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Praxiserfahrung im Medizinstudium – Diese Möglichkeiten gibt es

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Studierende üben Nähen am Modell – Praxiserfahrung im Medizinstudium – Diese Möglichkeiten gibt es

Von dem Medizinstudium wissen die meisten: Man braucht ganz schön viel Disziplin, um hier gut durchzukommen. Denn die sechs Jahre Ausbildung sind lernintensiv und herausfordernd. Aber der Arztberuf findet nicht hinter Büchern, sondern im Kontakt mit Menschen statt. Bietet das Studium dafür wirklich genug Vorbereitungszeit? Hier zeigen wir Dir, wie Du im Studium auf die Arbeit am Patienten vorbereitet wirst – und welche Möglichkeiten Du darüber hinaus noch hast.

Theorie ist Silber, Praxis ist Gold – natürlich braucht man beides, um als Arzt bestehen zu können. Dabei ist es nicht nur wichtig, den Körper aus nächster Nähe zu kennen, sondern auch die Dynamiken des Arbeitsalltags zu verstehen und empathisch mit den Patienten umzugehen. Nach dem Medizinstudium wirst Du natürlich nicht ins kalte Wasser geworfen. In mehreren Phasen der Ausbildung lernst Du direkt vor Ort, was es wirklich bedeutet, Arzt zu sein.

Der erste echte Einblick: Das Pflegepraktikum

Die erste Gelegenheit, einmal zu überprüfen, ob der Beruf wirklich etwas für Dich ist, erhältst Du in einem 90-tägigen Krankenpflegepraktikum, das vor dem Physikum, also in den ersten Semestern ansteht. Du kannst es aber auch schon vor Beginn des Studiums absolvieren. Wichtig ist nur, dass Du das Abi in der Tasche hast, wenn Du in Deine Praxiserfahrung startest.

Das Praktikum muss in einer Bettenstation eines staatlichen oder staatlich anerkannten Krankenhauses oder in einer Reha-Einrichtung geleistet werden. Inhaltlich geht es hier darum, dass Du den Alltag auf Station kennenlernst. Du wirst in den regulären Schichtplan eingeteilt und packst z.B. beim Bettenmachen und Waschen der Patienten mit an. Aber auch bei einfacheren medizinischen Aufgaben wie Blutabnahme kommst Du zum Einsatz. Auch wenn die Arbeit als Arzt nochmal andere Bereiche umfasst, sammelst Du hier wertvolle Erfahrungen. Der Kontakt mit Patienten, das Erleben des Schichtbetriebs, die Zusammenarbeit und Absprache mit den Kollegen und ganz viel über die Schulter schauen: Bereits in diesem ersten Praktikum wirst Du viel über Stressresistenz, Teamarbeit und die medizinische Praxis lernen und bekommst einen Eindruck davon, ob die Arbeit im Krankenhaus etwas für Dich sein könnte.

In der Auswahl der Klinik bist Du dabei frei und die Bewerbung ist meistens unkompliziert: Du kannst einfach telefonisch oder per Mail anfragen, ob und wann Praktikumsstellen frei sind. Eine finanzielle Entlohnung gibt es eher selten – aber mit der Bestätigung erhältst Du die Zulassung zum ersten Staatsexamen.

Übrigens: Das Praktikum kann auch in bis zu drei Blöcke zu je mindestens 30 Tagen aufgeteilt werden. So kannst Du direkt in mehrere Stationen hineinschnuppern.

Famulaturen

Wenn Du die vorklinische Phase des Studiums geschafft hast, geht es an die Famulaturen: Hier sammelst Du in der vorlesungsfreien Zeit zwischen Physikum und PJ durch vier Blöcke von jeweils 30 Tagen Dauer Praxiserfahrung in den verschiedenen Bereichen der Patientenversorgung.

In einem Krankenhaus oder einer stationären Reha-Einrichtung müssen zwei Famulaturen abgeleistet werden. Einen weiteren Monat verbringst Du in der ambulanten Versorgung. Dazu zählen Arztpraxen, aber auch Notaufnahmen und Ambulanzen. Schließlich geht es in der vierten Famulatur in die hausärztliche Patientenversorgung, also zu einem Allgemeinmediziner, Kinderarzt oder Internisten ohne Schwerpunktbezeichnung. Hier erhältst Du nun einen umfassenderen Einblick in die ärztliche Tätigkeit. Während Du im Pflegepraktikum vor allem mit dem Pflegepersonal zusammengearbeitet hast, sind hier Ärzte die Ansprechpersonen, von denen Du lernst.

Wenn Du alle vier Abschnitte absolviert hast, kannst Du die Bescheinigungen beim Landesprüfungsamt anerkennen lassen – erst wenn Du die Famulaturen vorweisen kannst, ist eine Anmeldung zum zweiten Staatsexamen möglich.

PJ – Das Praktische Jahr

Ein ganzes Jahr Praxiserfahrung bietet dann – wie es der Name schon sagt – das Praktische Jahr, kurz PJ. Damit läutest Du gewissermaßen den Abschluss des Studiums ein. Den zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung musst Du bereits bestanden haben. Das PJ startet zweimal im Jahr und wird an einer Uniklinik bzw. einer von der Universität anerkannten Klinik geleistet. Dabei ist es in drei Tertiale gegliedert, von denen je eines in der Chirurgie und in der Inneren Medizin absolviert wird. Für die verbleibenden vier Monate kannst Du Dir ein Wahlfach aussuchen.

Dann heißt es: Anwenden, was Du die letzten Jahre gelernt hat und natürlich weiter dazulernen. Du wirst unter Anleitung für die täglichen Aufgaben des Arztberufs herangezogen: Vom Verbandswechsel über Anamnese, das Verfassen von Arztbriefen bis hin zum Assistieren bei Operationen – jetzt geht es darum, die ganze Bandbreite an medizinischem Know-how anzuwenden und zu vertiefen. Und wahrscheinlich hast Du es schon erraten: Mit der PJ-Bescheinigung winkt die Zulassung zum 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.

Praxiserfahrung als Chance

Du siehst, im Medizinstudium wirst Du nicht hinter dem Schreibtisch versauern – zumindest nicht die ganze Zeit. Wenn Du noch nicht ins Medizinstudium gestartet bist und Dir jetzt schon die Finger jucken, gibt es auch Möglichkeiten, erste Erfahrungen im medizinischen Bereich zu sammeln: Zum Beispiel mit einer Ausbildung als Rettungssanitäter – die dauert nur wenige Monate und liefert neben medizinischem Wissen auch einen flexiblen Nebenjob für die Studienzeit. Oder Du nutzt die Zeit für ein FSJ im Krankenhaus – das kann meistens sogar als Pflegepraktikum anerkannt werden, sodass Du Dir für die ersten Semester ein wenig Luft verschaffen kannst.

So oder so: Die Praxiserfahrungen, die Du vor und während des Studiums sammelst, sind mehr als Pflichtprogramm. Hier wirst Du merken, wo Deine Stärken liegen und was Du vielleicht auch auf keinen Fall machen willst. Je eher Du anfängst, Dich in der echten Arbeitswelt von Medizinern umzusehen, desto besser.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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