Was macht ein...?

Was macht ein Sportmediziner?

Von Julia Tech8 Min. Lesezeit
Sportmediziner testet Athleten auf dem Laufband – Was macht ein Sportmediziner?

Sportmediziner sind ausgebildete Fachärzte, die eine Weiterbildung im Bereich der Sportmedizin absolviert haben. Sie sind spezialisiert auf die medizinische Betreuung von Menschen, die sowohl in großen als auch in kleinen Vereinen sportlich aktiv sind. Als Sportmediziner führt man zum Beispiel Tauglichkeitsuntersuchungen für bestimmte Sportarten durch oder erstellt mit den Patienten zusammen Trainingspläne, die ihre individuellen körperlichen Bedürfnisse berücksichtigen.

Was zeichnet die Arbeit als Sportmediziner aus?

Als Sportmediziner arbeitet man mit Athleten unterschiedlicher Sportarten und darf manchmal sogar den ein oder anderen Starpatienten in seiner Praxis empfangen. Während der Weiterbildung lernen angehende Sportmediziner zum Beispiel, wie der menschliche Körper in akuten Belastungssituationen reagiert und wie sich sportliche Aktivitäten auf bestimmte Erkrankungen auswirken können.

Worin liegen die Aufgaben eines Sportmediziners?

Die Sportmedizin ist eine Zusatzweiterbildung für Fachärzte, die bereits mindestens 2 Jahre aktiv in der Patientenversorgung gearbeitet haben. Mit der Ausbildung können sich die Aufgaben des jeweiligen Arztes um folgende Punkte erweitern:

  • Sportmediziner untersuchen, diagnostizieren und behandeln Sportverletzungen wie zum Beispiel Zerrungen, Frakturen oder Überlastungserscheinungen
  • Sie bieten sportliche Tauglichkeitsuntersuchungen an, um die körperliche Eignung für bestimmte Sportarten einzuschätzen
  • Als Sportmediziner entwickelt man mit dem Patienten zusammen individuelle Trainingstechniken und findet eine geeignete Ausrüstung, die den Sportler optimal unterstützt und Verletzungen vorbeugt
  • Mit sportmedizinischer Aufklärung und Beratung leistet man als Arzt seinen Beitrag zur Prävention von Erkrankungen
  • Nach Verletzungen begleiten Sportmediziner ihre Patienten durch die Rehabilitierung
  • Sportmediziner beraten Sportler hinsichtlich Ernährung, Schlafrhythmus, mentaler Gesundheit und anderen individuellen Punkten, um ihre Leistung zu optimieren
  • Manche Sportmediziner haben die Aufgabe, im Kontext von nationalen und internationalen Wettkämpfen zu kontrollieren, ob alle Regeln eingehalten werden: Sie prüfen Sportler auf Missbrauch von Substanzen zur Steigerung der sportlichen Leistung. Solche Doping-Kontrollen finden vor allem in professionellen Ligen und bei sehr großen Veranstaltungen wie den olympischen Spielen, Weltmeisterschaften oder bei Marathonwettkämpfen statt

Wo arbeiten Sportmediziner?

Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 17.702 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin. Die Sportmedizin belegt neben der Notfallmedizin (Platz 1 mit 58.491 Ärzten) und der Manuellen Medizin/Chirotherapie (Platz 2 mit 22.092 Ärzten) den 3. Platz der beliebtesten Zusatzweiterbildungen. Von den 17.702 Sportmedizinern waren 12.963 berufstätig. Sie arbeiten an folgenden Orten:

  • In Arztpraxen oder sportmedizinischen Zentren: Knapp die Hälfte der berufstätigen Sportmediziner arbeitet im ambulanten Bereich, der größte Teil niedergelassen, also in eigener Praxis. Viele Fachpraxen und Zentren vereinen die Gebiete der Orthopädie und der Sportmedizin, um Sportler umfangreich betreuen zu können. Ein Beispiel hierfür ist die Praxis Sporthomedic in Köln.

  • In Krankenhäusern oder Universitätskliniken: Nur ca. 5 % der Sportmediziner sind stationär tätig. Eine spezialisierte Klinik ist zum Beispiel die Sports Clinic Berlin. Arbeitet man als Arzt in sportmedizinisch spezialisierten Zentren, Praxen oder Kliniken, liegt der Fokus seiner Arbeit deutlich mehr auf den Inhalten der Zusatzweiterbildung als bei Ärzten, die beispielsweise als Facharzt für Allgemeinmedizin in einer hausärztlichen Praxis tätig sind und sportliche Untersuchungen und Behandlungen als Zusatz anbieten.

