Das Medizinstudium ist kein Spaziergang im Park, sondern eher wie ein langer Roadtrip mit vielen Stopps, Umwegen und ab und zu einer Panne. Die Prüfungen sind dabei Deine Checkpoints. Manche sind groß und berüchtigt, wie das Physikum oder das Hammerexamen. Andere sind kleiner, wie Testate oder Semesterklausuren, aber mindestens genauso wichtig, weil sie Dich fit für die großen Brocken machen.
Am Anfang fühlst Du Dich vielleicht wie ins kalte Wasser geschmissen. Alles ist neu, viel zu viel Stoff und die Prüfungsarten ungewohnt. Aber keine Sorge, mit jeder Prüfung sammelst Du Erfahrung, wächst in Deine Rolle hinein und machst Fortschritte. Jede bestandene Klausur, jedes erfolgreich abgelegte Testat ist ein Meilenstein auf Deinem Weg zur Approbation als Ärztin oder Arzt. Am Ende ist es ein richtig gutes Gefühl, zurückzuschauen und zu sehen, was Du alles geschafft hast.
Diese Prüfungen erwarten Dich in der Vorklinik
Die ersten vier Semester bilden die Vorklinik. Hier geht es vor allem um naturwissenschaftliche Grundlagen, wie Anatomie, Physiologie, Biochemie, Physik, Chemie und Medizinische Psychologie/Soziologie.
Klausuren & Testate in der Vorklinik
In fast allen Fächern gibt es Semesterabschlussklausuren, die meistens als Multiple-Choice-Prüfungen mit 20 bis 100 Fragen pro Fach durchgeführt werden. Besonders gefürchtet sind hier zum Beispiel die Testate in Anatomie. Hier wirst Du direkt im Präpariersaal am Präparat geprüft, und zwar mündlich, praktisch und teilweise auch schriftlich. Auch in Biochemie oder Physiologie können Testate vorkommen, die zusätzlich Druck erzeugen. Wichtig zu wissen ist, dass es im Medizinstudium keine Hausarbeiten gibt. Fast alle Prüfungen sind entweder schriftlich oder mündlich-praktisch.
Das Physikum (1. Staatsexamen)
Am Ende der Vorklinik wartet die erste große Hürde, das Physikum, auf Dich. Es markiert den Abschluss der naturwissenschaftlichen Grundausbildung und ist für viele Studierende eine der ersten richtig großen Prüfungen im Medizinstudium. Bestehst Du das Physikum, hast Du die Vorklinik offiziell abgeschlossen und startest in die klinische Ausbildung.
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Schriftlicher Teil: Er besteht aus insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen, die auf zwei Tage verteilt werden, jeweils mit einer Prüfungsdauer von vier Stunden, und wird in der Regel in großen Hörsälen oder Prüfungszentren der Universität geschrieben. Die Fächer sind unterschiedlich stark gewichtet. Die Fragen prüfen sowohl reines Faktenwissen als auch das Verständnis von Zusammenhängen, zum Beispiel die Fähigkeit, biologische Mechanismen zu interpretieren oder medizinische Problemstellungen logisch zu lösen.
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Anatomie & Biologie: 100 Fragen
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Physiologie & Physik: 80 Fragen
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Chemie & Biochemie/Molekularbiologie: 80 Fragen
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Psychologie & Soziologie: 60 Fragen
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Mündlicher Teil: Er dauert etwa 45 bis 60 Minuten und wird direkt an Deiner Universität in kleinen Gruppen abgelegt. Geprüft wirst Du hier in den Fächern Anatomie, Physiologie und Biochemie/Molekularbiologie. Oft werden 2 bis 3 Fragen pro Fach gestellt, die sowohl theoretisches Wissen als auch die praktische Anwendung, z. B. am Präparat in Anatomie, abfragen. Wichtig ist, dass Du mindestens 60 % der Fragen richtig beantwortest, um den mündlichen Teil zu bestehen.
