Praktische Erfahrungen sammeln und dabei auch noch ein neues Land entdecken? Im Medizinstudium musst Du vor dem Physikum ein Krankenpflegepraktikum absolviert haben, das Dir einen Einblick in die Arbeit auf der Station gibt – und das geht auch im Ausland. Hier erfährst Du, wie Du Dich vorbereiten kannst und was Du beachten musst.
Das dreimonatige Pflegepraktikum ist für die Zulassung zur ärztlichen Vorprüfung notwendig. Dabei ist der genaue Zeitpunkt Dir überlassen. Ob Du direkt nach dem Abitur in die erste praktische Erfahrung startest oder Dich schon mitten im Studium befindest: Warum nicht gleich noch einen Auslandaufenthalt mitnehmen?
Warum ins Ausland?
Neue Länder und Kulturen entdecken, das Schulenglisch aufbessern – wer möchte das nicht? Auch fachlich kann es viele Vorteile bringen, dieses Pflichtpraktikum im Ausland zu absolvieren. Auf der Station lernst Du den Krankenhausalltag kennen und trittst in direkten Kontakt mit Patienten. Besonders spannend ist es, Einblicke in andere Gesundheitssysteme zu bekommen. Und Medizin in einem globalen Kontext zu erleben, eröffnet neue Perspektiven und bringt wertvolle Erkenntnisse – vor allem, wenn viel Improvisation erforderlich ist oder Du mit Krankheitsbildern konfrontiert wirst, die in Deutschland eher selten sind. Die Bedingungen, unter denen medizinisch gearbeitet wird, können sich dabei stark von denen in Deutschland unterscheiden – das hängt ganz vom jeweiligen Arbeitsumfeld ab. Die Auseinandersetzung mit einer neuen Umgebung ist in jedem Fall herausfordernd und bietet gleichzeitig enormes Lernpotenzial.
Zudem sind Auslandserfahrungen und interkulturelle Kompetenzen in jeder medizinischen Laufbahn ein klarer Pluspunkt! Als zukünftiger Arzt wirst Du Menschen mit sehr unterschiedlichen biografischen Hintergründen versorgen, wofür eine gewisse Kultursensibilität unerlässlich ist. Ein Auslandsaufenthalt eignet sich hervorragend, um diese zu entwickeln.
Bedingungen für die Anerkennung
Ganz wichtig zu beachten: Dein Praktikum im Ausland muss bestimmte Kriterien erfüllen, damit es im Medizinstudium anerkannt wird.
Es muss auf einer bettenführenden Krankenpflegestation in einem staatlichen oder staatlich anerkannten Krankenhaus absolviert werden – das schließt z.B. Notaufnahmen, humanitäre Einsätze und OP-Stationen aus. Auch psychiatrische Stationen werden oft nicht anerkannt. Eine hilfreiche Orientierung, welche Aufgabenbereiche im Praktikum abgedeckt werden sollten, bietet die Checkliste des Hartmann-Bundes.
Das 90-tägige Praktikum kann auch aufgesplittet und auf verschiedenen Stationen absolviert werden, solange ein Block mindestens 30 Tage am Stück umfasst.
Die Anerkennung erfolgt durch das für Dich zuständige Landesprüfungsamt (LPA). Dazu muss das Krankenhaus Dir eine Bescheinigung ausstellen. Den entsprechenden Vordruck findest Du ebenfalls beim LPA. Ganz wichtig: Das Ausstellungsdatum darf frühestens auf Deinen letzten Arbeitstag datiert sein. Außerdem dürfen die Unterschrift der Pflegedienstleitung und der Klinikstempel nicht fehlen. Letzterer muss in Deutschland eventuell noch übersetzt werden. Plane also genügend Zeit für die Anerkennungsprüfung ein, der ganze Prozesse kann einige Wochen bis Monate dauern.
Auf eigene Faust oder mit einer Organisation
Wie Du an Deine Praktikumsstelle kommst, ist Dir überlassen – egal ob in Deutschland oder andernorts.
Du kannst Dir dafür einfach Krankenhäuser in Deinem Wunschland heraussuchen und Dich eigenständig bewerben. Da sich die Gesundheits- und Ausbildungssysteme unterscheiden, ist das Pflegepraktikum im Rahmen des Medizinstudiums nicht in allen Ländern bekannt. Deshalb solltest Du direkt am Anfang Erklärungen über Sinn und Zweck des Praktikums sowie die Bedingungen, die erfüllt werden müssen, beilegen. Wenn Du das Praktikum eigenständig organisierst, bist Du natürlich auch für An- und Abreise sowie Unterkunft und ggf. Visum komplett selbst verantwortlich.
Dabei am besten von Anfang an dran denken: Gerade in englischsprachigen Ländern wie den USA oder Neuseeland ist es leider fast unmöglich, ein Visum für ein Pflegepraktikum zu erhalten –südamerikanische Länder sind dagegen sehr beliebt und relativ gut umsetzbar.
Wenn Dich der Gedanke an den organisatorischen Aufwand schon jetzt zögern lässt, kannst Du Dich aber auch an eine Organisation wenden: Anbieter wie wayers und Interswop vermitteln Pflegepraktika im Ausland. Dabei profitierst Du davon, dass Du nicht allein den Überblick über alle Erfordernisse behalten musst und sich um Unterkunft und Einsatzstelle für Dich gekümmert wird. Oft werden von den Organisationen Servicepakete zusammengestellt, die dann natürlich auch ihren Preis haben: Je nach Zielland und Aufenthaltsdauer solltest Du mit Kosten von mindestens 1.500 € rechnen – ohne Flug und Visum. Allerdings sparst Du Dir auch Zeit und Energie. Gerade wenn es für Dich das erste Mal ins Ausland geht, kann die Sicherheit, dass an alles gedacht ist, sehr beruhigend sein.
Finanzielle Aspekte
Auch in Deutschland werden Pflegepraktika eher selten bezahlt – bei einem Auslandsaufenthalt bringt es aber immer zusätzliche Kosten mit sich. Diese können je nach Land und Organisation stark variieren. Du solltest auf jeden Fall Ausgaben für Flug, Unterkunft, Verpflegung, Versicherungen und ggf. Visum einplanen. Möglicherweise brauchst Du auch spezielle Impfungen.
Es gibt allerdings Finanzierungsmöglichkeiten wie z.B. das PROMOS-Stipendium oder Auslands-BAföG – das kannst Du auch erhalten, wenn Du in Deutschland kein BAföG beziehst. Je nach Bundesland und Hochschule gibt es oft auch noch andere Förderungen. Wenn Du finanzielle Unterstützung benötigst, solltest Du so früh wie möglich nach den passenden Programmen suchen. Die Beantragung dauert oft einige Monate.
Erfahrungen, die bleiben
Ein Praktikum im Ausland ist eine Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen. Gerade zu einem frühen Zeitpunkt im Studium kannst Du hier den Grundbaustein für Deine fachlichen und interkulturellen Kompetenzen legen. Gut vorbereitet wirst Du hier Erfahrungen sammeln, von denen Du lange profitieren kannst – sowohl beruflich als auch persönlich.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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