Ein Top-Abischnitt ist ein Muss, um Medizin zu studieren – oder? Nicht ganz. Denn auch wenn die Noten eine wesentliche Rolle spielen, wenn es um die umkämpften Medizinstudienplätze geht, ist mit einem perfekten Schnitt noch nicht alles gesagt. Und im Umkehrschluss: Auch ohne hat man eine Chance. Was hat es mit der sogenannten Bestenquote auf sich?
Der Moment, auf den viele jahrelang hingearbeitet haben – ganz besonders, wenn man den Traum vom weißen Kittel verfolgt. Das Medizinstudium ist in den Köpfen vieler Bewerber direkt mit einem sehr guten Numerus Clausus verbunden. Und die meisten gehen davon aus, dass es hier heißt: Top oder Flop, ja oder nein – kommt man mit dem 1,0er Schnitt rein oder muss man auf Plan B zurückgreifen? Ganz so eindeutig ist es nicht: Das Auswahlverfahren ist wesentlich komplexer als die meisten vermuten.
Was bedeutet Abiturbestenquote?
Der Name lässt es schon vermuten – neben einem hervorragenden Abischnitt gibt es noch weitere Möglichkeiten, um an einen Studienplatz zu kommen. Wie bei allen bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen ist die Vergabe in der Humanmedizin zentral organisiert: Über das Verfahren von Hochschulstart. Und über dieses werden nur 30 Prozent der verfügbaren Plätze an diejenigen mit den besten Noten verteilt – mit der Abiturbestenquote. Daneben gibt es noch das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH), das die Vergabe von 60 Prozent der Plätze regelt. Über die Zentrale Eignungsquote (ZEQ) werden die übrigen 10 Prozent vergeben. Mit Deiner Bewerbung über Hochschulstart nimmst Du automatisch an allen Quoten teil.
Das Zulassungssystem hat sich besonders 2020 dahingehend geändert hat, dass die Abinote nicht mehr das alleinige Kriterium ist. Und das hat gute Gründe: Viele sind der Meinung, dass die Leistungsfähigkeit im schulischen Kontext kein vollständiges Bild der Eignung zum Medizinstudium liefert.
1,0 ist nicht gleich 1,0
Also im Klartext: Für den Abischnitt von 1,0 als einziges Kriterium sind nur 30 Prozent der Plätze vorbehalten. Wer gerade mitten im Abistress steckt oder das Zeugnis schon in der Hand hat, weiß: Insgesamt kann man auf eine Punktzahl von 900 kommen. Das 1,0er Abi erreicht man schon mit 823 Punkten – es gibt also Unterschiede, die bei so einem begehrten Studium wie Medizin entscheidend sein.
In einem ersten Schritt wird für jedes Bundesland eine Rangliste der erworbenen Punkte erstellt – auch, um Unterschiede im Bildungssystem zu berücksichtigen. So konkurrieren erst einmal die Bewerber eines Bundeslandes miteinander. Bei gleicher Punktzahl entscheidet das Los oder auch ein abgeleisteter Freiwilligendienst über den Rang, auf dem Du landest.
Die 16 Landeslisten werden dann zu einem komplexen mathematischen Verfahren zu einer Bundesliste zusammengefügt, mit der jeder Bewerber einen festen Platz bekommt. Dieser entscheidet, an welcher Position Du bei Deiner gewählten Hochschule stehst.
Das bedeutet auch: Ein Top-Abi garantiert Dir zunächst keinen Medizinstudienplatz – zumindest nicht über die Abiturbestenquote. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass Du nicht leer ausgehst. Heißt das, die Noten sind für das Medizinstudium doch gar nicht so wichtig?
Der NC – fast kein Kriterium mehr?
So kann man es nicht sagen – denn es gibt ja auch noch das AdH, über das immerhin die Mehrheit der Studienplätze vergeben wird. Und hier spielt die Abschlussnote neben weiteren Kriterien wie Studieneignungstests auch noch eine große Rolle. Zu welchem Anteil die Hochschulen diesen gewichten, können sie selbst entscheiden.
Wenn Du Dir unsicher bist, ob Du es über die Abiturbestenquote schaffst, ist es sinnvoll, am TMS teilzunehmen. Und vor allem: Du kannst strategisch vorgehen und schauen, wie die Hochschulen ihre Auswahl gestalten, denn hier gibt es große Unterschiede. Wenn Du ein sehr gutes Abitur mitbringst, solltest Du Dich dort bewerben, wo die Noten stark gewichtet werden. Eine Übersicht über die Gewichtung an den einzelnen Hochschulen findest Du im AdH-Leitfaden.
Immer noch ein Win – aber kein Garant mehr
Ob die Einführung weiterer Kriterien neben den Noten Fluch oder Segen für Dich ist – gerechtfertigt ist sie allemal. Auch wenn es vielleicht etwas schwieriger geworden ist, „nur“ mit gutem Schnitt an Deinen Studienplatz zu kommen, hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt: Denn wenn Du noch ein kleines bisschen strategisch vorgehst, flattern Dir sehr wahrscheinlich trotzdem Zulassungsangebote ins Postfach.
Und wenn Du keinen Top-Schnitt mitbringst, kannst Du Dich freuen: Mittlerweile gibt es zusätzliche Möglichkeiten, um Deinen Traum zu verwirklichen – zum Beispiel über die ZEQ, bei der die Abschlussnote überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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