Diese Prüfungen erwarten Dich in der Klinik
Ab dem 5. Semester beginnt die klinische Ausbildung. Jetzt stehen Patient:innen, Krankheiten und Therapien im Mittelpunkt. Es bleibt aber weiterhin prüfungsintensiv.
Semesterklausuren & Objective Structured Clinical Examinations (OSCEs) in der Klinik
In der klinischen Phase gibt es in fast allen Fächern regelmäßig Klausuren, zum Beispiel in der Inneren Medizin, Chirurgie, Pädiatrie oder Gynäkologie. Diese Prüfungen finden in der Regel schriftlich als Multiple-Choice-Tests statt und überprüfen Dein Wissen über Diagnostik, Therapie und Krankheitsverläufe.
Zusätzlich führen viele Universitäten OSCEs (Objective Structured Clinical Examinations) ein, um Deine praktischen Fertigkeiten zu prüfen. Bei einem OSCE durchläufst Du mehrere Prüfungsstationen, an denen verschiedene Aufgaben gestellt werden. Dazu gehört zum Beispiel das Blutabnehmen, das Führen von Aufklärungsgesprächen, das Anlegen von Verbänden, das Durchführen körperlicher Untersuchungen oder das Interpretieren von EKGs. Jede Station wird von Prüfer:innen nach klaren Kriterien bewertet, zum Beispiel nach Richtigkeit der Untersuchung, Hygieneverhalten oder kommunikativer Kompetenz. OSCEs sind praxisnah, standardisiert und objektiv, sodass Dein Können im Umgang mit Patient:innen realistisch getestet wird.
Durch die Kombination aus Klausuren und OSCEs wirst Du nicht nur auf die theoretische Arbeit als Ärztin oder Arzt vorbereitet, sondern trainierst auch, Dein Wissen direkt in der klinischen Praxis anzuwenden.
Das Hammerexamen (2. Staatsexamen)
Nach dem 10. Semester steht mit dem Hammerexamen die nächste große Hürde im Medizinstudium bevor. Es markiert das Ende des klinischen Studienteils und prüft, wie gut Du das Wissen und die Fertigkeiten aus der Klinikphase beherrschst. Bestehen ist Voraussetzung, um in das Praktische Jahr (PJ) starten zu können.
Das Hammerexamens besteht aus insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen, die auf drei aufeinanderfolgende Tage verteilt werden, jeweils mit einer Prüfungsdauer von fünf Stunden. Die Fragen decken alle klinischen Fächer ab, von Innerer Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Pädiatrie bis hin zu Wahlfächern wie Arbeitsmedizin, Urologie oder HNO. Es werden nicht nur Fakten, sondern auch die Fähigkeit zur klinischen Problemlösung geprüft. Du musst Diagnosen stellen, Therapieoptionen abwägen und typische Krankheitsverläufe beurteilen können. Die Vorbereitung auf das Hammerexamen ist intensiv und erfordert oft mehrere Monate konzentrierten Lernens.
Das Hammerexamen gilt als „echter Brocken“, weil es die gesamte klinische Ausbildung auf einmal abfragt. Wer diese Prüfung erfolgreich meistert, hat die theoretischen Grundlagen für die Arbeit als Arzt oder Ärztin vollständig abgeschlossen und kann in das Praktische Jahr starten, in dem die praktische Arbeit am Patienten im Vordergrund steht.
Diese Prüfungen erwarten Dich im und nach dem Praktischen Jahr (PJ)
Das Praktische Jahr (11.–12. Semester) findet vollständig in der Klinik oder Praxis statt. Du arbeitest wie ein Arzt oder eine Ärztin in Ausbildung und lernst den Klinikalltag hautnah kennen.
