Dein Abischnitt ist nicht die 1,0, von der viele träumen, und trotzdem willst Du Medizin studieren? Verständlich, dass Du Dich fragst, ob das überhaupt realistisch ist. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an – aber die Chancen sind meistens besser, als die meisten denken.
Wie schlecht ist „schlecht“? Realistische Einordnung
Ein Abischnitt zwischen 1,5 und 2,0 gilt an vielen Universitäten inzwischen als durchaus wettbewerbsfähig, vor allem in Kombination mit einem guten TMS-Ergebnis. Wer im Bereich von 2,0 bis 3,0 liegt, hat es über die Abiturbestenquote zwar deutlich schwerer, aber über das AdH oder die Zentrale Eignungsquote sind auch hier Studienplätze erreichbar – vor allem, wenn ein starkes Testergebnis oder relevante Vorerfahrung dazukommt.
Bei einem Abischnitt schlechter als 3,0 wird es in Deutschland zunehmend schwierig, aber auch dann gibt es noch Optionen, wenn auch mit deutlich mehr Geduld und teils höherem Aufwand.
Die Wege im Detail
Die fünf wichtigsten Zugangswege abseits der reinen Abiturbestenquote haben wir Dir ausführlich in unserem Artikel Medizin studieren ohne NC zusammengestellt: Losverfahren, Wartesemester, AdH, Auslandsstudium und Studienplatzklage. Je nach Deinem persönlichen Notenschnitt ergeben sich daraus unterschiedlich realistische Kombinationen.
Auslandsstudium als Umweg zurück nach Deutschland
Besonders für Bewerber:innen mit schwächerem Abischnitt ist das Medizinstudium im Ausland oft der schnellste und planbarste Weg. Viele europäische Länder legen weniger Gewicht auf die deutsche Abiturnote und mehr auf eigene Aufnahmetests, bei denen Du unabhängig von Deinem Schulzeugnis neu ansetzen kannst. Nach erfolgreichem Abschluss ist – je nach Land – auch eine Rückkehr nach Deutschland mit Approbation möglich. Einen Überblick über die Länder findest Du in unserem Ausland-Bereich.
Was NICHT funktioniert
Auf ein „Beziehungen helfen schon“-Prinzip hoffen. Alle Vergabeverfahren in Deutschland sind streng formalisiert und transparent geregelt – informelle Wege gibt es nicht.
Sich auf ein einziges Verfahren verlassen. Wer nur die Abiturbestenquote im Blick hat, verschenkt Chancen. Die Kombination mehrerer Wege erhöht die Erfolgsaussichten spürbar.
Den TMS unterschätzen. Gerade mit einem durchschnittlichen Abischnitt kann ein gutes Testergebnis der entscheidende Hebel sein, um im AdH oder in der ZEQ vorne mitzuspielen.
Fazit
Ein schlechteres Abi macht den Weg zum Medizinstudium anspruchsvoller, aber selten unmöglich. Wer sich frühzeitig mit den verschiedenen Zugangswegen beschäftigt, seine Chancen realistisch einordnet und sich nicht nur auf einen einzigen Weg verlässt, hat gute Aussichten, am Ende doch noch am Ziel anzukommen.
Hendrik Loll
Hendrik Loll hat Jura und Gesundheitsökonomie studiert und ist seit über 15 Jahren im Umfeld des Medizinstudiums unterwegs. Er hat unter anderem StudiMed und PreMed gegründet und begleitet seitdem Studieninteressierte auf ihrem Weg zum Medizinstudium.
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