Medizinstudium in Deutschland

Die Zentrale Eignungsquote

Von Jana Detscher5 Min. Lesezeit
Studierende beim Eignungstest – Die Zentrale Eignungsquote (ZEQ)

Du wolltest schon immer Medizin studieren und dann sind die Prüfungen nicht so gelaufen wie geplant. Der Traum scheint geplatzt, Plan B muss her … Oder eher Plan D. Aber Moment mal, das muss nicht sein. Auch wenn Du kein 1,0-Abi hast, gibt es Hoffnung – und zwar mit der Zentralen Eignungsquote. Hier erklären wir Dir, was das ist und wie Du damit Deine Chancen erhöhst, doch noch einen Platz zu bekommen.

Über die Abiturbestenquote kommen, anders als viele denken, nur 30 Prozent der Bewerber an einen Studienplatz in Humanmedizin. Überraschend, oder? Wo es doch immer heißt, ohne den NC hätte man gar keine Chance. Zugegeben, auch beim Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH), mit dem 60 Prozent der Plätze vergeben werden, spielen die Noten eine wichtige Rolle. Aber da bleiben immerhin noch zehn Prozent übrig. Und das ist der Weg, über den Du an einen Studienplatz kommen kannst und bei dem der Abischnitt völlig egal ist: Die Zentrale Eignungsquote (ZAQ).

Wie funktioniert die Zentrale Eignungsquote?

Die ZEQ ist seit 2020 ein Teil des Auswahlverfahrens zur Zulassung zum Medizinstudium. Sie ersetzt die Wartezeitquote, die es bis dato gab. Dabei geht es um ein schulnotenunabhängiges Verfahren, dessen konkrete Ausgestaltung in den Händen der jeweiligen Universität liegt. Wenn Du Dich für einen Studienplatz bewirbst, nimmst Du automatisch an allen Quoten teil.

Insgesamt gibt es in der ZEQ 100 Punkte zu vergeben, die auf mehrere Kriterien verteilt werden können – das ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich.

Viele Universitäten vergeben Punkte für anerkannte Berufserfahrung und Freiwilligendienste. Welche Bereiche genau dazu zählen, kannst Du bei Hochschulstart nachlesen. Für Wartesemester bekommst Du seit 2022 keine Punkte mehr.

Der TMS: Schlüssel für die ZEQ

Nun aber zu dem Bestandteil, der bei fast allen Unis unverzichtbar ist, wenn man Chancen haben will, über die ZEQ an einen Studienplatz zu kommen: der medizinische Eignungstest. Und auch beim AdH ist er ein Kriterium, das stets berücksichtigt wird. Die Teilnahme lohnt sich also auf alle Fälle.

Abgesehen von der Uni Hamburg, die eigene Testverfahren hat, ist der sogenannte Test für Medizinische Studiengänge (TMS) das Mittel der Wahl, um die Eignung der Bewerber festzustellen. In der Regel ist der Test freiwillig, aber wenn Du keinen 1,0-Schnitt mitbringst, erhöht er Deine Chancen enorm. Etwa die Uni Köln füllt die Plätze, die über die ZEQ vergeben werden, mit den Bewerbern, die die besten Testergebnisse vorweisen können – ungeachtet aller anderen Faktoren.

Der Test wurde entwickelt, um Fähigkeiten, die im Studium und später im Arztberuf von Bedeutung sind, zu prüfen. Dazu gehören Konzentrationsfähigkeit, Logisches Denken und Merkfähigkeit.

Anmeldung und Ablauf

Da der TMS ein zentraler Test ist, kann er zweimal im Jahr an mehreren Testorten gleichzeitig absolviert werden. In der Regel sind die Termine Anfang Mai und Anfang November, der Anmeldezeitraum findet einige Monate im Voraus statt und erfolgt auf der Seite des Veranstalters. Die Anmeldung kostet 100 €, wobei eventuell noch Fahrtkosten hinzukommen – oft sind nur noch Plätze in anderen Städten verfügbar.

