Tropenärzte haben eine Zusatzweiterbildung in der Tropenmedizin absolviert und tragen die Zusatzbezeichnung des Tropenmediziners. Von Süd-Ost-Asien über Afrika bis Südamerika – der tropische Raum ist groß, doch ein Tropenmediziner ist mit allen häufig auftretenden Erkrankungen – zum Beispiel Malaria oder Cholera – vertraut. Er kennt die sozioökonomischen, klimatischen und biologischen Faktoren, die eine Infektion bedingen und weiß, was zur Prävention und im Krankheitsfall zu tun ist.
Was zeichnet die Arbeit als Tropenarzt aus?
Tropenärzte sind Experten für die medizinische Begleitung und Versorgung in Bezug auf Krankheiten und Gesundheitsrisiken, die mit dem Besuch tropischer Länder in Verbindung stehen. Sie beraten Menschen vor und während Reisen, führen Tropentauglichkeitsuntersuchungen durch und verabreichen Schutzimpfungen. Hat sich ein Patient mit einer Krankheit wie Gelbfieber oder Ebola infiziert, ist er bei einem Tropenmediziner in besten Händen. Die Arbeit als Tropenarzt muss jedoch nicht auf Deutschland beschränkt sein – einige unter ihnen sind in den betroffenen Ländern selbst in der medizinischen Versorgung tätig oder arbeiten in der Epidemiologie-Forschung, um Methoden für die Eindämmung von Krankheiten in Tropenregionen zu entwickeln – häufig in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen.
Worin liegen die Aufgaben eines Tropenarztes?
Die Hauptaufgaben eines Tropenmediziners liegen in der Prävention, Erkennung und Behandlung von Erkrankungen, die speziell in tropischen Ländern vorkommen. Seine Arbeit kann er in einem dieser Länder selbst – zum Beispiel in Uganda oder Indien – ausführen, oder er behandelt in Deutschland Menschen, die sich während ihrer Reisen infiziert haben und die Krankheit mit ins Heimatland gebracht haben.
Zudem besteht eine der Aufgaben des Tropenmediziners darin, Menschen zu beraten, die kurz vor ihrer Reise in die Tropen stehen. Im Kontext einer solchen reisemedizinischen Beratung kann er eine Tropentauglichkeitsuntersuchung vornehmen, den Patienten präventiv gegen eine Vielzahl tropischer Erkrankungen impfen und in Bezug auf Schutz vor Mücken beraten.
In tropischen Regionen herrschen ganz andere Lebensumstände vor. Tropenärzte kennen die speziellen klimatischen Bedingungen und Risikofaktoren, sie wissen, mit welchen Infektionserkrankungen man sich vor Ort anstecken kann und haben darüber hinaus ein Bewusstsein für die sozioökonomischen Bedingungen, die eine Infektion begünstigen können.
Einige Tropenärzte sind im Bereich der Epidemiologie-Forschung aktiv: Sie finden heraus, unter welchen Umständen sich Malaria, Dengue-Fieber oder andere tropische Infektionen ausbreiten und welche Maßnahmen zur Eindämmung getroffen werden können. Mithilfe ihrer gewonnenen epidemiologischen Erkenntnisse können Tropenmediziner Maßnahmen wie Impfprogramme, Mückenschutzmethoden oder Hygienekonzepte zur Bekämpfung der Krankheiten erarbeiten.
Als Tropenmediziner beschäftigt man sich zum Beispiel mit folgenden Erkrankungen:
- Malaria: Eine durch Mücken übertragene Parasitenkrankheit, die Fieber und Schüttelfrost verursacht
- Dengue-Fieber: Eine Virusinfektion, die durch Mücken übertragen wird und zu hohem Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen führt
- Gelbfieber: Eine Virusinfektion, die durch Mücken übertragen wird und schwere Leber- und Blutungsprobleme verursachen kann
- Cholera: Eine bakterielle Durchfallerkrankung, die durch verunreinigtes Wasser übertragen wird
- Hepatitis A und B: Virusinfektionen, die die Leber betreffen und durch kontaminiertes Wasser oder ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden
- Schistosomiasis: Eine Parasitenkrankheit, die durch Kontakt mit infiziertem Wasser entsteht
- Ebola: Eine Virusinfektion, die über Körperflüssigkeiten übertragen wird und zu hohem Fieber, starken Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Erbrechen, Durchfall und in schweren Fällen zu inneren und äußere Blutungen führen kann
Wo arbeiten Tropenärzte?
Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 406 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Tropenmedizin. Davon waren 226 tropenmedizinisch berufstätig und arbeiteten an folgenden Orten:
- In Praxen oder spezialisierten Tropen- und Reisemedizinischen Zentren: Einige Arztpraxen bieten Beratungen und Impfungen für Reisen in tropische Regionen als Zusatzleistung an. Darüber hinaus gibt es spezialisierte Zentren – also ein Ensemble von Ärzten und Experten im Bereich Tropen- und Reiseberatung, dazu gehört zum Beispiel das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin, das kleine Reisepraxen in Ausrüsterläden wie Globetrotter führt, in denen man direkt beraten werden kann.