Leistungsnachweise im PJ
Im Praktischen Jahr gibt es zwar kein klassisches „Klausurenfeuerwerk“ wie in der Vorklinik oder Klinik, aber ganz prüfungsfrei bist Du nicht. Viele Universitäten verlangen verpflichtende Logbücher oder Zwischenbewertungen, in denen Deine praktischen Fertigkeiten, Dein Engagement auf Station und Deine Fortschritte dokumentiert werden. Außerdem werden häufig kleinere Prüfungen oder Mini-OSCEs abgehalten, bei denen z. B. Untersuchungstechniken, Anamnesegespräche oder Fallvorstellungen überprüft werden.
3. Staatsexamen (mündlich-praktisch)
Am Ende des Praktischen Jahres (PJ) steht das 3. Staatsexamen, die letzte große Prüfung im Medizinstudium. Es überprüft, ob Du das im PJ erworbene Wissen und die praktischen Fähigkeiten sicher anwenden kannst. Bestehen ist Voraussetzung für die Approbation.
Die Prüfung dauert in der Regel zwei Tage und findet an Deiner Universitätsklinik oder in einem Lehrkrankenhaus statt. Geprüft wird in drei großen Fächern, meist Innere Medizin, Chirurgie und Deinem Wahlfach, zum Beispiel Allgemeinmedizin, Pädiatrie oder Gynäkologie. Zusätzlich wird ein zugelostes Fach geprüft, etwa Anästhesie, Radiologie oder Neurologie.
Das Examen kombiniert theoretische und praktische Anteile. Du musst Fragen zu Diagnostik, Therapie und klinischem Vorgehen beantworten und gleichzeitig Deine Fähigkeiten direkt am Patienten demonstrieren. Dazu gehören körperliche Untersuchungen, Befunderhebungen und die Vorstellung eines Falles. Die Prüfer:innen achten dabei auf korrektes Vorgehen, klinisches Denken, Kommunikation und Professionalität im Umgang mit Patient:innen.
Bestehst Du diese letzte Prüfung, darfst Du Dich offiziell Arzt oder Ärztin nennen. Das 3. Staatsexamen ist somit der krönende Abschluss Deines Medizinstudiums und markiert den Übergang vom Studierenden zum praktizierenden Arzt.
Tipps zum Umgang mit Prüfungen im Medizinstudium
Prüfungen kommen geballt. Ein durchdachter Lernplan hilft dabei, den Überblick zu behalten. Übe außerdem das Kreuzen, indem Du Altexamen und Lernplattformen nutzt, um die Denkweise des IMPP besser zu verstehen. Für mündlich-praktische Prüfungen ist praktisches Training mit Kommiliton:innen besonders wertvoll, zum Beispiel das Üben von Untersuchungstechniken. Finde Lernstrategien, die für Dich am besten funktionieren, sei es mit Karteikarten, Gruppenlernen, Skripten oder digitalen Tools.
Fazit
Das Medizinstudium ist stark geprägt von Prüfungen in verschiedensten Formen, kleine und große, schriftliche, mündliche und praktische. Die wohl bekanntesten und gefürchtetsten Meilensteine sind das Physikum, das Hammerexamen und das mündlich-praktische 3. Staatsexamen. Dazwischen warten zahlreiche Klausuren, Testate, OSCEs und andere Leistungsnachweise, die den Stoff vertiefen und Dich Schritt für Schritt auf die großen Prüfungen vorbereiten. Jede erfolgreich abgelegte Klausur oder jedes bestandene Testat ist ein kleiner Sieg und ein wichtiger Schritt Ärztin oder Arzt zu werden. Mit einer guten Vorbereitung, klugen Lernstrategien und Durchhaltevermögen wirst Du diese Etappen meistern. Gleichzeitig lohnt es sich, Unterstützung bei Kommiliton:innen, Mentor:innen oder Tutoren zu suchen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu motivieren. Am Ende wirst Du zurückblicken und feststellen, dass all die Mühe und Anstrengung Dich enorm weitergebracht hat.

Dr. rer. nat. Anne Schneider
Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.
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