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Duales Medizinstudium: Gibt es das überhaupt?

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Studierende zwischen Hörsaal und Klinik – Duales Medizinstudium: Gibt es das überhaupt?

Dein Herz schlägt für die Medizin, aber eine lange Ausbildung, bei der Du die meiste Zeit in Vorlesungen und hinter Büchern sitzt – das klingt nicht sonderlich attraktiv für Dich? Lieber direkt mit anpacken und dabei auch noch Geld verdienen wünschen sich viele. Aber wie ist das eigentlich mit dem dualen Studium? Geht das in der Medizin überhaupt?

Praxiserfahrung ist für den Arztberuf essenziell und es gibt immer mehr duale Studiengänge – ob in der Pflege, der Betriebswirtschaft oder im Maschinenbau: In vielen Berufen ist es mittlerweile durchaus üblich, während der Ausbildung bereits einige Tage in einem Unternehmen zu arbeiten und nur einen Teil der Zeit in der Hochschule zu verbringen. In der Humanmedizin ist das ein wenig anders. Das Studium ist sehr stark strukturiert und erfordert extrem viel Zeit und Lernaufwand. Deshalb lautet die Antwort: Jein.

Zum Staatsexamen kommst Du über ein klassisches duales Studium mit Gehalt und Teilzeit-Uni nicht. Allerdings gibt es andere Wege, Studium und Praxis miteinander zu kombinieren.

Praxisnah – (noch) nicht dual: Modellstudiengang Medizin

Die strikte Trennung zwischen Theorie und Praxis im klassischen Medizinstudium wird schon lange kritisiert. Daher gibt es in Deutschland aktuell auch den Modellstudiengang Medizin, bei dem ein neustrukturiertes Curriculum mit stärkerer Praxisorientierung geboten wird. Er bietet einen besseren Zugang durch themenfokussierte Fachblöcke und Lernen am Fallbeispiel. Außerdem soll er den Lernstress im Vergleich zum klassischen Studium reduziert sein, da hier mehrere kleine Prüfungen absolviert werden. Der genaue Aufbau unterscheidet sich je nach Hochschule. Ziel ist es, theoretische Inhalte frühzeitig mit praktischen Erfahrungen zu verknüpfen. Mittlerweile wird der Modellstudiengang an vierzehn deutschen Universitäten angeboten. Ein Nachteil: Der Wechsel zwischen Modell- und Regelstudiengang ist kaum möglich.

Auch in einigen anderen Ländern kommen Medizinstudiengänge dem dualen Aufbau zumindest näher: Das bedeutet auch in diesem Fall, dass mehr Wert auf eine frühe Integration in die klinische Praxis gelegt wird. Außerdem sind hier die Zugangshürden oft geringer als in Deutschland.

Arztassistenz werden – mit einem dualen Studium

Wenn Dir der Titel nicht das Wichtigste an Deinem Traumjob ist, könntest Du diesem durch verwandte Berufsbilder näherkommen – zum Beispiel mit einer dualen Ausbildung zum Physician Assistant (deutsch: Medizinassistenz oder Arztassistent). Während sich dieser Beruf in Ländern wie den USA, den Niederlanden und Großbritannien schon längst etabliert hat, wurde der Studiengang in Deutschland erst 2005 eingeführt. Wie der Name es schon sagt, übernimmst Du als Physician Assistant Aufgaben, die den Arzt entlasten und assistierst ihm – sowohl im Prozess- und Dokumentationsmanagement als auch in patientenbezogenen Tätigkeiten. Du brauchst dazu viel medizinisches Fachwissen und übernimmst auch delegierte ärztliche Tätigkeiten in Eigenverantwortung. Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit besteht zudem aus organisatorischen Aufgaben und Dokumentation.

Das Bachelorstudium wird an vielen privaten, aber auch einigen staatlichen Hochschulen angeboten. Währenddessen wirst Du bereits bei Deinem Praxispartner in den Berufsalltag integriert und erhältst in der Regel ein festes Gehalt. Ein weiterer Bonus: Der NC muss nicht so hoch sein wie für das Medizinstudium.

Auch medizinnahe Studiengänge wie Medizintechnik und Gesundheitsmanagement können dual absolviert werden.

Ausbildung plus Medizinstudium – maximale Praxiserfahrung

Willst Du unbedingt den offiziellen Arzttitel, bleibt nur das Medizinstudium – und dieses muss in Vollzeit an einer Hochschule absolviert werden. Aber es gibt trotzdem Möglichkeiten, von Anfang an möglichst viel in der Praxis zu arbeiten.

Eine gute Möglichkeit ist es, bereits mit einer medizinischen Ausbildung in das Studium zu starten – z.B. als Notfallsanitäter oder Arzthelfer. So kannst Du bereits früh Erfahrungen in der Patientenversorgung sammeln. Mit einer Ausbildung findest Du außerdem leicht einen Nebenjob im medizinischen Bereich, der einen Ausgleich zum theoretischen Studium liefert. Wenn Du beispielsweise nebenbei in einer Klinik arbeitest, wirst Du sicher auch mit Kontakten zu den besten Famulaturen und den Berufseinstieg belohnt. Zudem lässt sich die Berufsausbildung auch als das Krankenpflegepraktikum anrechnen, das Medizinstudierende vor dem Physikum absolvieren müssen.

Und falls Du unsicher bist, ob das mit dem Studienplatz etwas wird: Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung erhöhen sich Deine Chancen enorm. Deshalb ergreifen auch viele, deren NC nicht für den direkten Studienstart ausreicht, diesen Weg.

Viele Wege führen zum Ziel

Und zu guter Letzt: Auch das klassische Medizinstudium besteht mitnichten nur aus trockener Theorie. Bereits das Pflegepraktikum vor dem Physikum bringt Dich auf die Station und zu den Patienten. Mit den Famulaturen und dem Praktischen Jahr besteht dann ein nicht geringer Anteil des Studiums aus der Arbeit direkt vor Ort.

Auch wenn es das klassische duale Medizinstudium aktuell noch nicht gibt: Wenn Du Wert auf eine praxisnahe Ausbildung legst, gibt es einige Wege, Dein medizinisches Interesse mit diesem berechtigten Anliegen zu verbinden – sei es über eine vorherige Ausbildung oder alternative Studiengänge. Wichtig ist, dass Du Dir früh genug überlegst, welche Form der Ausbildung am besten zu Deinen persönlichen Zielen passt.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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