Wer es zu einem der wenigen Plätze der Humanmedizin geschafft hat, hat selten viel Zeit zum Durchatmen. Dass das Studium anspruchsvoll ist, ist allseits bekannt – da warten noch einige Hürden, die es zu meistern gilt. Einigen kommen schon vor dem Studium Zweifel: Lohnt sich das Anfangen überhaupt? Oder schaffen es sowieso nur wenige bis zum Arztberuf?
Oft liegen zwischen der Gewissheit, dass man einen Studienplatz erhalten hat, und dem Semesterstart nur wenige Wochen – und dann geht es direkt los mit dem Pauken. Viel Zeit für Entspannung bleibt da nicht und viele realisieren erst jetzt, dass in den nächsten sechs Jahren einiges auf sie zukommt: Viel Lernstoff, in den Semesterferien Praktika und dann noch ganze drei Staatsexamen. Das klingt nach Kämpfen und Zweifeln – was, wenn man am Ende die Prüfungen dann nicht besteht?
„Durchgefallen“ – was heißt das?
Zuerst einmal: Wenn Du eine der Prüfungen nicht bestehst, bedeutet das nicht, dass es gleich vorbei ist mit dem Traumjob. Zwar musst Du die Prüfungen irgendwann erfolgreich abgeschlossen haben, um im Studium weiterzukommen, aber es gibt noch zwei weitere Versuche: In der Regel musst Du es im dritten Anlauf schaffen, um nicht für weitere Ärztliche Prüfungen in Deutschland gesperrt zu werden. Die Durchfallquote bezieht sich hier also auf die Anzahl Studierender, die eine Prüfung endgültig oder beim ersten Mal nicht schaffen.
Und die gute Nachricht: Dass es zu einer Exmatrikulation aufgrund von Nichtbestehen kommt, ist seltener als gedacht. Wer das Medizinstudium nicht bis zum Ende durchzieht, hat sich in den meisten Fällen bewusst für einen Abbruch oder einen Studiengangwechsel entschieden.
Durchfallquoten bei den Staatsexamina
Wahrscheinlich weißt Du schon, dass Du es im Medizinstudium mit mehreren großen Prüfungen aufnehmen musst: Neben den kleineren Prüfungen, die während des Semesters stattfinden, graut es vielen vor allem vor den drei Abschnitten der Ärztlichen Prüfung. Zurecht?
Das Physikum ist schon nach dem vorklinischen Abschnitt, also nach dem vierten Semester, fällig. Das sogenannte „Hammerexamen“ gilt als das herausforderndste und hier sind auch die Durchfallquoten am höchsten: Im Schnitt fallen etwa 10 bis 16 Prozent durch, wobei die Zahlen von Uni zu Uni sehr stark variieren. Besonders an den privaten Hochschulen in Erfurt, Berlin und Hamburg bestehen viele nicht im ersten Versuch – hier ist es durchaus üblich, dass über ein Drittel nicht besteht. Das erste Staatsexamen gilt nicht zuletzt deshalb als die schwerste Hürde im Studium, weil hier die Grundlagenfächer geprüft werden und der Stoff sehr theorielastig ist. Fächer wie Biochemie, Physik und Physiologie sind für das weitere medizinische Verständnis zwar essenziell, weichen aber oft stark von den Erwartungen an das Studium ab.
Etwas anders sieht es dabei aus, wenn man in einem sogenannten Modellstudiengang studiert: Hier wird das klassische Physikum durch mehrere Modulprüfungen ersetzt. Das führt tendenziell nicht nur zu niedrigeren Durchfallquoten, sondern auch zu einer Entzerrung des Lernpensums, was für viele entlastend ist.
Die beiden weiteren Staatsexamina lassen sich für die viele deutlich besser meistern. Am Ende der Klinik (fünftes bis zehntes Semester) und nach dem Praktischen Jahr wird zwar nicht unbedingt weniger von Dir erwartet; aber auch wenn der Stoff weiterhin umfangreich ist, kommen viele besser damit zurecht, weil der Praxisbezug deutlich höher ist. Die Bestehensquote liegt bei beiden Abschnitten bei ganzen 97 Prozent. Ein weiterer Grund für die niedrigen Durchfallzahlen ist sicherlich auch, dass man zu diesem Zeitpunkt schon einige Gelegenheiten hatte, die eigenen Lernstrategien zu optimieren.
Die Differenz, die sich zwischen Modell- und Regelstudiengängen zeigt, verringert sich beim zweiten und dritten Staatsexamen – wobei auch hier je nach Studienstruktur Unterschiede bestehen. Teilweise schneiden hier die Modellstudiengänge sogar etwas schlechter ab. Trotzdem ist ein Nicht-Bestehen die Ausnahme.
Gründe für die hohe Bestehensquote
Unterm Strich gilt also: Im Vergleich zu anderen Studienfächern kann man von sehr niedrigen Durchfallquoten sprechen. Gerade wer den vorklinischen Abschnitt erfolgreich gemeistert hat, hat gute Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss – aber wie passt das zu den hohen Anforderungen, für die das Medizinstudium bekannt ist?
Ein Grund dafür liegt sicher in den Zugangshürden: Der hohe NC, der für das Studium in Deutschland erforderlich ist, spiegelt eine hohe Lernbereitschaft – und diese braucht man auf jeden Fall! Außerdem haben Medizinstudierende schon einiges investiert, um ihrem Traum näherzukommen, was die Motivation dranzubleiben erhöht. Und zuletzt: Viele träumen schon lange davon, im weißen Kittel Menschen zu heilen. Dieses Ziel vor Augen zu haben, hilft dabei, nicht direkt aufzugeben, wenn es brenzlig wird.
Was, wenn man doch durchfällt?
Aber auch, wenn etwas beim ersten Versuch mal nicht klappt, heißt das nicht, dass für das Studium nicht geeignet bist. Eine nicht bestandene Prüfung ist kein Versagen! Oft liegt es an der falschen Lernstrategie, aber auch Prüfungsangst oder Überforderung können die Leistung beeinträchtigen. Wenn es zu viel wird, solltest Du Dir Hilfe holen. Viele Universitäten bieten Beratung und psychologische Unterstützung an. Außerdem ist eine gute Balance zwischen Studium und Freizeit genauso wichtig wie frühzeitiges Lernen. Denn ein gesunder Ausgleich ist das A und O, um nicht die Freude an der Ausbildung zu verlieren.
Nicht einfach – aber machbar
Du musst kein Genie sein, um das Medizinstudium zu meistern – es lohnt sich auf jeden Fall dranzubleiben. Wenn Dir das nächste Mal jemand sagt, dass das Studium kaum zu meistern ist, konterst Du am besten mit einem Faktencheck. Und der zeigt: Die allermeisten schaffen es. Wenn Du an einer Hochschule mit besonders hohen Durchfallquoten im Physikum studierst, kann es sinnvoll sein, von vornherein mehr Zeit einzuplanen – ein ruhiger Kopf hilft hier mehr als auf Biegen und Brechen in Regelstudienzeit durchzuziehen. Am Ende wirst Du wahrscheinlich wie viele andere kämpfen, zweifeln – und am Ende doch bestehen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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