Wissenswertes

Wie sind die Abbrecherquoten im Medizinstudium?

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Nachdenkliche Studierende im Hörsaal – Wie sind die Abbrecherquoten im Medizinstudium?

Familiäre und eigene Erwartungen, das hohe Lernpensum und immer wieder die Frage: Was, wenn ich dem Druck nicht gewachsen bin? Die Angst, das Studium nicht zu schaffen, ist bei vielen Medizinstudierenden groß – schließlich gilt die Humanmedizin als einer der schwersten Studiengänge. Aber wie viele brechen die Ausbildung tatsächlich ab? Und was sind die Gründe dafür?

Der Druck beginnt nicht erst im Studium an – schließlich braucht es Bestnoten, um überhaupt einen der begehrten Plätze zu erhalten. Das suggeriert, dass nur wenige den Anforderungen gewachsen sind, die ein Medizinstudium mit sich bringt – und diese sind durchaus hoch. Im Laufe ihres Studiums plagen die Zweifel und Versagensängste die meisten Studierenden. Die gute Nachricht: Die Abbruchquote im Medizinstudium ist trotzdem gering.

Abbrecherquote vergleichsweise niedrig

Obwohl das Studium drei schwierige Prüfungen beinhaltet, brechen nur zwischen fünf und elf Prozent aller Medizinstudierenden ab – im Vergleich zu anderen Studiengängen ein geringer Wert: Im Schnitt wird der Bachelor von 28 Prozent aller Studierenden nicht beendet. Besonders hoch ist die Quote in Mathematik, Natur- und Geisteswissenschaften, wo jeder zweite die Uni ohne einen Abschluss verlässt.

Der Grund für die niedrige Abbruchquote in Medizin wird auch in der aufwendigen und selektiven Studienplatzvergabe vermutet: Wer dagegen bereits viel investiert hat, zieht das Studium eher durch. Weg ins Medizinstudium ist lang und selektiv. Außerdem spricht der für das Studium notwendige Notendurchschnitt für eine hohe Lernbereitschaft. Und auch die guten Berufsaussichten sind ein Motivator: Die Aussicht auf einen sinnstiftenden Beruf mit gutem Einkommen hilft vielen, dranzubleiben. Wenn es doch zu einem Studienabbruch kommt, dann meist in den ersten Semestern. Nach bestandenem Physikum bricht fast niemand mehr ab.

Wer bricht ab – und warum?

Studierende, die über die mittlerweile abgeschaffte Wartezeitquote an einen Studienplatz gekommen sind, hatten ein wesentlich höheres Risiko, das Studium nicht erfolgreich zu beenden. Zahlen zur Abbruchquote unter Studierenden, die über die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) zugelassen wurden, gibt es dagegen noch nicht, ebenso wenig zu den Modellstudiengängen – da Umfragen zeigen, dass die Zufriedenheit hier hoch ist, kann man aber davon ausgehen, dass noch weniger Studierende sich für einen Abbruch entscheiden.

Also erst einmal aufatmen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Du das Studium schaffst, ist sehr hoch. Die Frage, ob Du das aber überhaupt willst, solltest Du Dir dennoch ehrlich beantworten.

Die Gründe für einen Abbruch sind dabei vielfältig. Manche merken im Laufe der Zeit, dass der Arztberuf doch nicht zu ihnen passt. Oft spielt auch die Enttäuschung über den Studienalltag, den sich viele als spannendste Zeit ihres Lebens ausgemalt haben, eine Rolle: Das Medizinstudium ist stark verschult und gerade in den ersten Semestern theorielastig. Das Lernpensum und die schwierigen Prüfungen verlangen von Anfang an einen hohen Einsatz.

Wie Du dranbleibst – oder die richtige Entscheidung triffst

Hindernisse und schwierige Momente solltest Du einkalkulieren, wenn Du Dich für ein Medizinstudium entscheidest: Hab einen realistischen Blick, oft geht nicht alles auf einmal – und dann ist „Hauptsache bestanden“ manchmal die gesündere Option. Natürlich solltest und musst Du Dich im Studium anstrengen, aber um dranzubleiben und nicht die Motivation zu verlieren, brauchst Du auch Phasen der Erholung. Der Weg zum Arztberuf ist lang. Es lohnt sich, die Motivation immer vor Augen zu halten und zu aktualisieren: Warum hast Du Dich für das Studium entschieden? Was willst Du im Moment erreichen? Wer diese Fragen für sich beantworten kann, schöpft daraus Kraft und Motivation.

Abbrechen bedeutet nicht Scheitern

Und wenn Du die Fragen nicht mehr beantworten kannst, versuch es mit dieser: Gibt es etwas, das Dich langfristig glücklicher machen würde? Sei ehrlich zu Dir und nimm Dir Zeit, um darüber nachzudenken. Und mach Dir klar, dass ein Abbruch kein Scheitern ist!

Wenn Du feststellst, dass das Studium einfach nicht zu Dir passt oder Du eine ganz andere Vision von Dir im Kopf hast, solltest Du nicht auf Biegen und Brechen durchziehen: Studierende aus den Staatsexamens-Studiengängen treffen die Entscheidung durchschnittlich zu einem späteren Zeitpunkt als Bachelor-Kandidaten – nutz dann lieber die Zeit, um Dich zu orientieren und herauszufinden, was Du wirklich willst.

Selten, aber kein Tabu

Das Medizinstudium gilt als besonders fordernd, doch Studien zeigen: Wer den Studienplatz bekommt, bleibt meist bis zum Ende dran. Im Allgemeinen solltest Du Dich von der Quote allerdings nicht beeinflussen lassen. Es gibt verschiedene Gründe für einen Abbruch und Du musst niemandem etwas beweisen. Ein Abbruch erfordert Mut und ist kein Ende, sondern eine Weichenstellung, die Dir neue Wege eröffnen kann. Wer sich frühzeitig mit den Anforderungen des Medizinstudiums auseinandersetzt, auf die eigene Belastbarkeit achtet und im Zweifel ehrlich zu sich ist, wird seinen Weg gehen – mit oder ohne Medizinstudium.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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