Dass das Medizinstudium kein Sprint, sondern vielmehr Marathon ist, davon haben die meisten schon einmal gehört. Aber wie viele Jahre sind für die Ausbildung tatsächlich vorgesehen, bis man wirklich Arzt ist? Und wie sieht es in der Realität aus?
Der Umfang an Stoff, der im Medizinstudium vermittelt wird, ist ganz schön beachtlich. Dazu gehören auch noch viele Monate Praxiserfahrung und nicht zu vergessen: Drei große Staatsexamina. Wenn man noch am Anfang vom Studium steht, scheint die Zeit kaum absehbar zu sein, bis man den Titel endlich hat. Und wenn am Ende alles doch noch viel länger dauert?
Die Regelstudienzeit
Grundsätzlich meint Regelstudienzeit die Dauer, die mindestens erforderlich ist, um die Ausbildung abzuschließen. Im Fall des Medizinstudiums sind das offiziell zwölf Semester, also sechs Jahre. Das ist allerdings sehr knapp bemessen – vor allem, weil die Prüfungen sehr anspruchsvoll sind. Im Median benötigen Studierende 13,8 Semester, um das Medizinstudium abzuschließen.
So ist das Studium aufgeteilt
Vorklinischer Abschnitt: 1.-4. Semester
Der erste Abschnitt gestaltet sich für viele Studierende als herausfordernd, da in diesen Semestern Wissen aus den Bereichen Anatomie, Biochemie, Physiologie und Medizinische Psychologie und Soziologie vermittelt werden – so wichtig diese Grundlagen sind, so entfernt liegt die hohe Theorielast von den Vorstellungen, die Studierende vom Medizinstudium haben. Am Ende der Vorklinik liegt dann das Physikum – der erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Und die Prüfung hat es in sich: Viele erinnern sich daran als anstrengendste Zeit im Studium. Da die Durchfallquoten an einigen Hochschulen recht hoch sind, kann es auch sinnvoll sein, sich hier ein Semester mehr einzuplanen.
Aber auch in den ersten Semestern sammelst Du schon Praxiserfahrungen: Neben einem erste Hilfe-Kurs muss in diesem Zeitraum auch ein dreimonatiges Pflegepraktikum absolviert werden.
Klinik: 5.-10. Semester
Im umfangreichen zweiten Abschnitt wirst Du umfassend in der klinischen Medizin ausgebildet: Du besuchst Veranstaltungen zu den verschiedenen Fachdisziplinen wie Allgemeinmedizin, Chirurgie, Neurologie und tauchst tief in die Praxis ein. Dazu gehören auch vier Monate Famulaturen, die in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden müssen. Am Ende der Klinik steht der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Auch hier braucht es eine gute und zeitintensive Vorbereitung.
Praktisches Jahr (PJ): 11-12. Semester
Das Studium endet mit einem Jahr Praxiserfahrung. Eine spannende, aber auch anstrengende Zeit, in der Du den Betrieb im Krankenhaus so richtig kennenlernst. Und ganz am Ende steht dann der dritte Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.
Wichtig dabei zu beachten: Zu der für die verschiedenen Abschnitte eingeplante Zeit kommt die Prüfungszeit noch on top: Also auch wenn alles nach Plan läuft, solltest Du mit sechs Jahren und etwa drei Monaten rechnen.
Bei Modellstudiengängen sieht der Studienaufbau etwas anders aus: Hier wird oft bereits in den ersten Semestern mehr Fokus auf die Praxis gesetzt.
Was man nicht vergessen sollte: Nach dem Abschluss ist man noch nicht fertig. Es folgt die Facharztausbildung, die nochmal fünf bis sechs Jahre dauert. Das sollte man auf dem Schirm haben – denn irgendwann wollen die meisten nur noch eins: Endlich fertig werden.
Was passiert, wenn die Regelstudienzeit überschritten wird?
Das Medizinstudium ist sehr anspruchsvoll. Insbesondere die Famulaturen, die in den Semesterferien geleistet werden, sorgen für Zeitknappheit. Und gerade wenn man Auslandsaufenthalte in das Studium integriert, braucht man oft länger. Aber auch durch Nebenjobs, familiäre Verpflichtungen oder den Wunsch, neben dem ganzen Lernen noch ein wenig Zeit für sich selbst zu haben, planen viele ein paar Semester mehr ein.
Und gute Nachrichten: In der Regel stellt das auch überhaupt kein Problem dar. Die wenigsten schaffen das Studium in Regelstudienzeit – und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Zum Problem kann lediglich die Finanzierung werden: Denn BAföG wird nur für die Dauer der Regelstudienzeit gezahlt – wenn Du einen guten Grund hast, ist allerdings eine Verlängerung möglich. Gründe dafür können etwa Krankheit oder die Mitarbeit in einem Gremium sein.
Belastungen rechtzeitig vorwirken – und damit umgehen
Das Studium kann auch psychisch belastend sein – der Prüfungsstress, emotionale Belastungen durch die Konfrontation mit kranken Menschen und zu wenig Ausgleich sorgen bei vielen Studenten zu Erschöpfung. Dabei solltest Du auf Warnzeichen achten und Unterstützungsangebote nutzen. Und: Wenn es zu viel wird, nimm Dir den Druck raus. Es kommt nicht darauf an, unbedingt in Regelstudienzeit durchzuziehen. Vielmehr solltest Du Dir den Weg dafür ebnen, möglichst lange Spaß am Arztberuf zu haben.
Lang, aber lohnend
Das Medizinstudium kann sich ganz schön ziehen. Und die meisten brauchen noch länger als die sechs Jahre Regelstudienzeit. Das viele lernen, die Prüfungen und Praxiserfahrung bringen Dich letztendlich aber Schritt für Schritt deinem Traumjob näher. Ob Du in Regelstudienzeit abschließt oder nicht, ist dabei zweitrangig – Ausdauer brauchst Du für den Weg so oder so. Aber es ist gut investierte Zeit.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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