Was macht ein...?

Was macht ein Sexualmediziner?

Von Julia Tech7 Min. Lesezeit
Sexualmediziner im vertraulichen Gespräch – Was macht ein Sexualmediziner?

Sexualmediziner sind ausgebildete Ärzte, die aufbauend auf ihrer Facharztausbildung eine Weiterbildung in der Sexualmedizin absolviert haben. Sie sind spezialisiert auf die sexuelle Gesundheit – das heißt, sie behandeln Störungen und Erkrankungen, die die sexuellen Funktionen, sexuell übertragbare Infektionen, die geschlechtliche Identität sowie die seelische Gesundheit in Bezug auf Sexualität betreffen.

Was zeichnet die Arbeit als Sexualmediziner aus?

Ärzte mit der Zusatzweiterbildung in der Sexualmedizin haben sich auf ein sehr sensibles und oft schambehaftetes Gebiet spezialisiert. Für die Arbeit mit Patienten, die unter sexuellen Störungen leiden und vor allem im Umgang mit Menschen, die sexuelle Traumata erlebt haben, ist viel Feingefühl gefordert.

Der Beruf des Sexualmediziners bildet die Schnittstelle zwischen Psychotherapie, Gynäkologie und Andrologie. Ärzte mit der Zusatzbezeichnung können Patienten über ihren regulären Fachbereich hinaus zu verschiedenen Themen rund und Sexualgesundheit beraten. Die Weiterbildung vermittelt Kenntnisse in sexualtherapeutischer, psychotherapeutischer, somatomedizinischer und medikamentöser Behandlung und kann von Ärzten aus der unmittelbaren Patientenversorgung absolviert werden.

Worin liegen die Aufgaben eines Sexualmediziners?

Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Sexualmedizin behandelt zum Beispiel Störungen der sexuellen Erregung wie Anorgasmien oder Paraphilien. Er berät Patienten, die unter erektiler Dysfunktion, vorzeitigem Samenerguss oder auch Dyspareunien (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) leiden.

Ursache für sexuelle Störungen finden sich zum Beispiel in hormonellen Ungleichgewichten oder anderen organischen Ursachen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die die Sexualfunktion und das Empfinden beeinflussen können.

Zudem kümmert sich der Sexualmediziner um die Behandlung und Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen wie HIV.

Er unterstützt Patienten mit Reproduktionsstörungen und berät im Falle von Genderinkongruenzen (Empfindung eines Geschlechts, das nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt). Auch seelische und körperliche Folgen von traumatischen sexuellen Erlebnissen, sind ein Thema, das man einem Sexualmediziner anvertrauen kann.

Den größten Teil seiner Arbeit macht die Beratung und Aufklärung aus. Sexualmediziner unterstützen bei allen Fragen rund um Sexualität, Partnerschaft und sexuelle Gesundheit. Dies umfasst auch die Aufklärung über Verhütungsmethoden. Bei sexualitätsbezogenen Konflikten mit dem Partner oder Libidoverlust können sie gesprächstherapeutisch beraten und gemeinsam mit dem Paar Lösungen finden.

Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Sexualmedizin arbeiten häufig mit Gynökologen, Andrologen, Urologen, Psychotherapeuten oder Sexualtherapeuten zusammen, um ihre Patienten so umfangreich und traumasensibel wie möglich unterstützen zu können.

Wo arbeiten Sexualmediziner?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 55 berufstätige Sexualmediziner, 32 arbeiten ambulant, 22 niedergelassen, 12 sind in Kliniken angestellt.

Vor allem Ärzte aus den Fachrichtungen Gynäkologie, Urologie sowie Psychiatrie haben die Zusatzqualifikation erworben, um ihre Patienten noch umfangreicher beraten zu können. Wenn das Interesse besonders groß ist, kann man sich auch in einer Fachpraxis für Sexualmedizin und/oder Paartherapie niederlassen.

Wie wird man Sexualmediziner?

Die Weiterbildung zum Sexualmediziner ist eine Zusatzweiterbildung – Man kann sich zum Sexualmediziner ausbilden lassen, wenn man ein abgeschlossenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt in Kombination mit einer Facharztanerkennung aus einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung nachweisen kann. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland und müssen gegebenenfalls bei der zuständigen Landesärztekammer erfragt werden.

Gemäß der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer umfasst die Weiterbildung:

  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in Psychosomatische Grundversorgung
  • Alternativ kann auch eine Zusatz-Weiterbildung in Psychotherapie oder Psychoanalyse angerechnet werden
  • 240 Stunden Kurs-Weiterbildung in Sexualmedizin

Die Kurse können zum Beispiel über Medixum, die Fortbildungsplattform des Deutschen Ärzteverlags, absolviert werden. Auch die Akademien der Landesärztekammern bieten Kurse zur Erlangung der Zusatzmedizin an.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen wie z. B. den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualpsychologie (DHSMP), den Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung e.V. (DGfS) oder den Fortbildungsveranstaltungen des Instituts für Sexualpsychologie in Berlin unterstützen dabei, auf dem neusten Stand des Wissens zu bleiben.

Auch auf Online-Plattformen wie dem Forum Medizin Fortbildung (FOFM) findet man spannende Kurse zur Weiterbildung in bestimmten Bereichen.

Zudem steht es jedem Arzt immer offen, sich auch in alternativen Gebieten fortzubilden, um einem ganzheitlicheren Ansatz nachzugehen. Dazu gehören zum Beispiel Akupunktur, Pflanzenheilkunde oder Entspannungsmethoden, die Atemtechniken und Achtsamkeit miteinschließen.

Wie viel verdient ein Sexualmediziner?

