Du willst Zahnmedizin studieren und bist Dir nicht sicher, ob Dein Schnitt gut genug ist? Vielleicht hast Du dann schon mal über ein privates Studium nachgedacht. Hier spielen die Schulnoten oft eine geringere Rolle als an staatlichen Universitäten. Aber was muss man bei einem privaten Studium beachten?
Die Nachfrage nach Studienplätzen ist auch in der Zahnmedizin hoch. Da stellt die Ausbildung an einer Privatuniversität eine Alternative dar: Denn diese bieten die Möglichkeit, den Traumberuf auch ohne Top-Abitur zu realisieren. Allerdings gibt es auch hier einige Hürden zu überwinden.
Warum eine Privatuniversität
Der für viele relevanteste Punkt: Viele Privatuniversitäten setzen auf individuellere Auswahlverfahren. Ganz schulnotenunabhängig sind diese zwar meist auch nicht, aber der Schnitt ist nur ein Kriterium: Daneben werden oft Auswahltests und -gespräche eingesetzt, um sich von der Eignung der Kandidaten zu überzeugen.
Viele Privatuniversitäten werben mit einer besonderen Lernerfahrung durch kleinere Gruppen, enge Betreuung und ihre gute Ausstattung. Auch die stärkere Fokussierung auf die Praxiserfahrung stellt für viele Bewerber ein Bonuspunkt dar: An einigen Hochschulen kommt man schon sehr früh in den Kontakt mit Patienten.
Wo kann man privat Zahnmedizin studieren?
Universität Witten/ Herdecke
Studienaufbau und -schwerpunkt
Die Universität Witten/ Herdecke bietet einen Staatsexamens-Studiengang im Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an. Dabei handelt es sich um ein staatlich anerkanntes Vollzeitstudium mit einer Regelstudienzeit von zehn Semestern. Im vorklinischen Abschnitt werden auch hier die Grundlagen unterrichtet, allerdings gehören dabei Famulaturen von Beginn an zum Curriculum. Die Besonderheit des Studiengangs besteht in der Ausrichtung der Hochschule: Es wird eine zusätzliche Ausbildung in der Behindertenorientierten Zahnmedizin angeboten. Auch Famulaturen können in sozialen Projekten der Universität geleistet werden: Etwa einer Einrichtung der Obdachlosenversorgung. Du erlernst hier also auch besonders die sozialen und kommunikativen Skills.
Bewerbungsverfahren
Pro Semester werden nur höchstens 48 Studierende zugelassen. Wenngleich es keinen NC gibt, sind die Auswahlkriterien entsprechend hoch. Das personenbezogene Auswahlverfahrung läuft in mehreren Schritten ab.
Mit der Allgemeinen Hochschulreife kannst Du Die Zulassung beantragen. Dazu musst Du neben dem ausgefüllten Antrag auch einen handschriftlich verfassten Tabellarischen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, Deine Geburtsurkunde und ein Bewerbungsfoto in dreifacher Ausführung einschicken. Dabei wird noch keine Auswahl getroffen – sofern Deine Unterlagen vollständig sind, wirst Du zum Auswahltag eingeladen. An diesem musst Du in einem Leistungstest überzeugen: Dieser praktische Test prüft die manuelle Geschicklichkeit, das dreidimensionale Vorstellungsvermögen sowie die Umsetzung komplexer Fragestellungen in gegenständlichen Arbeiten. Zudem wirst Du in einem Gespräch mit Fragen gelöchert.
Letztlich entscheiden etwa acht Gutachter über Deine Bewerbung, wobei viele Kriterien eine Rolle spielen: In die Entscheidung werden Aspekte wie schulische Leistungen, naturwissenschaftliche Schwerpunktsetzung, soziales Engagement, berufliche Vorbildung, Motivation, Sprachkenntnisse oder Praktika miteinbezogen.
Kosten
Für den Bewerbungsprozess wird eine Gebühr von 300 € fällig. Kostenpunkt für die Studienbeiträge: 103.320 €. Das klingt erstmal kaum stemmbar – und schließlich muss man in der Studienzeit auch noch von etwas leben. Allerdings bietet die Uni mit dem umgekehrten Generationenvertrag ein Finanzierungsmodell, das eine flexible Zahlung ermöglicht. So ist es auch möglich, während des Studiums nichts zu zahlen und die Beiträge später nachzuholen, wenn Du selbst Geld verdienst. Als Zahnarzt verdienst Du in der Regel ein ordentliches Gehalt – allerdings sollte man sich natürlich trotzdem überlegen, ob man das Kommittent eingehen will.
Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor-Fontane
Studienaufbau und -schwerpunkt
Auch der Modellstudiengang Zahnmedizin ist ein Vollzeit-Studiengang in 10 Semestern. Neben der starken Praxisorientierung wird hier viel Wert auf die Ausbildung von betriebswirtschaftlich-organisatorischen Kompetenzen gelegt: Etwa mit einem Modul „Praxismanagement“ – damit sollen die Studierenden auf den direkten Berufseinstieg vorbereitet werden.