- In Krankenhäusern oder Universitätskliniken: Verschiedene Krankenhäuser oder Unikliniken besitzen eine eigene Abteilung für Tropenmedizin bzw. Infektiologie, so verfügt zum Beispiel das Celtinnen Krankenhaus St. Marien in Köln eine Abteilung für Infektiologie, Reise- und Tropenmedizin, die an die Innere Medizin angegliedert ist. Manche Tropenmediziner arbeiten neben ihrer ärztlichen Tätigkeit zusätzlich in der Forschung.
- In internationalen Organisationen: Einige Tropenmediziner arbeiten in Hilfsorganisationen, die die Bevölkerung in betroffenen Ländern direkt vor Ort medizinisch versorgen oder bei internationalen Gesundheitsprojekten mitwirken. Bekannt ist beispielsweise die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die medizinische Nothilfe in Krisen- und Tropenregionen leistet oder das Deutsche Rote Kreuz, das in vielen internationalen Projekten aktiv ist.
- In einem tropischen Land: Natürlich ist es auch möglich, in einem betroffenen Land selbst zu arbeiten – entweder niedergelassen mit eigener Praxis oder angestellt.
- In Behörden: Einige Tropenmediziner arbeiten zusätzlich in nationalen und regionalen Gesundheitsämtern, die sich mit der Bekämpfung von Tropenkrankheiten und der Gesundheitsüberwachung befassen. Das muss sich nicht auf Deutschland beschränken, auch in Tropenländern ist die Mitarbeit in einem Ministerien für Gesundheit möglich.
Wie wird man Tropenarzt?
Die Weiterbildung zum Tropenmediziner ist eine Zusatzweiterbildung. Zulassungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und 24 Monate Erfahrung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung.
Eine abgeschlossene Facharztausbildung ist nicht vorgeschrieben. Die meisten Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Tropenmedizin kommen aus dem Fachbereich der Inneren Medizin und dem Gebiet der Infektiologie. Auch Hausärzte in Regionen mit hoher Migrationsrate entscheiden sich für die Zusatzqualifikation in der Tropenmedizin.
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung folgende Punkte:
- 9 Monate Tropenmedizin unter Befugnis an Weiterbildungsstätten
- 9 Monate tropenmedizinische Tätigkeit in einer medizinischen Einrichtung in den Tropen
- 3 Monate Kurs-Weiterbildung in Tropenmedizin
Die 9 Monate Tropenmedizin an Weiterbildungsstätten beziehen sich auf praktisch-klinische Erfahrungen bei der Behandlung von Patienten. Sie können in deutschen Kliniken mit Abteilungen für Infektionskrankheiten und Reisemedizin oder in einer medizinischen Einrichtung im Tropenland selbst absolviert werden – zum Beispiel am St. Francis Referral Hospital in Ifakara, Tansania, oder im St. Martin De Porres Hospital in Eikwe, Ghana.
Für die Vermittlung ist es ratsam, sich bei einem der großen deutschen Tropeninstitute zu melden, dazu gehören folgende Einrichtungen:
- Bernhard-Nocht-Institut Hamburg
- Tropeninstitut München
- Institut für Internationale Gesundheit Berlin (Charité)
- Uniklinik Tübingen (Institut für Tropenmedizin)
Diese Institute bieten meist auch den theoretischen Kurs an und organisieren mit den Teilnehmern im Anschluss den Praxisteil. Manche Institute vermitteln direkt Plätze, andere stellen Kontakte für die Organisation her.
Die genauen geforderten Ausbildungsinhalte findet man im Musterkursbuch Tropenmedizin und Medizinische Parasitologie.
Weitere Informationen und theoretische Kurse zur Weiterbildung findet man auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG), dort gibt es eine nach Bundesländern sortierte Liste mit zur Weiterbildung befugten Ärzten.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.
Kontinuierlich fortbilden kann man sich in der Reise- und Präventivmedizin. Sie umfasst Reiseplanung- und Beratung, Impfungen, Prophylaxe (Schutz vor Ansteckung durch Verhaltensmaßnahmen wie z. B. Moskitonetze oder Insektenschutzmittel), Reisehygiene, Notfallmanagement bei medizinischen Notfällen im Ausland, Betreuung von chronisch Erkrankten und Risikopatienten während einer Reise. Darüber hinaus kann man sein Wissen in der Diagnostik parasitärer Erkrankungen sowie in der Behandlung tropischer Haut- und Schleimhauterkrankungen erweitern.
Die DTG bietet Kurse an, um das sogenannte DTG-Zertifikat Reisemedizin zu erwerben.
Für das Selbststudium empfiehlt sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift mit dem Titel Flugmedizin Tropenmedizin Reisemedizin (FTR).
Wie viel verdient ein Tropenarzt?
