Der Traum vom Medizinstudium – einfach nur abwarten, statt sich ins Abi zu hängen, in der Zwischenzeit die Welt bereisen oder schon mal arbeiten und Geld verdienen … So haben sich das früher vielleicht einige vorgestellt. Ganz ohne Fleiß kommt man heute aber nicht mehr zum Medizinstudium, denn Wartesemester gibt es in dieser Form nicht mehr. Hier erfährst Du, was Du stattdessen machen kannst, wenn Dein Notenschnitt nicht für das Medizinstudium reicht.
Bis zum Jahr 2022 gab es tatsächlich für alle die Möglichkeit, früher oder später an einen Studienplatz zu kommen – mitunter aber erst Jahre später. Mittlerweile gibt es eine andere Regelung: Die Zentrale Eignungsquote (ZEQ) wurde als Ersatz für die Wartezeitquote eingeführt. Auch sie bietet denjenigen, die nicht mit dem Schnitt überzeugen können, eine Chance.
Wie hat die Wartezeitquote funktioniert?
Tatsächlich klingt es zunächst sehr entspannt: 20 Prozent der Studienplätze wurden über Hochschulstart nach Wartezeitquote vergeben. Dabei entsprach ein Wartesemester einem kompletten Halbjahr, gezählt wurden dabei die Semester zwischen dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und dem Semester, für das die Bewerbung abgegeben wurde. Allerdings ging es nicht etwa um ein, zwei Jahre; wer etwa im Sommersemester 2019 einen Platz über die Quote erhalten hat, musste mindestens 15 Semester, also 7,5 Jahre gewartet haben. Und: Semester, in denen man an einer Hochschule eingeschrieben war, zählten nicht dazu. Dagegen war es durchaus möglich, eine Berufsausbildung, einen Bundesfreiwilligendienst oder Praktika zu absolvieren. Bei einer gleichen Anzahl an Wartesemestern brachte das Extra-Punkte und auch wer ein besseres Abitur mitbrachte, kam schneller zum Medizinstudium.
Warum gibt es die Wartezeitquote nicht mehr?
Mit einem Beschluss im Jahr 2020 wurde die Wartezeitquote abgeschafft. Der Grund: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass die Eignung im Mittelpunkt des Vergabeverfahrens stehen muss. Außerdem wurde die lange Wartezeit von bis zu acht Jahren, wie sie für das Medizinstudium nicht unüblich war, als nicht zumutbar eingestuft. Und Hand aufs Herz: Das ist im Grunde auch fair. Besonders, da die Eignung nicht gleichzusetzen ist mit schulischen Leistungen.
ZEQ: Die Chance ohne NC
Im Auswahlverfahren der Hochschule spielen neben dem Abischnitt noch andere Faktoren eine entscheidende Rolle – das heißt, auch ohne einen 1,0-Schnitt hat man eine Chance, darüber einen Platz zu erhalten.
Und mit der Zentralen Eignungsquote (ZEQ), die anstelle der Wartezeitquote zum Einsatz kommt, kann man es sogar ganz unabhängig vom NC schaffen. Die konkrete Ausgestaltung des Verfahrens liegt in den Händen der Hochschulen. Aber: Es ist vollkommen unabhängig von Schulnoten. Insgesamt gibt es 100 Punkte zu vergeben, die auf mehrere Kriterien verteilt werden können. Einen wesentlichen Anteil macht in der Regel ein medizinischer Eignungstest wie der TMS aus.
Auch für abgeschlossene Berufsausbildungen und Freiwilligendienste vergeben viele Hochschulen Punkte. Um eine reale Chance zu haben, solltest Du aber unbedingt am TMS teilnehmen – und im besten Fall ein sehr gutes Ergebnis vorweisen. Etwa die Uni Köln füllt die Plätze, die über die ZEQ vergeben werden, mit den Bewerbern, die die besten Testergebnisse vorweisen können – ungeachtet aller anderen Faktoren.
Nach welchen Kriterien bei den verschiedenen Hochschulen die Punkte vergeben werden, kannst Du bei Hochschulstart nachlesen. Für Wartesemester bekommst Du seit 2022 keine Punkte mehr – bis dato wurden diese noch in die ZEQ integriert und in Punkte umgewandelt.
Weniger Sicherheit – aber schnellere Klarheit
Fakt ist: Es gibt keine Garantie mehr, irgendwann einen Medizinstudienplatz in Deutschland zu erhalten – auch wenn Du Geduld mitbringst. Und es werden statt 20 auch nur noch 10 Prozent der Studienplätze über die ZEQ vergeben. Du brauchst also eine gute Strategie und Durchhaltevermögen – Möglichkeiten gibt aber immer noch. Falls es mit der ZEQ nicht klappt, kannst Du außerdem darüber nachdenken, ob ein Studium im Ausland etwas für Dich sein könnte. Hier sind die Zugangshürden oft sehr viel geringer. Und manchmal ist ein Umweg genau der richtige Weg.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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