Das Gehalt eines Arztes mit der Zusatzbezeichnung Sexualmedizin hängt von dem Fachbereich ab, in dem er arbeitet. Zudem wird das Gehalt davon beeinflusst, ob man seine eigene Praxis führt oder in einer Praxis bzw. Klinik angestellt ist. Auch die Berufserfahrung und der Standort des Arbeitsgebers spielen eine entscheidende Rolle.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Zusatzweiterbildungen, sodass die meisten stationär angestellten Ärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens.

Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Dort verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.

Als Arzt in eigener Praxis kann man mit zusätzlichen Leistungen sein Gehalt aufstocken. Sexualmedizinische Leistungen zählen zu den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und sind nicht vom Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gedeckt. Das gibt den Ärzten einen gewissen Spielraum.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Sexualmedizin?

Die Zukunftsperspektiven der Sexualmedizin sind vielversprechend.

Ein bedeutender Trend ist die zunehmende Personalisierung der Medizin: Durch Fortschritte in der Genetik und Biomarker-Forschung wird es möglich, individuelle Ursachen von sexuellen Dysfunktionen besser zu erkennen. Statt standardisierter Therapien können künftig maßgeschneiderte Behandlungspläne entwickelt werden, die auf den genetischen, hormonellen oder neurobiologischen Profilen des Einzelnen basieren. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, nachhaltige Erfolge zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Auch technologische Innovationen spielen eine Rolle bei der Weiterentwicklung der Sexualmedizin. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) eröffnen neue Möglichkeiten in der Sexualtherapie. Sie können beispielsweise dazu genutzt werden, Verhaltensmuster zu verändern, Ängste abzubauen oder sexuelle Erfahrungen in einem sicheren Rahmen zu simulieren. Zudem werden immer leistungsfähigere medizintechnische Geräte entwickelt, darunter implantierbare Stimulationssysteme zur Behandlung von Erektionsstörungen, neuartige Erektionshilfen oder Apps (z. B. Odeya oder The Coach: Men’s Health App) zur Überwachung und Verbesserung der sexuellen Gesundheit.

Aufklärungskampagnen wie zum Beispiel die Initiative Liebesleben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) und sexuelle Bildung in Schulen sollen helfen, Vorurteile abzubauen und ein offeneres Gespräch über sexuelle Probleme zu fördern. Dadurch können Hemmschwellen reduziert werden, was wiederum den Zugang zu professioneller Hilfe erleichtert.

Neue Therapien auf hormoneller, neurobiologischer oder immunologischer Basis werden entwickelt. Beispielsweise könnten Stammzelltechnologien oder regenerative Verfahren bei Nervenschäden eingesetzt werden, um sexuelle Funktionen wiederherzustellen. Solche innovativen Ansätze bieten Hoffnung für Menschen mit komplexen oder schwerwiegenden Problemen.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Sexualmediziner?

Der Weg zum Sexualmediziner kann sich lohnen. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, eine sexualmedizinische Beratung in Anspruch zu nehmen, weshalb die Nachfrage nach spezialisierten Ärzten ansteigt. 2023 zählte die Bundesärztekammer lediglich 55 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Sexualmedizin.

Mit der Zusatzqualifikation kann man Menschen bei sensiblen und oft tabuisierten Themen weiterhelfen und dazu beitragen, ihre Lebensqualität zu erhöhen. Für den Beruf sind Feingefühl und psychologisches Wissen sehr wichtig, vor allem für die Arbeit mit Menschen, die auf eine Geschichte mit sexuell traumatischen Erfahrungen zurückblicken.

Das Fachgebiet ist komplex und umfasst sowohl medizinische, psychologische als auch soziale Aspekte. Auch finanziell ist die Zusatzweiterbildung interessant, da sexualmedizinische Beratungen zu den IGel-Leistungen zählen und die Behandlungskosten von den Ärzten selbst festgelegt werden können.

FAQs

Was macht ein Sexualmediziner?

Sexualmediziner sind ausgebildete Ärzte, die eine Weiterbildung im Bereich der Sexualmedizin absolviert haben. Sie sind spezialisiert auf die sexuelle Gesundheit – das heißt, sie behandeln Störungen und Erkrankungen, die sexuellen Funktionen, sexuell übertragbare Infektionen, die geschlechtliche Identität sowie die seelische Gesundheit in Bezug auf Sexualität betreffen.

Wie wird man Sexualmediziner?

Um als Arzt die Zusatzbezeichnung Sexualmedizin zu erlangen, muss man eine Zusatzweiterbildung absolvieren. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Facharztausbildung im Gebiet der unmittelbaren Patientenbetreuung. Die Weiterbildung umfasst 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in Psychosomatische Grundversorgung sowie 240 Stunden Kurs-Weiterbildung in Sexualmedizin. Alternativ zu den 80 Stunden Psychosomatische Grundversorgung kann auch eine Zusatz-Weiterbildung in der Psychotherapie oder der Psychoanalyse angerechnet werden. Die Regelungen können je nach Bundesland unterschiedlich sein.

Wie viel verdient ein Sexualmediziner?

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Zusatzweiterbildungen, sodass die meisten stationär angestellten Ärzte den gleichen Satz verdienen. In einer Uniklinik verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Vor allem niedergelassene Ärzte profitieren von der Zusatzbezeichnung: Sexualmedizinische Leistungen zählen als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und sind nicht vom Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt, was Ärzten einen gewissen finanziellen Spielraum ermöglicht.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Sexualmediziner?

Die Zusatz-Weiterbildung in Sexualmedizin erfordert die Teilnahme an insgesamt 320 Kurs-Stunden.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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