praxisinhabers dar. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Kammerbeiträgen, Beiträgen zum Versorgungswerk, privater Altersvorsorge sowie eventuellen Kreditraten für die Praxisübernahme bleiben dem Inhaber pro Monat schätzungsweise 7.500 Euro netto.

Welche Zukunftsperspektiven haben die Physikalische und Rehabilitative Medizin?

Auch im Bereich der Rehabilitation wird die Medizin immer personalisierter: Genetische, biomarkerbasierte und digitale Daten optimieren die Behandlung und unterstützen beim Erstellen individueller Therapiepläne.

Entwicklungen in der Technik erweitern das Gebiet: In unterversorgten Regionen nutzen viele Patienten bereits Formen der Tele-Rehabilitation – Plattformen wie Doctolib ermöglichen Videokonferenzen mit Ärzten und erleichtern den digitalen Austausch von Dokumenten. Zudem tragen einige Patienten Wearables und Sensoren, die eine kontinuierliche Überwachung des Heilungsprozesses ermöglichen. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) deuten neue Therapiekonzepte der Zukunft an.

Der allgemeine Trend geht hin zum Ausbau von Interdisziplinären Ansätzen. Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern soll enger werden und ganzheitliche Behandlungskonzepte stärker im Fokus stehen.

An Stellenangeboten wird es angehenden Reha-Ärzten auch in Zukunft nicht mangeln: Die Bevölkerung wird immer älter und das Alter ist häufig mit chronischen Erkrankungen und Mobilitätseinschränkungen verbunden.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Reha-Arzt?

Der Weg zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin lohnt sich. Der Fachbereich ist sehr weitreichend und der Alltag damit sehr abwechslungsreich. Wer die Arbeit im Team schätzt, ist in diesem Beruf genau richtig: Für die erfolgreiche Koordination einer Rehabilitation ist die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften wie Physiotherapeuten und Psychologen unerlässlich.

Dem Reha-Arzt stehen sehr viele Fortbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten offen. Zusatzbezeichnungen wie Betriebsmedizin oder Orthopädische Rheumatologe können sich positiv auf Reputation und Gehalt auswirken.

Reha-Ärzte leisten einen entscheidenden Beitrag zur Prävention von Krankheiten und tragen somit zur Entlastung des Gesundheitssystems bei. Gleichzeitig freuen sie sich über geregelte Arbeitszeiten, die eine ausgeglichene Work-Live-Balance ermöglichen.

FAQs

Was macht ein Reha-Arzt?

Reha-Ärzte haben nach ihrem Medizinstudium eine Facharztausbildung in Physikalischer und Rehabilitativer Medizin absolviert. Sie betreuen Menschen bei der Erholung von schweren Krankheiten, helfen nach großen Eingriffen wieder auf die Beine zu kommen und behandeln Patienten mit chronischen Erkrankungen. Sie stellen Diagnosen, erstellen Reha-Pläne und beraten bezüglich Genesung und Wiedereingliederung. Zudem beurteilen sie die Arbeitsfähigkeit des Patienten und entscheiden hinsichtlich Erwerbsminderung und Pflegebedürftigkeit.

Wie wird man Reha-Arzt?

Um sich als Reha-Arzt bezeichnen zu dürfen, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Gebiet Physikalische und Rehabilitative Medizin absolvieren. Diese umfasst 60 Monate Ausbildung an befugten Weiterbildungsstätten, davon 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Chirurgie und/oder Neurochirurgie sowie 12 Monate in der stationären Akutversorgung im Gebiet Innere Medizin und/oder Neurologie.

Wie viel verdient ein Reha-Arzt?

Das konkrete Gehalt eines Reha-Arztes ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Dem Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) kann man entnehmen, dass man im ersten Jahr der Facharztausbildung auf ein Einstiegsgehalt von ca. 5.500 Euro brutto pro Monat kommt, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Mit 4 Jahren Erfahrung als Facharzt kann man mit einem Verdienst von 7.867,55 Euro rechnen. In privater Praxis bleiben dem Inhaber am Ende des Monats schätzungsweise 7.500 Euro netto.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Reha-Arzt?

Die Ausbildung zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin dauert in der Regel 5 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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