Was macht ein...?

Was macht ein Schmerzmediziner?

Von Julia Tech8 Min. Lesezeit
Schmerzmediziner im Gespräch mit Schmerzpatient – Was macht ein Schmerzmediziner?

Schmerzmediziner sind Ärzte, die aufbauend auf ihrer Fachausbildung eine Zusatzweiterbildung in Spezieller Schmerztherapie absolviert haben. Sie behandeln chronisch schmerzkranke Patienten, bei denen der Schmerz seine Warnfunktion verloren und einen selbstständigen Krankheitswert erlangt hat.

Was zeichnet die Arbeit als Schmerzmediziner aus?

Etwa 17% aller Deutschen sind von chronischen Schmerzen geplagt, die erhebliche Auswirkungen auf ihre Lebensqualität haben können. Bei vielen von ihnen steht der ursprüngliche Auslöser des Schmerzes gar nicht mehr im Vordergrund, der Schmerz selbst ist zur Erkrankung geworden: Halten spezifische Schmerzen trotz durchgeführter Behandlung länger als 3 Monate an, werden sie als chronisch und unabhängig von ihrer ursprünglichen Warnfunktion klassifiziert.

In diesem Fall kommt ein Schmerzmediziner zum Einsatz. Nach ausführlicher Anamnese und Untersuchung stellt er einen breitgefächerten Therapieplan auf, um den Leidensdruck des Patienten zu mildern. Seine Ansätze sind meist multidisziplinär und erfordern eine enge Zusammenarbeit mit anderen Ärzten und Fachkräften wie Neurologen, Orthopäden, Rheumatologen, Anästhesisten, Psychotherapeuten und Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder auch Palliativmedizinern.

Worin liegen die Aufgaben eines Schmerzmediziners?

Die erste Aufgabe eines Schmerzmediziners liegt in der Diagnostik, dafür erhebt er beispielsweise eine bio-psycho-soziale Schmerzanamnese, die neben körperlichen Symptomen auch das seelische Befinden und die allgemeine Lebenssituation des Patienten miteinbezieht. Er nutzt standardisierte Testverfahren und Fragebögen und führt ganzheitliche körperliche Untersuchungen durch, um den allgemeinen physischen Gesundheitszustand zu erfassen und Körperfunktionen zu testen.

Die Zusatzweiterbildung trägt den Titel Spezielle Schmerztherapie, da sie Patienten mit besonderer gesundheitlicher Situation miteinschließt. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit psychischen Störungen oder Suchterkrankungen. Zudem werden in der Weiterbildung Kenntnisse für die Schmerzbehandlung bei Kindern und Jugendlichen sowie älteren Menschen vermittelt, da Körper im Wachstum oder mit Altersschwäche ganz anders auf Therapien reagieren. Schmerzmediziner untersuchen auch neuropathische Schmerzen, die durch Schäden oder Funktionsstörungen der Nerven entstanden sind und zu einer abnormalen Schmerzleitung führen.

Um die Schmerzen langfristig lindern zu können, stellen sie unter Absprache mit anderen Fachärzten und Fachkräften multimodale Therapiepläne auf, die medikamentöse, physiotherapeutische, psychotherapeutische, physikalische, interventionelle und komplementärmedizinische Verfahren (z. B. aus der Naturheilkunde) miteinbeziehen. Sie dokumentieren den Schmerzverlauf und passen die Behandlungsmethoden je nach Entwicklung an.

Auch Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeiten können Gründe für chronische Schmerzen sein, für die der behandelnde Arzt Entzugsbehandlungen verschreiben kann.

Oft werden Schmerzmediziner von Menschen mit chronischen Kopfschmerzen wie Migräne und Spannungskopfschmerzen oder Arthrose- und Arthritis-Patienten mit Gelenkschmerzen aufgesucht. Auch Menschen mit Tumoren oder chronischen Magen-Darm-Schmerzen (z. B. bei Reizdarm) sowie Patienten mit Nervenschmerzen (z. B. durch Verletzung der Nerven) finden häufig den Weg in die Praxis eines Schmerzmediziners.

Wo arbeiten Schmerzmediziner?

Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 7.105 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie, von ihnen waren 5.932 berufstätig. Etwas mehr als die Hälfte arbeitete im stationären Bereich. 2.510 Schmerzmediziner waren ambulant tätig und 1.743 unter ihnen in eigener Praxis niedergelassen.