Die Bearbeitungszeit für alle 158 Aufgaben beträgt etwas mehr als fünf Stunden. Der TMS ist in acht Untertests gegliedert, von denen fünf vormittags und nach einer Mittagspause die restlichen drei bearbeitet werden.

In diesen Untertests, die in festgeschriebener Reihenfolge in einer bestimmten Zeit absolviert werden, wird jeweils eine bestimmte Art von Aufgaben bearbeitet: Manche zielen auf das Grundverständnis medizinisch-naturwissenschaftlicher Prinzipien, Texte, und Diagramme, auch mathematische Problemlösung gehört dazu. Ein wesentlicher Teil umfasst aber auch allgemeine kognitive Fähigkeiten wie das räumliche Vorstellungsvermögen, die Merkleistung und die Zuordnung von visuellen Mustern.

Klingt ganz schön anstrengend – ist es auch. Eine hohe Konzentrationsfähigkeit ist allein für das lange Testverfahren unverzichtbar.

Hat’s gereicht? Die Ergebnisse

Insgesamt ist für jede der 158 Aufgaben ein Punkt zu holen, wobei der TMS so konstruiert ist, dass in der Regel nicht alle Aufgaben bearbeitet werden können – dazu reicht die Zeit nicht. Im Schnitt schafft eine Person 60 Prozent der Aufgaben.

Ob sich die Bewerbung um einen Studienplatz der ZEQ mit Deinem Ergebnis lohnt, hängt allerdings nicht von der Punktzahl selbst ab, sondern von Deinen Mitbewerbern: Als Ergebnis wird Dir eine Prozentzahl angezeigt. Diese zeigt, wie Du im Vergleich zu anderen abgeschnitten hast. Ein Prozentrang von über 80 Prozent wird als gut angesehen – je höher, desto besser sind Deine Chancen.

Die richtige Vorbereitung

Allerdings gilt es zu beachten, dass viele versuchen, über den TMS ihre Chancen auf einen Studienplatz zu verbessern – im letzten Durchlauf haben mehr als 15.000 den Test absolviert. Zur Erinnerung: Genauso viele Studienplätze gab es zu besetzen und nur 10 Prozent davon über die ZEQ. Wenn Du schon einen sehr guten Schnitt und vielleicht weitere Qualifikationen mitbringst, liegt es in Deinem Ermessen, wie viel Aufwand sich lohnt: Denn in diesem Fall kannst Du über das AdH einen Platz zu ergattern – mit dem TMS erhöhst Du auch hier die Chancen. Und viele machen den Test, um einfach auf Nummer sicher zu gehen.

Wenn Du es dagegen mit einem durchschnittlichen Abitur schaffen willst, solltest Du wirklich viel Zeit in die Vorbereitung stecken, um mit dem Ergebnis glänzen zu können – denn der Test kann nur einmal im darauffolgenden Durchlauf wiederholt werden.

Mindestens vier Monate solltest Du Dir Zeit nehmen, in denen Du einige Stunden täglich in die Vorbereitung investieren kannst – zumindest, wenn es Deine Chancen maßgeblich von dem Testergebnis abhängen. Es gibt viele Lernmaterialien und Online-Tools, mit denen Du optimal auf den Test vorbereitet wirst.

Die Chance ohne 1,0

Die ZEQ kann für diejenigen, die keinen Top-Abschluss mitbringen, der absolute Gamechanger sein. Es zu versuchen lohnt sich allemal: Bewerben allein kostet nichts. Den unverzichtbaren TMS solltest Du aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. Er erfordert viel Vorbereitung und auch starke kognitive Fähigkeiten, um mit dem Ergebnis hervorzustechen. Nimm Dir also ausreichend Zeit und sei ehrlich mit Dir – dann ist die ZEQ eine faire Chance, die mit einer Strategie und gezielter Vorbereitung zum Erfolg führt.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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