Menschen, die sich auf das Gebiet der Virologie – die Wissenschaft und Lehre von den Viren – spezialisiert haben und in diesem Bereich arbeiten, bezeichnet man als Virologen. Doch die Bezeichnung wird nicht allen Virologen gerecht. Viele von ihnen verfügen nicht nur über Wissen im Bereich Virologie – sie sind ebenfalls Experten in den Bereichen Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und verfügen über eine breite Fachexpertise.
Sind Virologen gleich Ärzte?
Bei Virologen handelt es sich nicht zwangsläufig um Ärzte. Einige Virologen haben ein naturwissenschaftliches Studium (z. B. Biologie) absolviert und sich im Studienverlauf auf die Virologie spezialisiert. Eine weitere Möglichkeit ist der Anschluss eines Masters in der Virologie oder die Wahl von Virologie-Modulen im Rahmen des Masters in der Zell- und Molekularbiologie.
In diesem Artikel geht es um Ärzte, die ein Medizinstudium abgeschlossen und im Anschluss die Facharztausbildung in der Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie abgeschlossen haben. Sie verfügen über eine umfangreiche medizinische Ausbildung, mit der sie auch patientenbezogene Forschung durchführen und an der Entwicklung von neuen Therapiemethoden und Medikamenten mitwirken können. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium mit dem Schwerpunt Virologie liegt der Fokus mehr auf Grundlagenforschung, Laborarbeit und wissenschaftlicher Analyse, die klinische Arbeit ist ausgeschlossen und das Gehalt im Vergleich zu Ärzten geringer.
Was zeichnet die Arbeit als Virologe aus?
Die Facharztausbildung in der Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie bietet sich vor allem für Menschen an, die ärztlich arbeiten wollen, jedoch nur einen kleinen Teil ihres Berufsalltags in der direkten Patientenversorgung verbringen möchten. Denn Virologen trifft man hauptsächlich in Laboren. Sie verbringen ihren Arbeitstag mit der Diagnostik, Überwachung und Erforschung von Infektionskrankheiten. Nur in speziellen Fällen entnehmen sie Proben bei Patienten. Ihre Rolle ist eher die des Beraters und Experten im Hintergrund. Sie stehen im engen Kontakt mit den ärztlichen Kollegen aus der direkten Patientenversorgung und beraten bezüglich Diagnosemethoden, Therapieverfahren, Infektionskontrolle oder bei Fragen zum Thema Impfschutz. Zudem stehen sie im Austausch mit Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst, vor allem, wenn es darum geht, Infektionskrankheiten zu erkennen und ihre Ausbreitung zu verhindern.
Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie arbeiten in der sogenannten Translationalen Medizin (Übersetzende Medizin), gerne auch Bench-to-Bedside-Medizin (vom Labor zum Patientenbett) genannt. Das heißt, sie bilden die Schnittstelle zwischen Forschung und medizinischer Praxis und tragen dazu bei, dass wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Labor in den Klinikalltag übertragen werden.
Worin liegen die Aufgaben eines Virologen?
Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie haben sich auf die Untersuchung und Behandlung von Infektionskrankheiten spezialisiert. Zu ihren Aufgaben gehört die Labordiagnostik, also die Durchführung von Laboruntersuchungen zur Diagnose von Infektionen, dazu gehören:
- Bakteriologische und virologische Untersuchungen: Zur Identifizierung von Bakterien und Viren
- Resistenztestungen: Zur Bestimmung der Antibiotikaresistenz von Bakterien
- Infektionsserologische Untersuchungen: Für den Nachweis von Antikörpern und Antigenen im Blut
- Mikroskopische Untersuchungen: Für den Nachweis von Mikroorganismen in Gewebe oder Flüssigkeiten
- Molekularbiologische Untersuchungen: Für die Identifizierung von Erregern mit Hilfe von Genom-Analysen
Zudem entwickeln sie Maßnahmen zur Prävention von Infektionen, darunter auch Hygiene-Konzepte für Krankenhäuser, und kümmern sich um die Infektionssurveillance, also die Überwachung von Infektionen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen.
Wo arbeiten Virologen?
Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 845 Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie.
Diese arbeiten in verschiedenen Einrichtungen, je nach Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Dazu zählen zum Beispiel Krankenhäuser und Kliniken – dort findet man sie in mikrobiologischen oder virologischen Abteilungen, in denen sie bei der Diagnostik von Infektionskrankheiten helfen, Proben analysieren und Behandlungen begleiten. Hauptsächlich arbeiten sie aber in Laboratorien, die entweder Teil eines Krankenhauses sind oder zu unabhängigen Einrichtungen gehören. Einige Virologen sind auch für Gesundheitsämter tätig, um Infektionskrankheiten zu überwachen und bei einem Ausbruch Maßnahmen zu verordnen.
Wie wird man Virologe?
Nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, gemäß § 3 der Bundesärzteordnung (BÄO), kann man eine Facharztausbildung im Bereich Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie abschließen. Diese umfasst in Deutschland 5 Jahre, die exakten Regelungen variieren je nach Bundesland. Die fachärztliche Ausbildung kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen hauptsächlich Unikliniken und Medizinische Versorgungszentren (MVZs).
Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Facharztausbildung 60 Monate Ausbildung in Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie an befugten Weiterbildungsstätten, davon können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in den Bereichen Hygiene und Umweltmedizin, Laboratoriumsmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Transfusionsmedizin oder in der Zusatz-Weiterbildung Infektiologie erfolgen.
Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich zur Weiterbildung befugte Kliniken und Praxen anzeigen zu lassen.
Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?
Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.
Der Weiterbildungskatalog der Bundesärztekammer beinhaltet einige spannende Zusatzweiterbildungen, die man als Ergänzung zu einem Facharzttitel abschließen kann, um eine entsprechende Zusatzbezeichnung zu erlangen. Für Virologen kommt die Zusatzweiterbildung in der Infektiologie in Frage, damit sie ihr Know-How in der Diagnose, Therapie und Prävention komplexer Infektionskrankheiten erweitern können. Zudem können sie die Zusatzbezeichnung Labordiagnostik erwerben, um die Diagnose von Erkrankungen mittels Analyse von Blut, Gewebe und Körperflüssigkeiten zu optimieren. Beide Zusatzweiterbildungen nehmen 12 Monate in Anspruch.
Auch die Bereiche Hygiene und Infektionsprävention, Epidemiologie, Molekulare Diagnostik, Transfusionsmedizin oder Öffentliches Gesundheitswesen, kommen für eine Schwerpunktsetzung in Frage.
Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) und die Deutsche Gesellschaft für Virologie bieten diverse Fortbildungsveranstaltungen an. So organisieren sie beispielsweise Workshops zu neuen Diagnostikmethoden (z. B. PCR-Techniken) oder E-Learning-Kurse zu aktuellen Themen wie Antibiotic Stewardship, Resistenzentwicklung und Impfstoffentwicklung.
Für das Selbststudium empfiehlt sich das Virology Journal.
Wie viel verdient ein Virologe?
Das konkrete Gehalt eines Virologen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Schichtarbeit kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich anheben.
Virologen in ambulanten Bereichen verdienen zwischen 4.500 und 8.500 Euro brutto monatlich, wobei individuelle Faktoren stark variieren können. In Ballungsräumen wie Berlin, München oder Frankfurt sind die Gehälter tendenziell höher.
Im öffentlichen Gesundheitsdienst richtet sich das Gehalt in der Regel nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) oder dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Das Einstiegsgehalt für einen Facharzt liegt bei etwa 5.000 bis 5.500 Euro brutto im Monat und kann mit zunehmender Berufserfahrung und Verantwortungsübernahme auf bis zu 7.000 Euro oder mehr steigen.
Welche Zukunftsperspektiven hat das Fachgebiet?
Die Zukunftsperspektiven für das Fachgebiet der Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sind vielversprechend.
Die COVID-19-Pandemie hat das Bewusstsein in Bezug auf die Wichtigkeit der Virologie und Infektionsepidemiologie deutlich erhöht. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach Experten weiter steigt, um zukünftige Pandemien frühzeitig erkennen und zu managen zu könne.
Fortschritte in der Molekularbiologie und Genomsequenzierung sowie die wachsenden Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz ermöglichen schnellere und präzisere Diagnosen und tragen zur Entwicklung neuer Impfstoffe und antiviraler Medikamente bei.
Zudem zeichnet sich die Entwicklung ab, dass immer mehr Menschen resistent in Bezug auf Antibiotika werden. Das stellt den Fachbereich vor eine große Herausforderung und erfordert innovative Ansätze der Mikrobiologie, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln und die öffentliche Gesundheit zu schützen.
Der Trend in allen medizinischen Fachgebieten geht hin zur verstärkten interdisziplinären Zusammenarbeit. Die Verknüpfung von Mikrobiologie, Epidemiologie, Umweltwissenschaften und Data Science eröffnet ganz neue Forschungsfelder und Berufsmöglichkeiten.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Virologen?
Auch wenn sich Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie eher im Hintergrund der Medizinwelt aufhalten, tragen sie hohe Verantwortung und sichern die Gesundheit der Bevölkerung. Vor allem für Ärzte, die es bevorzugen, außerhalb des Spotlights zu arbeiten und den direkten Patientenkontakt begrenzen möchten, ist die Facharztausbildung gut geeignet.
Als Virologe hat man die Möglichkeit, an bahnbrechenden Entwicklungen von Diagnostikverfahren und Therapiemethoden mitzuwirken. Ob in Kliniken, Laboren, Forschungseinrichtungen oder öffentlichen Gesundheitsämtern – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und die Nachfrage nach Fachkräften hoch.
FAQs
Was macht ein Virologe?
Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie diagnostizieren und untersuchen Infektionskrankheiten, um ihre Ursachen zu identifizieren und neue Diagnose- und Behandlungsmethoden zu entwickeln. Außerhalb vom Labor beraten sie Ärzte und Gesundheitsbehörden bei der Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen und entwickeln Strategien zur Prävention.
Wie wird man Virologe?
Um Virologe zu werden, muss man, nach Bestehen aller drei Staatsexamen des Humanmedizinstudiums und nach Erhalt der Approbation als Arzt, eine Facharztausbildung im Bereich Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie abschließen. Diese kann in befugten Weiterbildungsstätten wie Unikliniken oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZs) absolviert werden. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, in die man Facharztbereich und Stadt eingeben kann, um sich Weiterbildungsstätten anzeigen zu lassen.
Wie viel verdient ein Virologe?
Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Virologen in ambulanten Bereichen verdienen zwischen 4.500 und 8.500 Euro brutto monatlich. In Ballungsräumen wie Berlin, München oder Frankfurt sind die Gehälter tendenziell höher.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Virologen?
Die Ausbildung zum Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie nimmt in der Regel 5 Jahre in Anspruch.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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