  • In Behörden: Ungefähr 300 der berufstätigen Ärzte arbeiten für Behörden, beispielsweise für Gesundheitsämter.

  • In Vereinen: Einige Sportmediziner arbeiten für Sportvereine – das heißt, sie empfangen regelmäßig Spieler in ihrer Praxis. Zwischen Sportmedizinern und Vereinen können spezielle Verträge bestehen. Das kann bedeuten, dass man als Arzt regelmäßig bei Trainingseinheiten und Spielen vor Ort ist und dies entsprechend vergütet wird. Umfang und Finanzierung seiner medizinischen Arbeit hängen stark von der Größe und den finanziellen Möglichkeiten des Vereins ab. Die Zusammenarbeit mit einem Sportverein ist für die meisten Ärzte nur eine Ergänzung zur Arbeit in ihrer Praxis.

Wie werde ich Mannschaftsarzt meines Herzensvereins?

Einige sport-begeisterte Ärzte träumen davon, einen der großen deutschen Sportvereine medizinisch zu begleiten. Doch für einen solchen Karriereweg braucht es die richtigen Begegnungen zur rechten Zeit, eine große Portion Glück und ganz viel Vitamin B. So hatte zum Beispiel Dr. Ulrich Schleicher – ehemaliger Mannschaftsarzt des Hertha BSC – bereits vor seiner Tätigkeit beim BSC in einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis bei Berlin gearbeitet und wurde von den Sportlern regelmäßig besucht. Dadurch waren die nötigen Verbindungen zwischen Arzt und Verein bereits gegeben. In jedem Fall ist es wichtig, sich ein weites berufliches Netzwerk aufzubauen, im besten Fall mit Kontakten zu ehemaligen Vereinsärzten, die Empfehlungen aussprechen und somit ein Sprungbrett für die Arbeit mit dem Lieblingsverein sein können.

Wie wird man Sportmediziner?

Die Weiterbildung zum Sportmediziner ist eine Zusatzweiterbildung – Man kann sich zum Sportmediziner weiterbilden lassen, wenn man ein bestandenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung nachweisen kann. Es ist keine spezifische Facharztausbildung vorgeschrieben, jedoch sind 2 Jahre Arbeitserfahrung innerhalb der unmittelbaren Patientenversorgung vorausgesetzt. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung folgende Punkte:

  • 240 Stunden Kurs-Weiterbildung Sie kann durch 6 Monate Weiterbildung an einem sportmedizinischen Institut ersetzt werden
  • 120 Stunden sportärztliche Tätigkeit in einem Sportverein oder einer vergleichbaren Einrichtung

Am häufigsten entscheiden sich Fachärzte der Orthopädie, Unfallchirurgie oder Allgemeinmedizin für eine Weiterbildung im Bereich Sportmedizin.

Die Kurse und Seminare werden von Fortbildungsinstituten, Universitäten, Fachkliniken oder Fachgesellschaften angeboten, die von der jeweiligen Ärztekammer anerkannt sind. Dazu zählt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Der Besuch von Veranstaltungen der DGSP oder wissenschaftliche Fachzeitschriften und Journals wie die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin tragen dazu bei, auf dem neusten Stand des Wissens zu bleiben.

Zudem steht es jedem Arzt immer offen, sich auch in alternativen Bereichen wie der Chiropraktik oder Akupunktur weiterzubilden, um einem ganzheitlicheren Ansatz nachzugehen

Wie viel verdient ein Sportmediziner?

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro.

Ambulant wirkt sich die Zusatzbezeichnung Sportmedizin in jedem Fall positiv auf das Gehalt aus: Mit zusätzlichen Leistungen wie Tauglichkeitsuntersuchungen hebt man seinen Lohn an und spricht eine größere Patientengruppe an. Einige gesetzliche Krankenkassen bieten spezielle Programme oder zusätzliche Leistungen an, bei denen Ärzte mit der Zusatzqualifikation Sportmedizin bevorzugt werden und gegebenenfalls von einer besseren Vergütung profitieren.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Sportmedizin?