Schmerzmediziner arbeiten in verschiedenen medizinischen Einrichtungen, darunter Krankenhäuser mit Abteilungen für Schmerztherapie oder spezialisierte Schmerzzentren (dazu zählen z. B. auch Kopfschmerzzentren). Man findet sie zudem in Rehabilitationszentren, wo sie Patienten bei der Genesung nach Operationen oder Verletzungen zu unterstützen. Einige Schmerzmediziner sind in der Palliativmedizin tätig und betreuen Menschen mit unheilbaren Krankheiten, die ganz häufig mit chronischen Schmerzen verbunden sind.

Ambulant sind sie in Gemeinschaftspraxen oder Einzelpraxen tätig. Einige davon sind auf die Schmerzmedizin spezialisiert, andere bieten schmerzmedizinische Therapien als ergänzende Leistungen an.

Am häufigsten entscheiden sich die folgenden Fachärzte für die Zusatzweiterbildung:

  • Fachärzte für Anästhesiologie – Sie verfügen bereits über umfangreiche Kenntnisse der Schmerztherapie, da sie sich auf die Schmerzlinderung bei Operationen und in der Intensivmedizin spezialisiert haben. Die Zusatzbezeichnung Schmerzmedizin ergänzt ihr Fachwissen ideal.
  • Fachärzte für Neurologie – Da viele chronische Schmerzen neurologische Ursachen haben, erweitern auch Neurologen ihre Qualifikationen durch die Schmerzmedizin-Zusatzweiterbildung.
  • Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie – Sie behandeln häufig muskuloskelettale Schmerzen und profitieren von der Zusatzqualifikation, um ihre Patienten noch besser zu versorgen.
  • Fachärzte für Innere Medizin – Insbesondere Rheumatologen, die sich mit chronischen Schmerzen im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen beschäftigen, nehmen die Zusatzweiterbildung wahr.

Wie wird man Schmerzmediziner?

Mit einem bestandenen Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und einer abgeschlossenen Facharztausbildung ist man qualifiziert für die Zusatzweiterbildung zum Schmerzmediziner.

Die Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (WBO) setzt für den Erwerb der Zusatzbezeichnung folgende Vorgaben:

  • 12 Monate Spezielle Schmerztherapie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten
  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen. Die 80 Stunden Kursweiterbildung werden zum Beispiel von der Schmerzakademie der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. oder vom Campus der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. angeboten.

Alle Lernerfolge müssen im elektronischen Ausbildungs-Logbuch dokumentiert werden. Es ist wichtig zu beachten, dass die genauen Weiterbildungsregelungen je nach Bundesland variieren und bei der zuständigen Ärztekammer erfragt werden können.

Wie viel verdient ein Schmerzmediziner?

Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie im ambulanten Bereich hängt von dem Fachgebiet ab, in dem er regulär arbeitet. Zudem wird der Verdienst davon beeinflusst, ob er seine eigene Praxis führt oder in einer Gemeinschaftspraxis angestellt ist. Auch Berufserfahrung und Standort spielen eine entscheidende Rolle. Allgemein gilt, dass Ärzte mit Zusatzbezeichnungen zusätzliche abrechenbare Leistungen anbieten können und damit eine größere Patientengruppe zu erreichen, was sich positiv auf Reputation und Gehalt auswirkt. Einige Ärzte haben ihren Fokus ganzheitlich auf die Schmerztherapie gelegt und sind zum Beispiel in bestimmten Schmerzzentren angestellt, die über unterschiedliche Vergütungsmodelle abrechnen.

Im klinischen Bereich sind die Dinge etwas anders geregelt: Krankenhäuser rechnen über Tarifverträge wie dem Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und dem Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ab. Diese machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die Berufserfahrung und hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Bei gewissen Zusatzqualifikationen sind trotzdem, je nach Klinik und Vorgesetzten, gewisse Zusatzzahlungen möglich. Seit Januar 2024 verdient ein Facharzt im vierten Berufsjahr in einem kommunalen Krankenhaus 7.867,55 Euro brutto pro Monat, in einer Uniklinik sind es seit Februar 2025 8.049,32 Euro.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Spezielle Schmerztherapie?

Die Zukunftsperspektiven der Speziellen Schmerztherapie sind vielversprechend.

So gibt es zum Beispiel immer mehr Fortschritte in der personalisierten Medizin, die ermöglichen, dass Schmerzbehandlungen zunehmend auf die individuellen genetischen, biologischen und psychosozialen Merkmale eines Patienten abgestimmt werden können. Durch den Einsatz moderner Diagnostik, wie genetischer Tests oder Biomarker-Analysen, können Ärzte besser verstehen, warum bestimmte Schmerztherapien bei einzelnen Patienten unterschiedlich wirken. Dadurch lassen sich Therapien gezielter auswählen und anpassen, was die Wirksamkeit erhöht, Nebenwirkungen reduziert und insgesamt eine effektivere und patientenorientierte Schmerzbehandlung ermöglicht.

