Nach dem Abitur von zuhause ausziehen, die erste eigene WG oder Wohnung – und zur Vorstellung vom Traumstudium gehört natürlich auch die richtige Stadt. Allerdings gilt in der Medizin: Hauptsache überhaupt einen Platz bekommen. Was, wenn der zukünftige Wohnort so gar nicht den eigenen Vorstellungen entspricht?
Sechs Jahre dauert es mindestens, bis man den Titel hat … zu lange, um in einer Stadt zu sein, mit der man unzufrieden ist. Sei es der Wunsch, näher bei der Familie zu bleiben, endlich mal das Großstadtleben kennenzulernen oder die Finanzierung mit einer niedrigeren Miete zu erleichtern – es kann viele Gründe, warum man an einem bestimmten Ort wohnen möchte. Mit einem Studienplatztausch gibt es die Möglichkeit, den Studienort zu wechseln.
Wie funktioniert der Studienplatztausch?
Nicht immer können die bei der Bewerbung gesetzten Ortspräferenzen berücksichtigt werden. Da Studienanfänger oft unzufrieden mit dem Ort der Zulassung sind, wurde der Studienplatztausch eingeführt. Letztlich ist es relativ einfach: Sobald Du eine Zulassung hast, kannst Du eine Person mit einer Zulassung in Deiner Wunschstadt suchen – und mit ihr tauschen. Grundvoraussetzung dafür ist eine reguläre Zulassung in demselben Studienfach.
Der beste Zeitpunkt für einen Tausch
Viele wollen möglichst schon vor dem ersten Semester wechseln – und grundsätzlich ist das auch der perfekte Zeitpunkt dafür: Schließlich können sich die Studienverlaufspläne auch unterscheiden. Um tauschen zu können, muss Dein Tauschpartner am gleichen Punkt im Studium stehen wie Du: Ihr müsst also die gleichen – oder eben noch keine – Leistungsnachweise in der Tasche haben. Außerdem sorgen Ersti-Veranstaltungen dafür, dass Du leichter Anschluss findest.
Ein weiterer guter Zeitpunkt bietet sich nach dem Physikum: Denn auch dann haben fast alle Studierenden die gleichen Scheine gemacht.
Den geeigneten Tauschpartner finden
Mittlerweile gibt es viele Tauschbörsen – etwa von Medi-Learn, studi.info und Studis online. Aber auch in Facebook-Tauschgruppen versuchen viele ihr Glück.
Wenn sich kein direkter Tauschpartner findet, ist auch ein Ringtausch möglich. Dabei sind mindestens drei Tauschpartner involviert, die alle im gleichen Semester sind und vergleichbare Scheine aufweisen. Wenn Du etwa von München ins Saarland wechseln willst, könntest Du gemeinsam mit Person A, die vom Saarland nach Berlin und Person B, die von Berlin nach München will, tauschen. Dadurch wird der Prozess natürlich etwas heikler – denn wenn eine Person abspringt, kommt der Tausch nicht zustande.
Je nach Hochschule ist ein Tausch auch quotenübergreifend möglich. Wenn Du beispielsweise über das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) zugelassen wurdest, solltest Du Dich bei der Hochschule erkundigen, ob Du auch mit einer Person tauschen kannst, die über die Zentrale Eignungsquote an ihren Platz gekommen ist.
Was gilt es zu beachten?
Da das Auswahlverfahren 2020 dahingehend geändert wurde, dass eine freie Priorisierung möglich ist, haben einige Unis das Tauschverfahren vor dem ersten Semester eingestellt. Dazu gehören auch die medizinischen Fakultäten in Köln, Aachen, Ulm, Münster und Tübingen. Eine Übersicht über die Konditionen der einzelnen Hochschulen findest Du hier.
Ein Tausch sollte gut vorbereitet sein – und im besten Fall nicht in einer kritischen Phase des Studiums stattfinden. Denn wenn Dein Tauschpartner etwa durch das Physikum fällt oder die wichtigen Scheine nicht rechtzeitig mitbringt, scheitert der Tausch. Die Antragstellung ist in der Regel unkompliziert. Die entsprechenden Formulare findest Du auf den Websites der Fakultäten. Lern Deinen Tauschpartner kennen und versuche sicher zu gehen, dass es diesem auch ernst ist. Auch eine schriftliche Vereinbarung, dass beide Parteien sich zum gegebenen Zeitpunkt exmatrikulieren, bietet eine zusätzliche Sicherheit.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Das Medizinstudium dauert zu lang, um in einer Stadt zu bleiben, in der Du unglücklich bist. Es lohnt sich, etwas Zeit und Energie zu investieren – und mit dem Studienplatztausch haben es schon viele an ihren Wunschort geschafft. Wichtig ist es, die Regelungen der Universitäten im Blick zu behalten. Dann sollte der Rest kein Problem mehr darstellen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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