Die Zusatzbezeichnung Tropenmedizin kann sich positiv aufs Gehalt auswirken: Mit zusätzlichen Leistungen wie Tropentauglichkeitsuntersuchungen, Impfungen und reisemedizinischen Beratungen ist es möglich, seinen monatlichen Verdienst anzuheben. Einige gesetzliche Krankenkassen bieten spezielle Programme oder zusätzliche Leistungen an, bei denen Ärzte mit der Zusatzqualifikation Tropenmedizin bevorzugt werden und gegebenenfalls von einer besseren Vergütung profitieren.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Zusätzlich zum vertraglich geregelten Gehalt ist es möglich, sein Einkommen mit Bereitschafts- und Rufdiensten sowie Feiertags- und Nachtschichten zu erhöhen.
Entscheidet man sich für die Arbeit bei Hilfsorganisationen, wird man in den meisten Fällen deutlich niedriger vergütet. Dafür ist die Arbeit deutlich abwechslungsreicher, aufregender und bereichernder, wenn Landesgrenzen überschritten werden, um zum Beispiel Menschen in Entwicklungsländern medizinisch zu versorgen. Das Gehalt kann je nach Organisation, Einsatzort, Erfahrung und Verantwortung variieren. Im Allgemeinen liegt die monatliche Vergütung für medizinisches Personal bei internationalen Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, dem Deutschen Roten Kreuz oder anderen NGOs oft im Bereich von etwa 2.000 bis 5.000 Euro brutto.
In Ländern mit gehobeneren Lebenshaltungskosten oder in Krisengebieten kann das Gehalt höher ausfallen. Häufig werden Zulagen für besonders gefährliche Einsätze gewährt.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Tropenmedizin?
Vor allem in Hinblick auf die globale Erwärmung wird die Tropenmedizin in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Bisher auf den globalen Süden begrenzte Erkrankungen wie Malaria oder Dengue-Fieber werden immer häufiger auch in europäischen Breitengraden diagnostiziert.
Darüber hinaus steigen die Mobilitätszahlen: Viele Menschen verreisen in tropische Regionen und beanspruchen reise- und tropenmedizinische Beratungen, Untersuchungen, Impfungen und im Falle einer Infektion sogar Behandlungen.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Tropenarzt?
Die Weiterbildung zum Tropenarzt kann sich lohnen. Mit einer Zusatzqualifikation in der Tropenmedizin können Ärzte besondere Beratungen, Untersuchungen und Behandlungen anbieten, was sich positiv auf Gehalt und Reputation auswirkt. Ist das Interesse an der Tropenmedizin groß, kann man in tropenmedizinisch spezialisierten Zentren wie Tropeninstituten arbeiten.
Vor allem die Arbeit bei internationalen Hilfsorganisationen kann den Arbeitsalltag erheblich bereichern. Die medizinische Versorgung von Menschen in Entwicklungsländern ist für viele Ärzte sehr erfüllend. Reisen in den tropischen Süden können den eigenen Horizont erweitern und den Arbeitsalltag aufregend und abwechslungsreich gestalten.
FAQs
Was macht ein Tropenarzt?
Tropenärzte haben eine Zusatzqualifikation in der Tropenmedizin und sind Experten für die medizinische Begleitung und Versorgung in Bezug auf Krankheiten und Gesundheitsrisiken, die mit dem Besuch tropischer Länder in Verbindung stehen. Sie beraten Menschen vor Reisen, führen Tropentauglichkeitsuntersuchungen durch und verabreichen Schutzimpfungen. Hat sich ein Reisender mit einer Krankheit wie Malaria oder Ebola infiziert, ist er bei einem Tropenmediziner in besten Händen.
Wie wird man Tropenarzt?
Um die Zusatzbezeichnung Tropenmedizin zu erhalten, muss man eine Zusatzweiterbildung absolvieren. Zulassungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und 24 Monate Erfahrung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung. Die Weiterbildung kann in deutschen Kliniken mit Abteilungen für Infektionskrankheiten und Reisemedizin oder in einer medizinischen Einrichtung im Tropenland selbst absolviert werden (z. B. im St. Francis Referral Hospital, Tansania). Für die Vermittlung ist es ratsam, sich bei einem der großen Tropeninstitute zu melden, z. B dem Bernhard-Nocht-Institut Hamburg.
Wie viel verdient ein Tropenarzt?
Die Zusatzbezeichnung Tropenmedizin kann sich positiv aufs Gehalt auswirken: Mit zusätzlichen Leistungen wie Tropentauglichkeitsuntersuchungen, Impfungen und reisemedizinischen Beratungen ist es möglich, seinen Verdienst anzuheben. Die monatliche Vergütung für medizinisches Personal bei internationalen Hilfsorganisationen wie z. B: Ärzte ohne Grenzen liegt zwischen 2.000 und 5.000 Euro brutto monatlich.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Tropenarzt?
Die Weiterbildung zum Tropenarzt dauert in der Regel 1 bis 2 Jahre.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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