Es werden stetig neue Behandlungsmethoden entwickelt. Ein Beispiel dafür sind implantierbare Schmerzpumpen, die kontinuierlich Medikamente wie Opioide direkt in den Raum um das Rückenmark (intrathekal) abgeben. Neue Entwicklungen ermöglichen eine präzisere Steuerung der Medikamentendosierung, was Nebenwirkungen reduziert und die Wirksamkeit erhöht. Zudem gibt es Fortschritte bei der Verwendung von programmierbaren Pumpen, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden können. Solche Interventionen sind besonders bei schweren chronischen Schmerzen geeignet, bei denen herkömmliche Therapien nicht mehr ausreichen.

Wie alle anderen medizinischen Fachgebiete wird auch die Schmerzmedizin zunehmend von digitalen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Telemedizin unterstützt. Die KI hilft dabei, Krankengeschichten übersichtlich darzustellen und medizinisches Wissen zu nutzen, damit Behandlungsentscheidungen genauer und einfacher getroffen werden können. Telemedizin-Plattformen wie Doctolib haben die Terminbuchung digitalisiert und ermöglichen ortsunabhängige Besprechungen der Befunde via Online-Meeting, was sowohl Ärzten als auch Patienten zugutekommt.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Schmerzmediziner?

Die Zusatzweiterbildung zum Schmerzmediziner nimmt in Vollzeit etwa 1 Jahr in Anspruch. Sie ermöglicht es Ärzten, zusätzliche Behandlungen und Therapien für Patienten mit chronischen Schmerzen anzubieten, was den Patientenkreis vergrößert und sich positiv auf Gehalt und Reputation auswirkt. Zudem ist es möglich, seinen Fokus ganzheitlich auf die Betreuung von Menschen mit chronischen Schmerzen zu legen und beispielsweise in Schmerz- oder Palliativzentren zu arbeiten. Die Arbeit ist von großer Bedeutung, da allein in Deutschland Millionen von Menschen unter chronischen Schmerzen leiden, für deren Therapieerfolg eine Zusatzqualifikation in der Speziellen Schmerztherapie einen großen Unterschied machen kann. Unabhängig vom Fachgebiet, in dem man als Arzt tätig ist, kann man seinen Patienten umfangreichere Beratungen und Therapiemethoden für die Behandlung ihrer Schmerzen anbieten, die ihre Lebensqualität erheblich erhöhen können. Das erleben viele Ärzte als sehr erfüllend.

FAQs

Was macht ein Schmerzmediziner?

Schmerzmediziner sind Ärzte, die aufbauend auf ihrer Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in der Speziellen Schmerztherapie absolviert haben. Sie behandeln chronisch schmerzkranke Patienten. Ihre Hauptaufgabe ist es, ihre Schmerzen zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Sie versorgen zum Beispiel Patienten mit Rücken-, Gelenk- und Nervenschmerzen oder auch Krebserkrankungen und stellen multimodale Behandlungspläne auf, die diverse Therapien umfassen (z. B. auch alternative Heilverfahren).

Wie wird man Schmerzmediziner?

Um Schmerzmediziner zu werden, muss man in Ergänzung zu seiner Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in Spezieller Schmerztherapie absolvieren. Die Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer setzt für den Erwerb der Zusatzbezeichnung 12 Monate praktische Ausbildung in befugten Weiterbildungsstätten und 80 Stunden Kurs-Weiterbildung voraus. Über Suchportale auf den Seiten der Landesärztekammern kann man sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen. Die 80 Stunden Kursweiterbildung werden zum Beispiel von der Schmerzakademie der Deutschen Schmerzgesellschaft oder der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin angeboten.

Wie viel verdient ein Schmerzmediziner?

Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie im ambulanten Bereich hängt von seinem regulären Fachgebiet, dem Standort und der allgemeinen Effizienz der Praxis ab. Allgemein gilt, dass Ärzte mit Zusatzbezeichnungen zusätzliche Leistungen anbieten können und damit eine größere Patientengruppe erreichen, was sich positiv auf Reputation und Gehalt auswirkt. Kliniken rechnen über Tarifverträge ab, die keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen machen. Seit Januar 2024 verdient ein Facharzt im vierten Berufsjahr in einem kommunalen Krankenhaus 7.867,55 Euro brutto pro Monat.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Schmerzmediziner?

Die Zusatzweiterbildung zum Schmerzmediziner nimmt in Vollzeit etwa 1 Jahr in Anspruch.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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