Sport ist wichtig, weil er sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch das Immunsystem stärkt und die Muskeln kräftigt. Darüber hinaus trägt eine regelmäßige sportliche Betätigung maßgeblich zum Erhalt des eigenen Wohlbefindens bei und beugt psychischen Erkrankungen wie Ängsten oder Depressionen vor. Dies verstehen immer mehr Menschen und die Nachfrage nach sportmedizinisch spezialisierten Fachkräften steigt: Im Jahr 2024 gab es in Deutschland rund 86.000 Sportvereine, die 28.764.951 Mitglieder zählen – das ist mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung! Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist die größte Bürgerbewegung des Landes.

Aufgrund der gestiegenen Bedeutung, die man dem Sport zumisst und angesichts der hohen Beliebtheit der sportmedizinischen Weiterbildung unter den Ärzten, gibt es Überlegungen, die Sportmedizin als 5-jährige Facharztausbildung zu organisieren. In der DDR gab es damals den Facharzt für Sportmedizin. Würde man dem Beispiel einiger europäischer Länder wie Italien, Großbritannien oder der Niederlande folgen und die 5-jährige Facharztausbildung im Bereich Sportmedizin etablieren, wäre die Sportmedizin keine ärztliche Zusatzqualifikation mehr, sondern Arbeitsschwerpunkt des jeweiligen Arztes.

Bis jetzt gab es jedoch ausreichend Argumente dagegen: Die Sportmedizin ist eine Zusatzqualifikation, von der unterschiedliche Fachärzte aus ihren jeweiligen Blickwinkeln profitieren und die medizinischen Betreuungsangebote auf unterschiedliche Weisen bereichern: Als Gynäkologe lernt man in der Weiterbildung, wie sich sportliche Aktivitäten auf die Hormone auswirken und Orthopäden können mit ihren Patienten ein Programm mit Übungen zur Stärkung des Rückens erarbeiten. In jedem Fall sind Sportmediziner gefragt und die Chancen auf eine Stelle stehen gut.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Sportmediziner?

Die Weiterbildung zum Sportmediziner kann sich lohnen. Mit der Zusatzqualifikation Sportmedizin können Ärzte besondere Beratungen und Untersuchungen, wie zum Beispiel Tauglichkeitsuntersuchungen, anbieten. Das wirkt sich positiv auf Gehalt und Ansehen aus. Ist die Leidenschaft für den Sport sehr groß, kann man mit einer passenden Facharztausbildung (z. B. Orthopädie oder Allgemeinmedizin) auch in Zentren, Kliniken oder Praxen arbeiten, die sich auf die medizinische Betreuung von Sportlern spezialisiert haben und seinem Hobby auch im Berufsleben Ausdruck verleihen. Wer weiß, welchen Sportstar man eines Tages bei sich zur Untersuchung empfangen darf?

FAQs

Was macht ein Sportmediziner?

Sportmediziner sind ausgebildete Fachärzte, die eine Zusatzweiterbildung in Sportmedizin absolviert haben. Sie behandeln professionelle Sportler und Laien bei Sportverletzungen und beraten sie hinsichtlich individuell abgestimmter Trainingspläne zur Leistungsoptimierung.

Wie wird man Sportmediziner?

Um als Arzt die Zusatzbezeichnung Sportmedizin zu erhalten, muss man eine Zusatzweiterbildung absolvieren. Voraussetzung für diese ist, dass man bereits 2 Jahre als Facharzt innerhalb der unmittelbaren Patientenversorgung gearbeitet hat. Die Mindestanforderungen der Ausbildung sind 240 Stunden Kurs-Weiterbildung (oder 6 Monate Weiterbildung an einem sportmedizinischen Institut) und 120 Stunden sportärztliche Tätigkeit in einem Sportverein oder einer vergleichbaren Einrichtung. Die Kurse und Seminare werden von Fortbildungsinstituten, Universitäten, Fachkliniken oder Fachgesellschaften angeboten, die von der jeweiligen Ärztekammer anerkannt sind, zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Wie viel verdient ein Sportmediziner?

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. In einer Uniklinik verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung sind es 8.903,30 Euro. Ambulant wirkt sich die Zusatzbezeichnung Sportmedizin in jedem Fall positiv auf das Gehalt aus: Mit zusätzlichen Leistungen wie Tauglichkeitsuntersuchungen hebt man seinen Lohn und spricht eine größere Patientengruppe an.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Sportmediziner?

Die Weiterbildung zum Sportmediziner dauert in der Regel 1 bis maximal 2 Jahre.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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