Wenn Du über ein Medizinstudium nachdenkst, hast Du bestimmt schon vom Physikum gehört. Das berüchtigte erste Staatsexamen gilt als die große Hürde, die es zu bewältigen gilt, um erfolgreich durchs Studium zu kommen. Aber wie viele fallen wirklich durch? Und was, wenn man es nicht schafft? Bedeutet das wirklich das Aus für den Traum vom Arztberuf?
Das größte Hindernis hast Du bereits überwunden, wenn Du in den Vorbereitungen für das Physikum steckst: Schließlich kommen je mehr als drei Bewerber auf einen Studienplatz. Die Humanmedizin gilt als einer der begehrtesten, aber auch anspruchsvollsten Studiengänge. Wer es geschafft hat, einen Platz zu ergattern, ist davor wahrscheinlich selten durch eine Prüfung gerasselt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man diese unangenehme Erfahrung jetzt macht?
Das erste Staatsexamen oder Physikum
Im Medizinstudium müssen insgesamt drei Staatsexamen absolviert werden. Beim sogenannten Physikum handelt es sich um den ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bzw. das erste Staatsexamen. Es wird nach frühestens vier Semestern abgelegt und schließt die vorklinische Phase des Studiums ab.
Durchfallquoten variieren stark
Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Selbst wenn sich viele an die Vorbereitung auf das Physikum als die anstrengendste Zeit im ganzen Studium erinnern, ist die Durchfallquote längst nicht so hoch, wie viele denken – zumindest nicht überall. Im Frühjahr 2024 lag sie bei 16,5 Prozent. Allerdings variiert sie von Universität zu Universität stark, auch, weil der vorklinische Studienabschnitt unterschiedlich gestaltet wird. Auffallend ist dabei, dass gerade die privaten Hochschulen in Hamburg, Berlin und Erfurt regelmäßig hohe Durchfallwerte von mehr als einem Drittel aufweisen. Aber auch Marburg ist mit Durchfallquoten von bis zu 48,1 Prozent ein echter Ausreißer nach oben.
Was auch überrascht: Einen fulminanten Unterschied macht es, wann die Prüfung abgelegt wird: Im Herbst 2024 und 2023 haben nur 9,5 bzw. 9,8 Prozent der Studierenden das Physikum nicht geschafft, während im Frühjahr derselben Jahre 16,5 bzw. 18 Prozent durchgefallen sind. Die genauen Gründe dafür sind unklar. Bei vielen leidet die Motivation und Konzentration aber unter der dunklen Jahreszeit und auch die vielen Feiertage sorgen für eine gewisse Trägheit. Wenn Du weißt, dass das ein entscheidender Faktor bei Dir ist, kann es durchaus sinnvoll sein, die Prüfung nach hinten zu verschieben und Dir dadurch mehr Zeit zum Lernen einzuplanen.
Die Wahrscheinlichkeit, bei einer großen Prüfung durchzufallen, im Physikum am höchsten: Die allermeisten, die es geschafft haben, beenden ihr Studium erfolgreich.
Warum ist das Physikum so anspruchsvoll?
Das erste Staatsexamen zielt auf die Vermittlung von möglichst viel Theorie aus den wichtigsten Fachgebieten und geht zu einem Drittel in die Gesamtnote ein. Es bildet somit die Grundlage für das Medizinstudium und ist aufgrund der Menge an abgefragtem Stoff so herausfordernd.
Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlich-praktischen Teil. Der schriftliche Teil umfasst 320 Fragen, die an zwei Tagen in je vier Stunden im Multiple-Choice-Format abgefragt werden. Geprüft werden die Themenkomplexe Physik und Physiologie, Chemie und Biochemie, Biologie und Anatomie sowie Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie.
Der mündlich-praktische Teil umfasst die Fächer Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie und Physiologie und findet in Kleingruppen statt. Dabei musst Du drei bis vier Dozenten für 45-60 Minuten Rede und Antwort stehen. Abgefragt werden nicht nur einzelne Prüfungsfächer, sondern auch fächerübergreifende Zusammenhänge. Außerdem erhältst Du vor der Prüfung eine praktische Aufgabe, deren Lösung Du präsentieren und begründen musst.
Die Ergebnisse der beiden Prüfungen zählen gleich viel und werden getrennt voneinander bewertet: Das bedeutet, wenn Du einen Teil nicht bestanden hast, musst Du lediglich diesen nachholen.
Alles in allem ziemlich viel – und vor allem anstrengende Theorie. Gerade für die weitestgehende Aussparung von praktischen Inhalten steht das klassische Medizinstudium in der Kritik. Für viele ist ein Modellstudiengang der richtige Weg, um von Beginn an einen besseren Zugang zum Inhalt zu ermöglichen. In diesen Studiengängen wird auch das Physikum durch mehrere Prüfungen ersetzt – und damit sinkt für viele der Druck, der mit dem Schreckgespenst „Hammerexamen“ erzeugt wird. Das schlägt sich auch in Zahlen nieder: Tendenziell bestehen hier noch etwas mehr Studierende als in den Regelstudiengängen.
Durchgefallen – und jetzt?
Erst einmal durchatmen: Der nicht bestandene Teil darf zweimal wiederholt werden. Nur wenn Du dreimal durchfällst, wirst Du für weitere Ärztliche Prüfungen in Deutschland gesperrt – das kommt aber so gut wie nie vor. Wenn Studierende das Medizinstudium nicht beenden, liegt das meistens daran, dass sie sich für einen Abbruch oder Fachrichtungswechsel entscheiden.
Wenn es beim ersten Versuch nicht gleich funktioniert, ist das noch lange kein Grund zur Panik – und auch kein Grund sich zu schämen. Denn auch wenn das Studium herausfordernd ist, bedeutet das nicht, dass Du den Anforderungen nicht gewachsen bist. Vermutlich liegt es eher an einer unzureichenden Vorbereitung. Auch Prüfungsangst oder die falsche Lernstrategie können Gründe sein.
Meistens kein Grund zur Sorge – mit der richtigen Vorbereitung
Viele verfallen gerade in stressigen Prüfungsphasen in ungesunde Verhaltensmuster und lernen dadurch weniger effektiv. Gesunde Ernährung, körperlicher Ausgleich und Pausenphasen sind wichtig, wenn Du erfolgreich sein willst – genau wie die richtige Lernstrategie. Vor allem für so umfangreiche Prüfungen wie das Physikum ist eine gute Strukturierung des Lernstoffs essenziell, um nicht den Überblick zu verlieren und Überforderung zu vermeiden. Auf Amboss findest du verschiedene Lernpläne, die Dir die Organisation erleichtern – auch einen speziellen Leitfaden für die Nutzung im Modellstudiengang findest Du hier. Es beim ersten Mal nicht zu schaffen, ist kein Drama – ebenso wenig, direkt am Anfang etwas mehr Zeit einzuplanen.
Mit einer guten Strategie zeigt sich: Respekt vor dem Physikum ist angebracht – Angst aber nicht.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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