Bewerbungsverfahren
Auch an der MHB werden nur 48 Bewerber pro Semester aufgenommen, wobei der Studienstart nur zum Sommersemester möglich ist. In Brandenburg ist die Aufnahme eines Zahnmedizin-Studiums mit entsprechender Ausbildung und Qualifikation auch ohne Abitur möglich. Die Bewerbungsunterlagen werden hier online auf der Bewerbungsmaske hochgeladen: Motivationsschreiben: Verlangt werden ein Motivationsschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf, eine Hochschulzugangsberechtigung oder Äquivalent. Zudem sollten Zeugnisse, Beurteilungen und ähnliches beigefügt werden.
Die Unterlagen werden geprüft und wenn Deine Bewerbung überzeugt hat, wirst Du zum Auswahltag eingeladen. Bei diesem durchläufst Du mehrere Stationen und stellst Deine für die zahnärztliche Tätigkeit relevanten Fähigkeiten und Deine Motivation unter Beweis.
Kosten
Hier kostet die Bewerbung 225 €. Für das gesamte Studium betragen die Gebühren 132.000 €. Auch wenn unterstützend Studienkredite oder Stipendien helfen können, reichen diese für die Finanzierung nicht aus. Dementsprechend ist das Studium kaum machbar, wenn man nicht aus einem wohlhabenden Elternhaus kommt.
Health and Medical University Erfurt (ab April 2026)
Studienaufbau und -schwerpunkt
Der Studiengang Zahnmedizin befindet sich an der HMU im Prozess der staatlichen Anerkennung und wird ab April 2026 angeboten. Das Studium erfolgt in Vollzeit in 11 Semestern. Im Fokus stehen neben den Fachkompetenzen auch fächerübergreifende Kompetenzen, u.a. psychische, ethische und kommunikative Fähigkeiten und Aspekte.
Bewerbungsverfahren
Über das Online-Bewerbungsportal kannst Du den ausgefüllten Zulassungsantrag sowie Deine Unterlagen hochladen. Neben einer Kopie der Hochschulzugangsberechtigung werden auch eine Kopie des Personalausweises und ein tabellarischer Lebenslauf verlangt. Zudem musst Du Deine Motivation in einem ein bis vier Seiten langem Schreiben darlegen. Nachweise über eine abgeschlossene Berufsausbildung, Berufserfahrungen und soziales Engagement solltest Du ebenfalls beifügen.
Sofern Deine Unterlagen vollständig sind und die formalen Voraussetzungen stimmen, findet ein zweistufiges virtuelles Auswahlverfahren statt: In einem 90-minütigen schriftlichen Eignungstest wird naturwissenschaftliches Grundlagenwissen mittels Multiple-Choice-Fragen aus den Gebieten Biologie, Chemie, Physik und Mathematik geprüft.
Außerdem stellst Du in einem 20-minütigen Einzelgespräch Diene Eignung, Motivation und Belastbarkeit unter Beweis. Teil des Gesprächs ist auch eine Fallsimulation. Das Gespräch ist Kern des Bewerbungsverfahrens: Es geht zu 75 Prozent in die Entscheidung über eine Zulassung ein, während der Test 25 Prozent ausmacht.
Kosten
Die Bewerbungsgebühr beläuft sich hier auf ganze 500 €, dazu komme noch 100€ für die Einschreibung. Die Studiengebühren betragen insgesamt etwa 135.000 €.
Der HMU-Bildungsfond basiert ebenfalls auf dem Prinzip Umgekehrter Generationenvertrag. Das bedeutet, dass Du auch hier erst einmal studieren und dann später zahlen kannst. Allerdings geht das erst ab dem fünften Semester.
Diese Alternativen gibt es
Anders als beim Studium der Humanmedizin gibt es in Deutschland nur wenige Möglichkeiten, Zahnmedizin an einer Privatuniversität zu studieren. Eine echte Herausforderung stellt neben den hohen Studiengebühren, die mindestens mit langjährigen Verpflichtungen einhergehen, auch das Auswahlverfahren dar: Denn auch wenn andere Kriterien als der NC angewandt werden, sind die Plätze sehr stark limitiert und ebenso gefragt.
Es lohnt sich daher, sich mit anderen Möglichkeiten auseinanderzusetzen: Auch an staatlichen Hochschulen sind die Abinoten nicht das einzige Kriterium. Vor allem mit einem Eignungstest wie dem TMS kannst Du Deine Chancen erhöhen, über das Auswahlverfahren der Hochschulen oder die Zentrale Eignungsquote an einen Platz zu kommen.
Außerdem kann ein Studium im Ausland eine gute Alternative darstellen. Zwar sind die Studiengebühren auch hier höher als an den deutschen staatlichen Hochschulen, die Auswahl ist aber wesentlich größer. Auch die Lebenshaltungskosten sind oft niedriger.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
Alle Artikel von Jana →



